Wolf, mal ehrlich

In der WDR-Reihe „Quarks“ hat sich Ranga Yogeshwar mit dem Wolf beschäftigt und blieb dabei überraschend realistisch.

Wölfe

Foto: Dieter Hopf

„Hilfe! Die Wölfe kommen – müssen wir uns fürchten?“, lautet der Titel der neuesten „Quarks“-Folge. Und der Moderator heißt Ranga Yogeshwar, eher bekannt für Mainstream-Zeitgeist, wenn es um Natur und Tiere geht. Aber dann kommt 45 Minuten lang Realismus. Das beginnt schon mit nachvollziehbaren Zahlen zum deutschen Wolfsbestand und seinen Zuwachsraten.

Vor allem kommen auch die Menschen zu Wort, die um ihre Existenz fürchten: Deichschäfer zum Beispiel, die ihre Tiere nun im Stall halten – und nicht wissen, wie sie für sicheren Schutz am Deich sorgen sollen. Eine Schäferin – wohl gewappnet mit Schutzhunden und Zäunen – fürchtet dennoch, dass auch das nichts helfen wird, wenn sich ein Rudel an die erschwerten Bedingungen gewöhnt hat.

Wir erfahren vom Experten, dass der Mensch keine Chance hat, wenn ihn ein Wolf wirklich annimmt. Was nicht heißen soll, dass Wölfe Menschen fressen. Aber wohl an die Adresse von Leuten geht, die jedwedes Risiko verleugnen. Dazu passt, dass auch der Abschuss von Problemwölfen sachlich in die Diskussion kommt, als letztes Mittel.

Aus Jägersicht besonders erfreulich: Wir kommen in diesem Stück gar nicht vor. Auch nicht in der Rolle als Wolfshasser schlechthin, die so oft bemüht wird. Gerade von Leuten, die sonst nicht ans Rotkäppchen-Märchen glauben und die Ängste ihrer Mitmenschen mit bösartigen Kommentaren ausräumen wollen.

Stattdessen wird klar, dass es echte Probleme gibt, die nicht verdrängt, sondern gelöst werden müssen. Zum Beispiel die oft lächerlich niedrige und unerhört bürokratische Entschädigung von betroffenen Tierhaltern. Den Wolf, zeigt der Film, gibt’s nicht zum Nulltarif. Und gegen die Ängste der Menschen helfen keine Szenen aus dem Streichel-Zoo.

Der WDR zeigte dazu dankenswerterweise, dass Wölfe sogar in Gefangenschaft ihre Menschenscheu behalten, wenn wir sie Wölfe sein lassen und ihnen Grenzen setzen. Leider gibt’s im Fernsehen meist andere Gehege-Bilder. Mit Schmusewölfen, die darauf trainiert sind, ein Wunschbild zu stützen, das der Wolf nicht verdient hat.

Die „Quarks“-Folge ist in der WDR-Mediathek abrufbar: hier klicken!

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