Waschbär-Streit: Meinungsfreiheit nach Nabu-Art

Für viel Aufregung sorgte in der vergangenen Woche die Meldung, dass der Nabu die Aufhebung der Waschbären-Schonzeit wünscht. Im Prinzip ein vernünftiger Vorschlag. Aber was unter dem Druck der Hardcore-Tierschützer daraus wurde, ist ein Trauerspiel. Vor allem für den Nabu.

Waschbär im Müll

Foto: Sascha Ljubisavljevic / Kein seltenes Bild in Deutschland – ein Waschbär, der den Müll durchwühlt.

Wer sich unter Jägern umhört, der erfährt, dass die Zusammenarbeit mit den Nabu-Ehrenamtlichen vor Ort oft sehr gut läuft. Nur an der Spitze des traditionsreichen Verbands bewahrheitet sich nicht selten die Volksweisheit, dass der Fisch vom Kopf her zu stinken anfängt. Die Waschbär-Affäre ist ein typisches Beispiel.

Da entdecken Ehrenamtliche vor Ort, dass ihnen die Waschbären kübelweise die seltenen Frösche und Kröten wegfressen, für die mühsam Schutzzäune aufgebaut wurden, damit sie nicht unter die Räder kommen. Und dann wagt so ein Ehrenamtlicher – immerhin offizieller Nabu-Amphibienexperte – gegenüber der Deutschen Presseagentur den Vorschlag, Waschbären ganzjährig zu bejagen (wir berichteten).

Viele Zeitungen – darunter auch „Bild“ – druckten die durchaus bemerkenswerte Geschichte. Dann erlebte der Nabu, was ein Teil seiner Gefolgschaft besonders gut drauf hat: Shitstorm im Internet. Bis hin zum Posting einer Tierfreundin, die netzöffentlich bedauert, dass Menschen nicht bejagt werden dürfen.

Während solche Hasskommentare lange im Netz blieben, ermahnten die Nabu-Oberen ihre Facebooknutzer erst mal zur Mäßigung und drohten, unpassende Kommentare zu löschen. Zudem, hieß es, handele es sich bei der Waschbären-Jagd um eine Falschmeldung, die der Verband binnen Tagesfrist klarstellen werde (wir berichteten).

Danach passierte erst mal gar nichts. Nachdem ungeduldige Nabu-Anhänger zunehmend auf die versprochene Klarstellung drängten, kam eine windelweiche Erklärung in Berufspolitiker-Qualität: Die Schonzeit-Idee gebe keinesfalls die Meinung des Nabu-Vorstands wieder. „Der NABU Niedersachsen fordert in keiner Weise den ganzjährigen Abschuss des Waschbären in Niedersachsen“, ließ der (hauptamtliche) Nabu-Landeschef Holger Buschmann das geschätzte und vor allem erboste Publikum wissen.

In der Haut des Nabu-Experten, der genau diesen Abschuss gefordert hatte, möchte man wohl lieber nicht stecken. Dabei ist der Waschbär-Zirkus an der Nabu-Basis landauf, landab ein wichtiges Thema. Und sogar aus der Verbandsspitze gibt es gelegentlich kritische Kommentare zum Unwesen, das die in Europa ursprünglich nicht heimischen Tierchen treiben.

Kritisch wird die Sache offenbar erst dann, wenn durchaus sinnvolle Vorschläge an die große Glocke kommen und der Stimmungstierschutz rebelliert. Dann knickt der Nabu an vorderster Front ein, auch unter dem Eindruck der Vulgär-Konkurrenz von Peta. Dort dürfen bekanntlich, Waschbär inklusive, alle Tiere leben – bis auf Hunde und Katzen, die ahnungslose Tierfreunde in Peta-Obhut geben.

Basis und Spitze sind sich beim Nabu nicht immer einig

Wer beklagt, dass sich der Nabu als ältester Naturschutzverband der Republik auf derartiges Niveau begibt, wird mit durchaus sachgerechten Stellungnahmen bedient, die zwar in den Tiefen des Nabu-Archivs schlummern, aber im Alltagsgebrauch eher wie geheime Verschlusssachen gehandhabt werden.

So kann es durchaus sein, dass irgendwann einmal auch die Schonzeiten-Affäre aus Niedersachsen aufs Tapet kommt. Nach dem Motto: Wir haben es ja gleich gesagt. Aber so, dass es möglichst niemand hört. Nebenbei: Hätten sich die Unglücksraben von der Kröten-Rettung rechtzeitig bei den Jägern erkundigt, wäre ihnen der Lapsus nicht passiert, bei der erweiterten Waschbärenjagd keine Ausnahmen für Muttertiere mit Jungen vorzuschlagen.

Unterm Strich erinnern manche Nabu-Methoden bereits fatal an die Zustände von Vereinen wie Peta oder der schwedischen „Djurens rätt“: Dort wurden schon mal Abfalleimer durchsucht, um Hauptamtlichen nachzuweisen, dass sie arbeitsvertragswidrig Kondensmilch in ihren Kaffee schütten. Was unter Gesinnungsveganern als Todsünde gilt (wir berichteten).

Zur Wahrheit gehört schließlich, dass die richtig peinlichen Nabu-Pannen meist nicht an der Basis passieren, sondern an der Spitze: Wie letztes Jahr, als auf den Plakaten für eine groß angelegte Nabu-Spendenaktion die Kieibitze zur Zeit der Maisernte dem Brutgeschäft nachgingen (wir berichteten). Womöglich hätten die Berufstierschützer auch in diesem Fall besser vorher bei den Ehrenamtlichen nachgefragt -- oder gleich bei den Jägern.

Unsere Empfehlung: Überall in Deutschland gibt es ehrbare Tierschutzvereine, die sich aufopfernd um unsere Mitgeschöpfe kümmern und von Spendenaufkommen wie bei Peta oder Nabu nur träumen können.

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