Wer Waschbären schont, hat’s nicht verstanden

Landesjägertag in Fulda: Mit Engelszungen lobte Hessens grüne Umweltministerin Priska Hinz das Engagement von Jägern für die Biodiversität. Doch beim Thema Waschbär hört ihr Verständnis von Artenschutz auf.

Waschbären

Foto: clanctot

Die Jägerschaft und die Umweltministerin: Diese beiden Lager streiten sich seit Erlass der neuen Jagdverordnung der schwarz-grünen Landesregierung in Hessen (wir berichteten) wie Katz und Maus. Oder sollte man aus gegebenem Anlass lieber sagen: wie Waschbär und Bodenbrüter?

Beim aktuellen hessischen Landesjägertag in Fulda schlug Ministerin Hinz jedenfalls äußerst versöhnliche Töne an: Die Grünen-Politikerin bedankte sich bei „jeder und jedem Einzelnen“ für die Erhaltung und Erweiterung von Lebensräumen und somit auch für den Erhalt der Artenvielfalt, wie das Ministerium in einer Pressemitteilung verlautbaren lässt. Um die 68 Millionen Euro Naturschutz-Budget sinnvoll zu investieren, seien Menschen notwendig: neben Umweltverbänden und Landwirten eben auch die Jäger.

Für ihr vorbildliches Gebiets-Lebensraum-Konzept zeichnete Hinz die Hegegemeinschaft Wiesbaden/Ost mit dem Staatsehrenpreis aus. „Ein wirklich tolles Projekt: Hier wird effektiv und effizient im Sinne unserer Umwelt gehandelt“, heißt es in der Mitteilung. Auch für eine wirksame Prävention der Afrikanischen Schweinepest durch Rekordstrecken bei der Schwarzwildjagd bedankte sich die Ministerin bei den Waidleuten. Nach den Zankereien ums hessische Jagdgesetz gehen solche Worte natürlich runter wie Öl. 

Dabei sollte man allerdings nicht darüber hinwegsehen, dass die Ministerin einen ganz entscheidenden Teil beim Thema Biodiversität nicht verstanden hat: dass sich nämlich teure und zeitaufwändige Artenschutzprojekte auf der einen und Schonzeit für den Waschbären auf der anderen Seite einfach nicht vertragen. „Wer Artenschutz betreiben will, darf dem Waschbären keine Schonzeit geben“, entgegnete auch der Präsident des hessischen Jagdverbandes, Dr. Jürgen Ellenberger, der Ministerin in Fulda. Diese hatte zuvor verkündet, dass es jagdethisch erforderlich sei, Waschbären während der Brut- und Setzzeit zu schonen.

Doch wie ist es jagdethisch vertretbar, Jäger in geförderten Naturschutzprojekten Biotope anlegen, Wildäcker pflegen und Wildblumen aussäen zu lassen, damit sich der Waschbär dann frech und fröhlich durch die Bodenbrüter-Gelege fressen kann? Fakt ist: Waschbären richten in der Vogelwelt erhebliche Schäden an. Bodenbrüter wie Feldlerche, Kiebitz und Rebhuhn zählen zu den klaren Verlierern der Waschbären-Schonzeit, ebenso wie die wenigen Feldhamster, die es in Hessen noch gibt. Auch hier wird übrigens viel Geld und Arbeit in Lebensraumprojekte investiert, damit der seltene Nager besser geschützt werden kann – gut so. Dann jedoch an der Schonzeit für Waschbären festzuhalten, ist angesichts ihrer rasanten Ausbreitung und der dramatischen Folgen für die heimische Artenvielfalt inkonsequent.

Was in der Rhön jagdethisch zum Schutz des Birkwilds vertretbar ist (wir berichteten hier und hier), muss auch im Rest Hessens endlich möglich sein: eine kontrollierte Reduzierung der Waschbärenpopulation, um heimische Tierarten zu schützen. Beispielsweise durch eine ganzjährige Bejagung von männlichen Waschbären und Jungtieren. Damit würde Hessens Landesregierung nicht nur der EU-Verordnung zur Eindämmung invasiver gebietsfremder Arten nachkommen (wir berichteten) – das wäre auch aus Gründen des Artenschutzes und der Biodiversität konsequent.

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