LJV Thüringen: Steffen Liebig

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16 Bundesländer, 16 Landesjagdverbände und Landesjägerschaften – 15 davon sind Mitglied im Deutschen Jagdverband, nur Bayern trat Ende 2009 aus dem DJV aus. Doch wer sind die obersten Jäger in den einzelnen Bundesländern? Wer vertritt die Interessen der Jägerschaft? Wie sieht derjenige aus und was macht ihn aus? Um diese und weitere Fragen zu klären, haben wir mit den Präsidenten der Landesjagdverbände gesprochen. Im ersten Teil unserer Serie kam Kurt Alexander Michael, Präsident des LJV Rheinland-Pfalz, zu Wort.

Steffen Liebig ist der Präsident des Landesjagdverbandes Thüringen. Der 72-jährige Diplom-Ingenieur wohnt in Jena und steht den gut 8.000 Mitgliedern des LJV Thüringen bereits seit 2002 vor, nachdem er zuvor fünf Jahre Vizepräsident war. Von den 2,8 Millionen Einwohnern Thüringens sind 0,75 % Jagdscheininhaber. Seit 1968 ist Liebig Jagdhundeführer, 1977 legte er die Jägerprüfung ab. Von 1991 bis 2012 hatte er sein eigenes Revier. Zudem ist er seit 23 Jahren Vorsitzender der Jägervereinigung Jena und Umgebung.

Steffen Liebig, Präsident des Landesjagdverbands Thüringen

Foto: Frank Herrmann / LJV-Präsident Steffen Liebig

Warum haben Sie den Jagdschein gemacht und was bedeutet Jagd für Sie?

Die Gründe, mich der Jagd zuzuwenden, waren vor allem zwei. Zum einen bin ich schon immer eng mit der Natur verbunden gewesen. Zum anderen liegt mir der Erhalt unserer Umwelt – angesichts der Veränderung durch den Menschen – besonders am Herzen. Jagd ist eine Facette des Natur- und Artenschutzes. Der Wunsch, die Natur mit all ihren Schönheiten – aber auch Grausamkeiten – aktiv zu erleben, hat mich dazu bewegt, mich im Jagdwesen zu engagieren.

Wenn Sie sich einmal erinnern – was war Ihr bisher schönster Moment bei der Jagd?

Diese Frage wurde mir oft gestellt und genauso oft konnte ich keine exakte Antwort darauf geben. Warum? Als Jäger habe ich vielfältige Aufgaben im Revier, die mir bis heute in ihrer Gesamtheit immer wieder Freude bereiten, sonst würde ich die Jagd nicht über vier Jahrzehnte mit gleichbleibender Passion betreiben. Es gibt so viele Jagderlebnisse, die mir in Erinnerung geblieben sind. Ich könnte sie natürlich alle aufzählen, aber ich kann nicht bewerten, welches davon am schönsten war.

Wie jagen Sie am liebsten?

Die Pirschjagd ist für mich die größte Herausforderung und beansprucht all meine Sinne. Daher steht sie an erster Stelle meiner jagdlichen Freude. Der Ansitz allerdings hat mit seiner Ruhe und Andacht im Revier auch einen ganz besonderen Reiz.

Mit welchem Jagdgewehr gehen Sie am liebsten auf die Jagd?

Mit meiner Suhler Bockbüchse 12/8x57 IRS.

Welches ist Ihr liebstes Wildgericht?

Wildschweinbraten mit Thüringer Klößen und Apfelrotkraut.

Warum sind Sie Präsident des LJV geworden? Haben Sie als Präsident ein bestimmtes Ziel für die Jägerschaft und das Bundesland?

Die Jagd befindet sich kontinuierlich im Wandel. Mir liegt viel daran, diesen Prozess nicht nur zu begleiten, sondern aktiv zu gestalten. Für die Mitglieder der organisierten Jägerschaft bedeutet das: Sie müssen sich, um ihrer selbst willen, aktiv einbringen. Tun sie das nicht, werden sie künftig nur eine Zuschauerrolle einnehmen. Dem will ich entgegenwirken.

„Thüringen ist ein Land mit einer sehr alten Jagdtradition und Jagdkultur“

Was ist das Besondere an Thüringen hinsichtlich der Jagd? Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung von Wild und Wald?

