Was der Wolf die Jäger angeht

Wörter wie „schießwütig“ und „mordgeil“ gehören regelmäßig zu den Kommentaren, wenn sich Jäger zum Thema Wolf äußern. Dabei sind die allermeisten Jäger nicht erpicht, diese Raubtiere zu erlegen – schon wegen der unerträglichen Hetze im Internet.

Wolf durchquert einen Teich

Foto: Stephan Lauckner

Wahr ist hingegen: Wo Wölfe sich etablieren, kommen die Bedingungen für eine waidgerechte Jagd gehörig durcheinander. Das Wild wird zunehmend scheu – zumal vor dem Hund. Und das Risiko, dass Wölfe Hunde reißen, ist enorm hoch. Das wird zwar gern bestritten (zum Beispiel durch Fernseh-Förster Peter Wohlleben), ist aber nicht zu leugnen.

Von Tierfreunden wäre eigentlich zu erwarten, dass sie verstehen, wie weh es tut, einen Hund zu verlieren. Dass Jäger ihre Hunde lieben, ist wohl unbestritten. Anders funktioniert die (Jagd-)Partnerschaft nur sehr beschränkt. Und die alte Weisheit „Jagd ohne Hund ist Schund“ gilt bis heute unverändert.

Wer mit den Suchworten „Varg“ (für Wolf) und „Hund“ nach Bildern googelt, der wird massenhaft Fotos von gerissenen oder übel zugerichteten Hunden finden. Diese Erfahrung haben uns die skandinavischen Jagdfreunde voraus, sie leben bereits zwei Jahrzehnte länger mit einem stabilen Wolfsvorkommen.

Ebenfalls klar, aber von Wolfsfreunden gern bestritten: Gegen Verbiss-Schäden wirkt der Wolf nur in sehr engen Grenzen. Nicht nur, weil viele Jäger ihre Hunde nicht in den Tod schicken wollen und deshalb die klassische Drückjagd auf Elche und das Stöbern nach Rehwild stark an Effektivität verloren hat. Sondern auch deshalb, weil das Wild meist nicht zwischen Wolf und Hund unterscheidet und deshalb im Treiben meist hochflüchtig kommt – und da ist ein sauberer Schuss sehr schwierig bis unmöglich.

Ursprüngliche Erwartungen, dass die Wölfe das Schalenwild kurz halten, haben sich in Schweden jedenfalls nur höchst unzureichend erfüllt. Den Vormarsch des Schwarzwilds, das binnen weniger Jahre bis nach Mittelschweden vorgedrungen ist, haben die Räuber jedenfalls nicht aufgehalten. Und ein Rückgang der Verbissschäden ist allenfalls im kleinen Umfang festzustellen.

Für die Jäger bedeutet das: Die auch in Deutschland wohlfeile Forderung nach Reduktion des Schalenwilds wird schwerer umzusetzen, weil herkömmliche Jagdmethoden nicht mehr wie bisher greifen. Aber gegen wehrhaftes Wild wie Sauen oder auch Hirsche richten die Wölfe nicht viel aus.

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Das größte Jäger-Problem mit dem Wolf ist die Sorge, dass die Öffentlichkeit eines Tages nach Bejagung der Raubtiere rufen wird – spätestens wohl, wenn die Probleme großstädtische Regionen erreichen. Wer sich dann für die Wolfsjagd einspannen lässt, muss starke Nerven haben. In Schweden halten die zuständigen Regionalbehörden deshalb eigene Trupps speziell ausgebildeter Jäger und Hunde vor – und für den Zweifelsfall auch Hubschrauber.

Bei uns in Deutschland kommt erschwerend hinzu, dass die zuständigen Behörden sich um eine klare Rechtslage drücken: Nicht einmal für den Fangschuss nach Verkehrsunfällen gibt es Regeln, die sowohl eindeutig als auch praxistauglich sind (wir berichteten).

Was dabei herauskommt, zeigte die Erfahrung mit Braunbär „Bruno“: Die Jagdverbände in Bayern und Tirol weigerten sich geschlossen, an der Hatz auf das Tier teilzunehmen – auch wegen der üblen Hetze, die Bärentöter in anderen Ländern aushalten mussten. Am Ende ließ der Umweltminister zwei Polizeibeamte für den Abschuss zwangsverpflichten. Er fand zu seinem Glück welche mit Jagdschein, sonst wäre das Unterfangen womöglich an der ungeklärten Rechtslage gescheitert.

So wie Jäger nichts für den Klimawandel und den ausufernden Energiepflanzen-Anbau können – und doch für das Sauenproblem in die (Zahl-)Pflicht genommen werden – fürchten sie in Mehrheit, dass es bei den Wölfen ähnlich kommen könnte. Nicht nur, weil wir und die Weidewirtschaft den Schaden haben, sondern womöglich am Ende auch noch für die „Entnahme“ den Kopf hinhalten sollen, weil es eben doch eine Urangst vor den Raubtieren gibt.

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