Wolfsmanagement: Das Ende der Lügen?

Foto: Dieter Hopf

Mit einem Verhaltenskodex für die ehrenamtlichen Wolfsberater im Lande hat Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) offenbar den Bogen überspannt. Es hagelt heftige Proteste. Auch gegen die Versuche, das Gefährdungspotenzial der Raubtiere zu verharmlosen.

Der weit über Niedersachsen hinaus bekannte Wolfsberater und Jäger Klaus Bullerjahn wirft Umweltminister Stefan Wenzel „zwei Kardinalfehler“ des Wolfsmanagements in Niedersachsen vor: „Erstens eine unzureichende, falsche oder statische Beschreibung des Wolfsverhaltens, die sich immer wieder als unzureichend erweist und nachträglich zurechtgerückt werden muss. Und zweitens zögerliche, unzureichende, falsche oder gar ausbleibende Reaktionen auf unerwünschtes Wolfsverhalten.“

„Letzteres kann das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Wolfsmanagement untergraben und im Zweifelsfall zu Situationen führen, in denen aggressives Wolfsverhalten die Folge sein kann“, warnt der engagierte Fachmann im Internet-Blog „Wolfsmonitor“

Weniger diplomatisch formuliert bedeutet dies genau das, was der „Natürlich Jagd“-Blog schon seit Jahren befürchtet: Die Verniedlichung der Gefahren ist die größte Gefahr für die Wiederansiedlung der Wölfe in Deutschland. Bullerjahn kritisiert in diesem Zusammenhang auch die amtlichen niedersächsischen Verhaltensregeln für Wolfsbegegnungen: Dabei werde verharmlost, vor allem, was den Schutz von Kindern angeht.

Klar ist: Überall dort, wo es Langzeiterfahrungen mit dem Wolf gibt, gehört der Abschuss als letzte Konsequenz zum offiziellen Wolfsmanagement. In Nordamerika ebenso wie in Schweden, wo die staatliche Forschungsgruppe „Skandulv“ Abschüsse ausdrücklich nicht ausschließt. 

Dort, zitiert Bullerjahn die Experten der Hochschule für Landwirtschaft in Grimsö, sei klar, „dass die natürliche Scheu des Wolfes vor Menschen beibehalten werden soll oder Wölfe, die diese Scheu verlieren oder auf andere Weise aggressiv auftreten, dem Bestand entnommen werden sollen“. Mehr noch: „Eine gut regulierte Jagd kann ein Weg sein, diese Scheu vor dem Menschen zu erhalten“, heißt es in den Verhaltensempfehlungen von „Skandulv“. Immerhin hat das niedersächsische Umweltministerium von dort eben erst einen Experten eingeflogen, als es um die Vergrämung des Problemwolfs „Kurti“ ging.

Foto: Dieter Hopf

Die hierzulande übliche Einschätzung, dass ein Wolf, der sich in Nahbegegnungen nicht aggressiv gezeigt hat, ungefährlich sei, nennt Bullerjahn „eine Beschwichtigungsformel“, die „sich bei der nächsten Begegnung als folgenschwere Fehleinschätzung erweisen kann“. Der Wolfsberater: „Es scheint, als wäre man nicht bereit, aus den Erfahrungen und dem Wissen anderer lernen zu wollen.“

Hintergrund der Auseinandersetzung: Niedersachsens Wolfsberater sollen einen Verhaltenskodex unterschreiben, der auch Äußerungen in der Öffentlichkeit regelt. Theo Grüntjens, der Sprecher der niedersächsischen Wolfsberater, ist nicht nur sauer, dass er und seine Kollegen beim Entwurf des Papiers kein Wort mitreden durften. Er fürchtet auch, dass die Aktion bei den Bürgern als Maulkorb verstanden wird. Und in der breiten Öffentlichkeit herrsche ohnehin schon der Verdacht, dass das Thema schöngeredet werde.

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