LJV Bayern: Dr. Jürgen Vocke

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16 Bundesländer, 16 Landesjagdverbände und Landesjägerschaften – 15 davon sind Mitglied im Deutschen Jagdverband, nur Bayern trat Ende 2009 aus dem DJV aus. Doch wer sind die obersten Jäger in den einzelnen Bundesländern? Wer vertritt die Interessen der Jägerschaft? Wie sieht derjenige aus und was macht ihn aus? Um diese und weitere Fragen zu klären, haben wir mit den Präsidenten der Landesjagdverbände gesprochen.

Als Präsident des Landesjagdverbandes Bayern vertritt Prof. Dr. Jürgen Vocke 48.000 Mitglieder. Von den 12,4 Millionen Bayern sind 0,4% Jäger. Der 73-jährige Jurist wohnt in Ebersberg und hat seit 1974 einen Jagdschein – 20 Jahre später wurde er zum Präsidenten des Bayerischen Landesjagdverbandes gewählt. Ein eigenes Revier hat der Finanzrichter a.D. derzeit nicht.

Dr. Jürgen Vocke, Präsident Bayerischer Jagdverband

Foto: Pressestelle BJV / Dr. Jürgen Vocke, Präsident des bayerischeren Jagdverbandes.

Warum haben Sie den Jagdschein gemacht und was bedeutet Jagd für Sie?

Ich stamme aus einem alten Jägerhaus und habe seit meiner Kindheit mit und in der Natur gelebt. Daher war es für mich selbstverständlich, dass ich nach dem Abschluss meines Studiums das „grüne Abitur“ ablegte und selbst dem Waidwerk nachging.

Wenn Sie sich einmal erinnern – was war Ihr bisher schönster Moment bei der Jagd?

Es gibt keinen einzelnen Moment. Das ganzheitliche Naturerlebnis, eins zu werden mit der Natur und in ihr die innere Ruhe zu finden, sind die Momente, die ich besonders schätze.

Wie jagen Sie am liebsten?

Meine liebste Jagdart ist die Bergjagd.

Mit welchem Jagdgewehr gehen Sie am liebsten auf die Jagd?

Am liebsten gehe ich mit meiner Kipplaufbüchse in die Berge.

Welches ist Ihr liebstes Wildgericht?

Ich esse sehr gerne Wildbraten und Wildenten.

Warum sind Sie Präsident des BJV geworden? Haben Sie als Präsident ein bestimmtes Ziel für die Jägerschaft und für Bayern?

Es war nicht von Anfang an mein Lebensziel, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes zu werden, doch war ich immer sehr an der verbandspolitischen Arbeit interessiert, sodass es sich im Laufe meines Lebensweges ergeben hat. Als Präsident liegt es mir am Herzen, die Akzeptanz der Jagd in der Bevölkerung weiter zu stärken und Einklang unter allen Beteiligten der Jagdausübung, zum Beispiel mit den Grundeigentümern, zu erzielen.

Was ist das Besondere an Bayern hinsichtlich der Jagd? Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung von Wild und Wald?

Das Besondere an Bayern ist die Vielfältigkeit. Dies gilt auch für die Jagd. Von den Schwarzwildgebieten in Franken über die Niederwildgebiete im Gäuboden und Ries bis hin zur Gebirgsjagd in den Alpen – Bayern hat von allem etwas.
 Wir sind hinsichtlich der Entwicklung von Wild und Wald auf einem gutem Weg: Immer mehr weg von dem Dogma „Wald vor Wild“ hin zu einem Gesamtlebensraum.

Was sind für den Jagdverband in Bayern und die Jagd in Deutschland aktuell die größten Herausforderungen?

Da wäre zum einen die starke Zunahme des Schwarzwildes und zum anderen der Umgang mit den großen Beutegreifern sowie der Erhalt des immer weniger werdenden Niederwildes. Auch der Erhalt des Lebensraumes für unser Gamswild bei einer sehr starken Beanspruchung der Bergregionen zählt zu den Herausforderungen. Um diese zu meistern, ist es wichtig, alle Beteiligten mit einzubeziehen und gemeinsam Antworten und Lösungen zu finden. Hierfür wurde auch die Bayerische Akademie für Jagd und Natur gegründet. Sie bietet die Chance, jagdrelevante Themen zu erforschen und praxisnah zu vermitteln.

