Wenn Tierschützer Wölfe jagen

Wenn Tierschützer Wölfe jagen

Problemwolf

Symbolbild: Tobias Bürger

Nehmen wir mal an, Jäger kämen auf die Idee, Tieren mit Methoden nachzustellen, die nicht töten, aber dem Wild große Schmerzen zufügen, mit dem Risiko eines langen Leidens vor einem jämmerlichen Sterben. Wütende Proteste wären die sichere Folge. Aber mit genau so einer Methode wollen Fans der Niedersachsen-Wölfe einen ihrer Lieblinge vor dem Abschuss bewahren. Weil sie hoffen, dass die Schmerzen nach dem Gummischrot-Beschuss das Tier dazu bringen, nicht weiterhin die Nähe zu Menschen zu suchen.

Dass Wolf „Kurti“ ein sogenannter Problemwolf ist, bestreitet niemand mehr. Angeblich haben ihn Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Munster so lange gefüttert, bis er die Scheu vor menschlichen Wesen verloren hat. Vermutlich glaubten die Soldaten ja den Unsinn, dass Wölfe völlig harmlos seien. Aber diesbezüglich sind sich in der akuten Sicherheitslage offenbar nicht einmal die Experten der Pro-Wolf-Fraktion sicher. Deshalb nun die Vergrämungsaktion mit fragwürdigen Methoden.

Auch wenn das niedersächsische Umweltministerium das Gegenteil behauptet, blieben ähnliche Gummischrot-Aktionen in Schweden ohne Erfolg

Fakt ist: Der Einsatz vom Gummigeschossen gegen Menschen ist international geächtet. Warum er gegen Tiere zulässig sein soll, lässt sogar die Tierrechte-Lobby unbeantwortet. Wobei das erhebliche Risiko, dass solche Projektile töten, das eher geringere Problem ist. Schlimmer noch scheint die durchaus realistische Folge, dass die Opfer sehr lange leiden – zum Beispiel, weil sie ihr Augenlicht verlieren oder nach Knochenbrüchen jämmerlich verenden. Nach Jäger-Ehre und Jagdgesetzen klare Tierquälerei und damit strafbar!

Noch dazu geschieht solcher Frevel wohl ohne vernünftigen Grund: Auch wenn das niedersächsische Umweltministerium das Gegenteil behauptet, blieben ähnliche Gummischrot-Aktionen in Schweden ohne Erfolg. Die dort auffällig gewordenen Wölfe wurden nach Gummischrot-Aktionen früher oder später doch erlegt – mit richtigen Kugeln und waidgerecht.

Braunbär

Symbolbild: Malene Thyssen / wikipedia.org

Das hierzulande wohl prominenteste Gummischrot-Opfer war übrigens der bayerische „Problembär“ namens „Bruno“. Scheibchenweise kam nach seinem Tod heraus, dass mehrere Versuche erfolglos blieben, das arme Tier mit solchen Geschossen und Knallkörpern zu vergrämen. Am Ende blieb auch in diesem Fall nur der amtlich verordnete Abschuss. Und die durchaus nachvollziehbare Frage, ob die wohl wirkungslosen Brutal-Methoden solche Tiere am Ende erst recht angriffslustig werden lassen.

Dankenswerterweise hat die niedersächsische Jägerschaft bereits erklärt, dass ihre Mitglieder für die Hatz auf „Kurti“ nicht zu Verfügung stehen – weder mit Gummi noch mit Teilmantel. So war es auch, als Bayerns Umweltminister nur noch den Ausweg wusste, „Bruno“ den Garaus zu machen und dem Vernehmen nach Polizeibeamte mit Jagdschein als „Bruno-Killer“ zwangsverpflichtet wurden. Wir Jäger kennen das Risiko, seit ein österreichischer Waidmann wegen massiver Hass-Aktionen wütender Tierrechtler für Monate seine Heimat verlassen musste, nachdem er in eindeutiger Notwehrsituation einen „Problembären“ gestreckt hatte.

Wohin die Versuche, den Wölfen den Pelz zu waschen, ohne dass diese dabei nass werden, am Ende führen, zeigt übrigens ein weiterer Blick nach Schweden: Dort gab es über Jahre Versuche, den berüchtigten Junsele-Wolf von den Rentier-Gebieten im Norden fernzuhalten. Aber auch nach stundenlangen Hubschrauber-Transporten kehrte das Tier immer wieder in seine Lieblingsjagdgründe zurück, bis es am Ende wohl doch eines unnatürlichen Todes starb. Wie genau, ist bis heute ein Geheimnis, und auch über die Kosten der Staatsaktion wird bis heute gestritten: Die Wahrheit liegt wohl irgendwo zwischen 500.000 Euro und einer Million. Finanziert auch aus Jagdscheingebühren.

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