Wölfe: Der Total-Schutz bröckelt

Selbst der Nabu und der Ökologische Jagdverband distanzieren sich zum Totalschutz des Wolfs – eine Grauzone bleibt sein möglicher Abschuss trotzdem.

Zwei Wölfe im Wald

Foto: MRCat

Auch der Nabu und die „Öko“-Jäger gehen auf Distanz zum Totalschutz für Deutschlands Wölfe. Anders wäre ein gemeinsames Positionspapier mit den Berufsschäfern und dem BUND wohl nicht zustande gekommen.

Die Erklärung sieht den Abschuss verhaltensauffälliger Wölfe vor. Etwas umwunden zwar, aber doch ausdrücklich: „Die Entnahme von Wölfen ist kein Ersatz für Herdenschutzmaßnahmen. Sie muss stets das letzte Mittel sein und fachlichen Kriterien des Wolfmanagements folgen.“ Vor allem der Nabu musste also bittere Kröten schlucken, damit der Kompromiss zustande kam: „Sollte ein Einzelwolf wiederholt, trotz fachgerechten Herdenschutzes, Schäden an landwirtschaftlichen Nutztieren verursachen, kann seine Entnahme durch Experten notwendig sein, um weitere Schäden abzuwenden.“

Es braucht nur wenig Fantasie, um zu ahnen, wo diese „Experten“ im Fall der Fälle zu finden sind: Wohl beim Ökologischen Jagdverband. Der lehnt allerdings die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht weiterhin kategorisch ab. So bleibt die Streitfrage, ob Jäger – gleich welchem Verband sie angehören – überhaupt befugt sind, Wölfe zu töten? Bisher hagelt es ja sogar dann Strafanzeigen aus der Tierrechtsbewegung, wenn Jäger nach Verkehrsunfällen schwerst verletzten Wölfen den Fangschuss geben.

Statt zu akzeptieren, dass es in nahezu allen europäischen Ländern mit etabliertem Wolfsbestand klare Regeln für die sogenannte Schutzjagd auf zu Schaden gehende Raubtiere gibt, soll die Problemwolf-Entnahme also in einer rechtlichen Grauzone bleiben. Begründet wird dies immer wieder (und unzutreffend) mit Europa-Recht, das eine Bejagung angeblich ausschließt – in Wahrheit jedoch sogar die reguläre Jagd zulässt, wenn ein günstiger Erhaltungszustand der Wolfspopulation erreicht ist.

Politischer Rückhalt sinkt

Immer klarer wird zugleich, dass der politische Rückhalt für Maximal-Positionen beim Wolfsschutz rapide sinkt. In Niedersachsen platzte sogar das rotgrüne Regierungsbündnis, weil eine Abgeordnete der Grünen ihre Partei verließ und dies auch damit begründete, dass die Beweidung der Deiche ein Ende haben wird, wenn der Total-Wolfsschutz die Schafweide dort unmöglich macht (wir berichteten).

Ein Gutes hat das neue Positionspapier trotzdem: Nach Meinung der beteiligten Öko-Verbände sind die Schäden, die Raubtiere anrichten, nicht Sache der Jagdgenossen und Jäger, sondern Sache der Allgemeinheit, also der Steuerzahler.

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