Wenn Tierfreunde mit Mord drohen

Über das vergangene Wochenende gab es anonyme Morddrohungen gegen Mitarbeiter des Essener Gruga-Parks. Dort sollen wegen der Kotverschmutzung auf den Grünflächen nämlich einzelne Kanadagänse abgeschossen werden (wir berichteten). Die seriösen Tierschutz-Organisationen täten gut daran, klar auf Distanz zu den Extremisten im eigenen Lager zu gehen.

Menschen dürfen heute nicht mal mehr hinter den nächsten Busch zum Pipimachen. Hundehaltern drohen vielerorts drastische Strafen, wenn sie die Würstchen ihrer Lieblinge auf Wiesen und Feldern liegen lassen. Womöglich wäre es an der Zeit, das Menschenrecht auf Notdurft einzufordern. Schließlich gibt es ja reichlich Tierrechts-Aktivisten, die Selbiges für die rasant anwachsende Wildgans-Population tun. Dumm nur, dass der gemeine Stadtmensch nicht über Gänsekot wandeln möchte. Die Vögel mag er wohl, nicht aber ihre Exkremente, schon gar nicht auf der Liegewiese.

So weit ist die Sache womöglich noch zum Schmunzeln. Aber wenn Menschen mit dem Tod bedroht werden, weil sie das Problem mit der Kugel lösen wollen, ist das nicht mehr lustig, sondern hochgradig kriminell. Und womöglich sogar eine Rechtfertigung für ein paar Irre, die das, was in ihrem wirren Sprachgebrauch „Tiermord“ ist, mit dem Mord an Menschen verhindern wollen.

In Schweden brauchte vor ein paar Monaten ein junger Jäger Polizeischutz, weil er einen Wolf tötete, der zuvor bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt worden war (wir berichteten). Entsprechende Drohungen gab es auch bei uns nach dem behördlich angeordneten Abschuss von Wolf „Kurti“. Manchen Tierrechtsaktivisten fehlt offenbar das Gefühl für Maß und Ziel – und vor allem das Verständnis für die Bedürfnisse der großen Mehrheit ihrer Mitmenschen.

Und vor allem haben sie keine Ahnung, nach welchen Regeln die Natur funktioniert. Die schreckt nämlich nicht einmal vor Kannibalismus zurück, spätestens, wenn sonst das Überleben der eigenen Art gefährdet ist. Darüber ist nachzudenken, nicht unbedingt wegen der verkoteten Liegewiesen, aber spätestens dann, wenn uns Menschen die Gänse die Feldfrüchte wegfressen und Landwirte um ihre Existenz fürchten. Schließlich sind Bauern ja Mitgeschöpfe.

Zum Thema gehören auch unsägliche Argumente wie jenes, dass der Straßenverkehr weit mehr Todesopfer koste als die heimgekehrten Wölfe jemals kosten werden. Dahinter steckt letztlich der Verzicht auf Arterhaltung – nach den Gesetzen der Natur ein Ansatz zum kollektiven Selbstmord. Und nicht minder menschenverachtend als die hochmütige Position, dass sich Bewohner von Entwicklungsländern gefälligst mit der Gefahr durch Wildtiere abzufinden hätten.

Logisch, bis solche Konflikte auch in Mitteleuropa auszutragen wären, ist es noch weit hin. Aber es gibt Leute, die arbeiten mit großem Eifer daran, dass am Ende nur noch eine Aufgabe bleibt: Ein paar wilde Tiere von der veganen Lebensweise überzeugen. Und hoffen, dass sie uns dann trotzdem noch genug Körner und Tofu übriglassen.

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