Wolfspaten in Erklärungsnot

Wolf

Fotos: Dieter Hopf

Nach dem behördlich verordneten Abschuss von „Kurti“ erreicht die Auseinandersetzung um Deutschlands Wölfe neue Dimensionen. Bis hin zur Hetzjagd auf Menschen, die so manchen Fans der Tiere nicht in ihr einseitiges Weltbild passen. Den Schaden haben vor allem die Wölfe.

Ein in der Szene sattsam bekannter Wolfshundezücher bietet bei Facebook die Telefonnummer einer Familie an, die behauptet, ihr Hund sei beim Gassigehen in menschlicher Begleitung von einem Wolf gebissen worden. Der Wolf hieß unter Fans „Kurti“ und ist inzwischen getötet worden, weil er dem niedersächsischen Umweltminister politisch gefährlich wurde (wir berichteten).

Die Geschichte mit dem angefallenen Hund ist bisher in keiner Weise widerlegt. Trotzdem wird zumindest verklausuliert zum Telefonterror gegen die Hundehalter ermuntert. Nach dem Verharmlosen und Verschweigen hat offenbar die Phase des Einschüchterns und der offenen Bedrohung Andersdenkender begonnen.

Dabei sind Wolfsangriffe auf Haushunde nicht unwahrscheinlich, sondern dort an der Tagesordnung, wo es schon länger als in Deutschland größere Wolfspopulationen gibt. Wo der Wolf nie ausgerottet war, bestreitet – am Rande bemerkt – zudem niemand, dass die Raubtiere auch Menschen gefährlich werden können.

Besonders gefährlich – nicht nur für Hunde – sind nach internationaler Erfahrung vor allem Wölfe, die aus menschlicher Obhut ausgewildert wurden. Und jene Mischlinge mit Haushunden, deren Haltung mittlerweile groß in Mode gekommen ist. Ursprünglich das Produkt menschenverachtender Diktaturen: Sowohl den Sowjets als auch dem DDR-Regime waren Schäferhunde nicht scharf genug für den Dienst an ihren Grenzen.

Solche Mischlinge wurden nicht nur dem deutschen Fernsehpublikum als Beleg für das friedvolle Wesen der Wölfe untergejubelt. Sie kommen längst auch in Freiheit vor und stehen unter dem begründeten Verdacht, dem Ruf ihrer echten Verwandten massiv zu schaden. Sogar die Fans der Wölfe flüchten sich gerne in die Ausrede, dass solche Mischlinge schuld seien, wenn wieder einmal passiert ist, was Wölfen angeblich wesensfremd ist.

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Die zweite, ebenfalls beliebte Ausrede ist die Tollwut. Aber es kommt, zumindest in Mitteleuropa, so gut wie nie vor, dass an Wolfskadavern Tollwut nachgewiesen wird. In Nordamerika und Russland gilt Tollwut als wichtige Ursache, wenn Wölfe erwachsene Menschen angreifen – und nicht lieber Schafe oder kleine Kinder.

Deutsche Realität ist übrigens, dass auch Wolfsmischlinge bis in die vierte Generation streng geschützt sind und im Gegensatz zu wildernden Hunden keinesfalls erlegt werden dürfen. Die „Berner Konvention zum Erhalt der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume“ regelt das seit der Wiedervereinigung auch für das Gebiet der ehemaligen DDR, in der Wölfe bis dahin bejagt werden durften und ohne Schonzeit dem Jagdrecht unterstanden.

Diese Berner Konvention geht übrigens auch jene Leute an, die Problemwölfe mit Gummischrot oder Knallkörpern vergrämen wollen. Das Stören oder gar Einfangen der Tiere ist laut Anhang II dieser Verträge streng verboten. Länder, die eine begrenzte Wolfsjagd zulassen – wie etwa Schweden oder Finnland –, haben deshalb regelmäßig Stress mit den Instanzen der Europäischen Union, ganz im Gegensatz zu osteuropäischen EU-Ländern wie Rumänien. Dort wird zur Wolfsjagd übrigens gerne ein Hund als „Lockvogel“ angebunden.

Was direkt zum jüngsten Aufreger der deutschen Willkommens-Szene führt: Das Rätselraten, wie wohl die Jungwölfin zu Tode kam, die eben in Niedersachsen verendet aufgefunden wurde (wir berichteten). Womöglich gab es ja einen Herdenschutzhund, der dem Tier überlegen war. Solche Schutzhunde findet sogar der Nabu gut. Und es gibt keine Konvention, die Hunde dazu verpflichtet, sich nicht ihrer Haut zu wehren. Sie machen sich wohl auch keine Gedanken darüber, was nun aus den Welpen wird, welche die gemeuchelte Wölfin vor ihrem Tod geboren hatte.

Auch den Jägern sind da, nebenbei bemerkt, die Hände gebunden. Schließlich ist ja sogar das Nachstellen bei derart streng geschützten Arten verboten. Die (Sender-)Kontrolle über die verendete Fähe liegt bei den Behörden. Und bei den Politikern, die Wölfe sonst so gern zum Stimmenfang missbrauchen. 

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