Wie ist das Verhältnis zu NGOs wie NABU, BUND oder WWF in Bayern?

Wir sind nicht mit allen Verbänden einer Meinung. Dennoch pflegen wir ein gutes Verhältnis zu den Naturschutzverbänden in Bayern und stehen mit ihnen in regem Austausch. Der NABU ist in Bayern nicht vertreten. Hierfür agiert der Landesbund für Vogelschutz (LBV). Dieser steht auf bayerischer Ebene den jagdlichen Themen offen gegenüber. Mit der Stiftung des WWF arbeiten wir punktuell ebenfalls zusammen.

Was können Jäger vielleicht sogar von Naturschutzverbänden lernen?

Der Bayerische Jagdverband ist selbst ein anerkannter Naturschutzverband. Mit der Wildland-Stiftung Bayern hält er seine eigene Naturschutz- und Umweltstiftung. Nichtsdestotrotz sind wir immer offen für die Ansichten anderer Verbände und Organisationen und prüfen, ob sie mit unserer jagdlichen Anschauung vereinbar sind.

Rebhühner

Foto: Johanna Licht / Könnte Thema einer Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden sein – das Niederwild.

Wo können Sie sich Kooperationen mit Naturschutzverbänden vorstellen?

Der Bayerische Jagdverband und der LBV Bayern pflegen eine gute Kooperation und Partnerschaft.

So fand vor einigen Wochen in der bayerischen EU-Vertretung in Brüssel zusammen mit Umweltministerin Ulrike Scharf eine gemeinsame Veranstaltung zum Thema „Natura 2000 – Erfolgsgeschichte EU- Naturschutzrichtlinien“ statt. Des Weiteren hat der LBV-Vorsitzende, Dr. Norbert Schäffer, unseren Landesjägertag in Kulmbach besucht und im BJV-Ausschuss Naturschutz und Landschaftspflege referiert. Mit dem BUND und dem WWF führen wir außerdem eine projektbezogene Zusammenarbeit.

Im Bereich der einbrechenden Niederwildbestände können wir uns mit dem Naturschutz, gerade was agrarökologische Maßnahmen betrifft, eine gute Zusammenarbeit vorstellen. Hierzu müssen alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen: die Jägerschaft, der Naturschutz und die Landwirtschaft.

„Zukünftige Generationen sollen unser altes Handwerk ausüben und waidmännisch jagen können.“

Jürgen Vocke

Die Jagd und Jäger kommen in der Presse und im öffentlichen Diskurs oft nicht gut weg. Was entgegnen Sie Jagdgegnern und -kritikern?

Wir machen eine sehr effektive und effiziente Öffentlichkeitsarbeit, in der wir stets versuchen, mit Vorurteilen aufzuräumen und das Handwerk Jagd sachlich und richtig darzustellen. Jagdgegnern treten wir mit sachlichen Argumenten entgegen.

Was können Sie und der BJV tun, um für mehr Akzeptanz zu werben?

Wir müssen an den Projekten anknüpfen, mit denen wir bisher in der Öffentlichkeitsarbeit erfolgreich waren. Dadurch können wir auch der nichtjagenden Bevölkerung das Thema Jagd als aktiver Naturschutz näherbringen. Dabei ist auch das Bild der Jäger in der Öffentlichkeit von großer Bedeutung. Dieses wird nicht zuletzt draußen in den Revieren geprägt. Daher appelliere ich auch an unsere Jäger vor Ort.

Was wünschen Sie sich für die Jagd in den nächsten 20 Jahren?

Ich wünsche mir, dass wir unseren guten Austausch mit der Politik und anderen Verbänden aufrechterhalten sowie die Akzeptanz in der Bevölkerung weiterhin stärken. Zukünftige Generationen sollen unser altes Handwerk ausüben und waidmännisch jagen können. Genauso wie ich mir seitens aller Naturnutzer Rücksicht und Verantwortungsgefühl unserem heimischen Wild gegenüber wünsche.

Weitere Interviews mit den Präsidenten der Landesjägerschaften und -jagdverbände:
LJV Rheinland-Pfalz – Kurt-Alexander Michael
LJV Thüringen – Steffen Liebig
LJ Bremen – Holger Bartels

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