Waidgerechtigkeit ist nicht von gestern

Die „Deutsche Waidgerechtigkeit“ ist mal wieder in die Diskussion geraten. Nicht durch Verstöße aus der Jägerschaft, sondern durch Druck aus der Politik, unsere altbewährten Grundsätze zu überdenken.

Jagdausflug

Blauäugig sind alle, die da glauben, dass es in der aktuellen Debatte tatsächlich um mehr Tierschutz oder gar um weniger Tierleid geht. Das Gegenteil ist der Fall. Es sind nämlich fast ausnahmslos die Jäger, die eine Tradition verteidigen, die über Jahrhunderte entstanden ist, um Fairness gegenüber Beutetieren und Beutekonkurrenten verbindlich werden zu lassen.

Die gegen die Waidgerechtigkeit gerichtete Ideologie kommt unter unverdächtigen Bezeichnungen daher. Als „Reduktionsjagd“ oder unter dem Titel „Wald vor Wild“. Was in Wahrheit meint, dass es in unserer Rest-Natur Interessen gibt, die wichtiger sind als Wildtiere. Der finanzielle Ertrag der Forstwirtschaft zum Beispiel und – aktuell – der Schutz vor Seuchen für die Nutztierproduktion.

Modisch wird die Waidgerechtigkeit gern als „gute jagdliche Praxis“ umschrieben. Mit der Folge, dass eine solche Formulierung breiten Raum für Interpretationen zulässt – je nach Interessenlage. Bis hin zur Deutung, dass Jagd in unseren Tagen vor allem möglichst effektiv zu sein hat. Verpönte Technik wie Nachtzielgeräte gehört ebenso dazu wie die Rufe nach Jagdmethoden, die in unserer Zeit bislang aus gutem Grund als unwaidmännisch gelten. Saufänge zum Beispiel oder der Abschuss im Wintergatter.

Über die Motive lässt sich streiten: Sicher spielte beim Entstehen der Regeln nicht nur das Tierwohl eine Rolle, sondern auch das Bestreben, der Jagd Leitplanken zu geben, die ihre Grundlagen flächendeckend sichern. Raubbau, wie er vor Entstehen der modernen Jagdgesetze an der Tagesordnung war, sollte verhindert werden und das Wild gedeihen. Zum Beispiel durch die Schonung führender Muttertiere.

Waidgerechtigkeit ist im Gesetz recht ungenau definiert. Das bedeutet nicht, dass ihre Grundregeln und Motive beliebig zu interpretieren sind. Es geht im Kern darum, dem Wild – und damit der Jagd – eine Chance zu lassen. Deshalb die Bedenken vieler Jäger gegen das technisch Mögliche – vom „Vollernter“-Automaten bis hin zu Nachtzielgeräten. Und gegen Mitjäger, denen die Zahl der Strecke über deren Qualität geht.

Keine Missverständnisse: Mit Waidgerechtigkeit ist nicht Trophäen-Fetischismus gemeint. Sehr wohl jedoch das Bemühen um einen auch nach Altersklassen ausgewogenen, „gesunden“ Wildbestand und die damit ebenso verbundene Auslese. Andererseits sollte sich, wer grundsätzlich kein Kahlwild schießt, nicht auf die Tradition berufen, sondern überlegen, ob sein Verhalten nicht die wahllose Reduktionsjagd beflügelt.

Waidgerechtigkeit bedeutet auch die Bereitschaft, den Jagderfolg hintan zu stellen – und das Jagderlebnis an die erste Stelle

Zu den in Mode kommenden Unsitten gehört das müde Lächeln über Waidgenossen, die schon beim geringsten Zweifel den Finger gerade lassen. Viele von Ihnen sind nicht zu alt, um „effektiv“ zu jagen, sondern zu erfahren. Auch durch so manche Nachsuchen, die uns bis in die Träume verfolgen. Das sind die Bilder, die – ganz nebenbei – den Gegnern der Passion dann so gelegen kommen.

Waidgerechtigkeit bedeutet im Kern auch die Bereitschaft, den Jagderfolg hintan zu stellen – und das Jagderlebnis an die erste Stelle. Und die vermeintlich altmodische Chancengleichheit von Jäger und Beute als die wahre Herausforderung zu begreifen. Als Schädlingsbekämpfer sollten wir uns zu schade sein – oder damit aufhören, uns auf die Tradition zu berufen. Das staatlich organisierte Gänse-Vergasen in Holland ist nur ein Beispiel für die Folgen.

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