Pilotprojekt: Akustisches Signal rettet Wildtiere

Reh und Rehkitz

Foto: Dieter Hopf

Im Frühjahr werden Wiesen zur Kinderstube für Junghasen, Rehkitze, Fasane und viele Wildtiere mehr – die dadurch mit Beginn der Wiesenmahd einer großen Gefahr ausgesetzt sind. Allein 20 bis 25 Prozent der Rehkitze fallen schätzungsweise jedes Jahr dem Mähtod zum Opfer. Verbesserungsbedarf bei den gängigen Vergrämungsmaßnahmen sah daher unter anderem die Kreisgruppe Bitburg-Prüm im Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. und hat im Dialog mit dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, dem Kreisverband Bitburg-Prüm sowie dem Maschinenring Bitburg-Prüm ein Pilotprojekt für einen noch besseren Schutz der Tiere entwickelt. Breit eingesetzte akustische Signale sollen ihnen das Leben retten. Das Besondere: Dank einer breiten Basis an Unterstützern kann das Projekt relativ flächendeckend umgesetzt werden – und so wertvolle Daten zur Effektivität liefern.


„Landwirte und Jäger stehen im engen Schulterschluss“

Inge Kockelmann, Vorsitzende der Kreisgruppe Bitburg-Prüm

„Landwirte – als Jagdrechtsinhaber – und Jäger – als Nutzer dieses Jagdrechtes – stehen schon immer im engen Schulterschluss. Tierschutz und Hegeverpflichtung sind neben vielen anderen Themen auch ein gemeinsames Handlungsfeld. So ist es einfach naheliegend, dass Jagdverband, Bauernverband und Maschinenring auch gemeinsam neue Wege erkunden, wie wir Wildtiere in ihren Kinderstuben am Wiesenrand besser schützen können“, erklärt Inge Kockelmann, Vorsitzende der Kreisgruppe Bitburg-Prüm, die Idee. Insgesamt 20 Betriebe beteiligen sich an dem Pilotprojekt. Darunter auch einige landwirtschaftliche Lohnunternehmen, die für viele Betriebe das Mähen der Wiesen übernehmen. Dadurch können viele weitere Landwirte indirekt erreicht werden.

So funktioniert der Wildretter

Hase

Foto: Dieter Hopf

„Diese Kooperation ist bisher einmalig“, unterstreicht Günther D. Klein vom Landesjagdverband und erklärt, wie der akustische Wildretter funktioniert: „Ein kleiner weißer Kasten mit einem Magnet auf der Rückseite wird außen am Mähwerk angebracht und ist über ein Kabel mit dem Führerhaus verbunden. Von dort aus kann der Fahrer das Signal steuern.“ Dieses ist ein 120 Dezibel hoher Sirenenton, der in Wellen hoch und runter geht. Das ist wichtig, denn ein monotones Piepen könnte im Treckergeräusch leichter untergehen. Durch den Schall werden die Tiere aufgeschreckt und flüchten.

Kombination mehrerer Schutzmaßnahmen wichtig

„Die akustischen Wildretter ersetzen andere Maßnahmen aber nicht“, betont Klein. Vielmehr müssen verschiedene Aktionen miteinander kombiniert werden. So ist es wichtig, dass die Landwirte den Jägern vor der Mahd Bescheid geben. Diese suchen dann am Vorabend das Feld nach Jungtieren ab und bringen sie in Sicherheit. Gar nicht so einfach, denn in dem hohen Gras finden sie guten Schutz und sind nahezu unsichtbar. Außerdem hilft es, am Vorabend den Rand zu mähen, um die Tiere aufzuschrecken. Der Landwirt sollte zudem seine Wiesen von innen nach außen bearbeiten, da die Tiere so die Möglichkeit bekommen, nach außen zu flüchten, und nicht in einem immer schmaler werdenden Streifen zusammengepfercht werden. Auch der Einsatz von Flattertüten kann helfen. „Das Rascheln wirkt auf das Wild besonders alarmierend“, erklärt Klein.

Weitere Landkreise schließen sich an

Rehkitz

Foto: Cornelia Schmidt

Das Projekt ist gerade erst angelaufen und schon jetzt ein Erfolg: „Aus anderen Landkreisen wollen sich Jäger und Landwirte dem Projekt anschließen und ihre Erfahrungen mit einfließen lassen“, freut sich Inge Kockelmann. „Im Laufe der kommenden Wochen werden wir den Einsatz des akustischen Wildretters reflektieren und sind vorsichtig optimistisch, dass flankierend zu den anderen Schutzmaßnahmen Wildtiere vor Verletzungen oder Tod durch Erntemaschinen geschützt werden können.“

Fallen die Ergebnisse der Testphase positiv aus, so kann sich Günther Klein vom LJV zudem vorstellen das Projekt auszuweiten – flächendeckend im gesamten Eifelkreis.

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