Wider den Öko-Pessimismus

Zwei bemerkenswerte Bücher könnten die Diskussion um Naturschutz und Tierrechte vom Kopf auf die Beine stellen. Sie entlarven eine oft selbstverliebte Debatte um die Rolle des Menschen in der Schöpfung. Und sie machen Mut – auch zur Jagd.

Hochsitz

Der Planet ernährt – allen Pessimisten zum Trotz – immer mehr Menschen. Diese leben länger und besser als frühere Generationen. Das Wissen und die Anstrengungen zur Bewahrung der Umwelt wachsen rasant. Aber zugleich verbreitet sich Endzeitstimmung, auch unter dem Schlachtruf „Zurück zur Natur“.

Der schwedische Medizinprofessor Hans Rosling hat solchen Zeitgeist früh durchschaut. Immer wieder fragte er seine Studenten nach dem Zustand des Planeten und seiner Menschen. Und bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr änderte sich nichts an der kollektiven Fehleinschätzung, dass sich unsere Welt zum Schlechteren entwickelt.

Rosling starb im Februar des vergangenen Jahres. Sein Buch „Factfulness“ haben seine Nachkommen zu Ende geschrieben. Es ist auf dem Weg zum Bestseller. Eine Antwort auf den Kulturpessimismus in Zeiten von Fake News und dem verbreiteten Trend zur selektiven Wahrnehmung – gerade auch in Fragen der Ökologie.

„Vieles wird besser. Aber ihr seht es nicht“, lautet die Mahnung des Professors. Akribisch wies er nach, wie sehr Hunger und Säuglingssterblichkeit seltener geworden sind. Wie sehr, weltweit betrachtet, sogar die Armut sinkt. Und wie sich sogar das Problem der Übervölkerung zu lösen scheint, je besser es den Menschen geht.

Sperriger vielleicht – aber nicht weniger überzeugend – widmet sich der Förster Wolf-Eberhard Barth dem Thema. Sein Buch „Affentheater“ behandelt ebenfalls die nicht selten selbst verursachten Grenzen einer Ökologie, die sich so oft in Spartendenken verzettelt und alles Menschgemachte gern verteufelt. Barth ist bekennender Jäger, war Gründungschef im Nationalpark Harz und hat mit „Naturschutz – das Machbare“ vor über 20 Jahren ein Standardwerk zum gedeihlichen Miteinander von Ökonomie und Ökologie vorgelegt.

Nun hat der Forstmann noch weiter ausgeholt. Er beschreibt auf über 700 kleingedruckten Seiten die Ergebnisse einer lebenslangen Neugier auf das Menschliche und auch das Allzumenschliche. Unsere Primaten-Gier nach Beifall und Anerkennung, unser Denkvermögen und seine oft selbstgemachten Schranken. Und die Folgen, auch auf dem Feld des Naturschutzes.

Barth ist bekannt für seine Kritik an modischen Philosophien zum Wald und zur Jagd. Seine Zwischenrufe, beim Naturschutz den Menschen und die Erfahrungen menschlicher Kultur nicht auf der Strecke zu lassen, haben immer wieder für Aufregung gesorgt. Zum Beispiel, wenn er bloß stellte, dass auch Öko-Jagd in der Praxis nicht frei ist von Trophäen-Kult (wir berichteten). Und dass ein gedeihliches Miteinander von Wald und Schalenwild durchaus im Sinne von Natur und Menschen ist.

es braucht einen gewissen Mut, die Wahrheiten solcher Autoren an die eigenen (Vor-)Urteile heranzulassen

Sicher, es braucht einen gewissen Mut, die Wahrheiten solcher Autoren an die eigenen (Vor-)Urteile heranzulassen. Aber zur Wirklichkeit gehört auch, dass die scheinbar ungewöhnlichen Thesen offensichtlich Gehör finden. Aktuell zwar hauptsächlich in den Feuilletons, also außerhalb der Fake-News-Öffentlichkeit. Aber auf längere Sicht ist der Einfluss kluger Köpfe auf die Meinungsbildung größer als Kulturpessimisten gerne glauben. Oder insgeheim gar hoffen.

Roslings Buch hat Bill Gates zur Lieblingslektüre erkoren. Barths „Affentheater“ schmückt ein Vorwort von Professor Michael F. Jischa, deutscher Ehrenpräsident des Club of Rome. Wer mitreden will in der Auseinandersetzung um Wege und Irrwege der Ökologie, hat also neue Pflichtlektüre.

Hans Rosling: „Factfulness“, Ullstein, 400 Seiten, ISBN-10: 3-550-08182-0, € 24,00

Wolf-Eberhard Barth: „Affentheater“, Deutsche Literaturgesellschaft, 753 Seiten, ISBN-10: 3038311626, € 39,80

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