Thüringen ist ein Land mit einer sehr alten Jagdtradition und Jagdkultur in Mitteldeutschland. Begründet natürlich durch seinen hohen Waldanteil, aber auch durch ehemals reiche Niederwildgebiete, die heute nahezu erloschen sind. Das Thema Waldbau und Jagd ist ein Problemfeld, auf dem sich eine Vielzahl von Experten tummelt. Natürlich haben sich die Bedingungen der Jagd durch verschiedene Einflussfaktoren verändert. Insbesondere das Klima und der damit verbundene Vegetationsschub finden ihren Niederschlag in der Bejagung unseres Schalenwildes.

Was sind für den LJV in Thüringen und die Jagd in Deutschland aktuell die größten Herausforderungen?

Wir wissen, dass die etablierten Naturschutzverbände (insbesondere BUND und Nabu) das Jagdgesetz in Bundesländern mit grüner Regierungsbeteiligung verändern und die Jagd somit wesentlich einschränken wollen. Die Grünen sind die politischen Vollstrecker der untereinander gut vernetzten Naturschutzverbände.

Thüringen hat ein modernes Jagdrecht, das nach der Wende immer wieder aktualisiert wurde. Daher gibt es eigentlich keinen zwingenden Grund dafür, das Jagdgesetz zu verändern. Der politische Wille steht bei der Diskussion eher im Vordergrund als die fachliche Kompetenz. Hier liegt unsere Hauptaufgabe: darauf hinzuwirken, allen Beteiligten das nötige Fachwissen zum Thema Jagd zu vermitteln.

Thüringer Wald

Waldreiches Mittelgebirge: der Thüringer Wald

Wie ist das Verhältnis zu NGOs wie NABU, BUND oder WWF in Ihrem Bundesland?

Überraschenderweise ist die Zusammenarbeit von Jägern und Naturschützern an der Basis durchaus lobenswert. Allerdings wird es zunehmend problematisch, wenn auf Verbandsebene jagdliches Wissen auf Ideologie oder gefühltes Wissen stößt und wenn die Politik sich nach gesellschaftlichen Strömungen richtet.

Was können Jäger vielleicht sogar von Naturschutzverbänden lernen?

Ihre absolute Geschlossenheit im Handeln und ihre Bereitschaft, sich finanziell einzubringen. Sicherlich können wir uns auch von deren Öffentlichkeitsarbeit viel abschauen. Dies setzt natürlich ein hohes persönliches Engagement der Jäger voraus, das wir noch weiter intensivieren müssen. In vielen Punkten müssen wir als Jägerschaft hier noch umdenken.

Wo können Sie sich Kooperationen mit Naturschutzverbänden vorstellen?

Beispielgebend ist die über 15-jährige, enge Kooperation des Landesjagdverbands mit der Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen e.V. In anderen Bundesländern scheint es eine solche Zusammenarbeit nicht zu geben, sie ist einmalig. Im In- und Ausland werden wir angesichts unserer erfolgreichen Aktivitäten beneidet. Dazu zählen etwa gemeinsame Tagungen, Forschungsprojekte oder Publikationen, wie zum Beispiel der „Säugetieratlas Thüringens“ und der Artenschutz/Jagd/Fischerei-Bildband. Dies sind Zeugnisse einer gelungenen Zusammenarbeit. Hinzu kommen diverse Fortbildungsveranstaltungen. 

Wir sind grundsätzlich offen für eine fachlich begründete Zusammenarbeit mit jedem Naturschutzverband auf Augenhöhe, schließlich sind wir in Thüringen der zweitstärkste staatlich anerkannte Naturschutzverband. Das wird nur allzu gern vergessen. Die Wildbewirtschaftung ist nicht das Schmuddelkind des Tier- und Naturschutzes!

„Militante Jagdgegner und ideologisch geprägte Personen lassen sich nicht überzeugen – hier sollte man nicht zu viel Zeit und Mühe investieren.“

Steffen Liebig

Die Jagd und Jäger kommen in der Presse und im öffentlichen Diskurs oft nicht gut weg. Was entgegnen Sie Jagdgegnern und -kritikern?

Zunächst einmal sollte sich jeder Jäger in den Dialog einbringen und nicht immer nur auf die Verbandsspitze hoffen, die möglichst alles regeln soll. In der Öffentlichkeitsarbeit und in der Presse haben die Naturschutzverbände die Nase vorn, und wir haben auf diesem Gebiet noch allerhand Arbeit zu leisten. Voraussetzung für eine Diskussion ist eine gute fachliche Grundlage, die man sich im Verband und auch selbst erarbeiten muss. Den Jagdgegner sollte man nicht gleich in seiner Meinung verurteilen, sondern versuchen, auf Augenhöhe zu argumentieren. Militante Jagdgegner und ideologisch geprägte Personen jedoch lassen sich nicht überzeugen – hier sollte man nicht zu viel Zeit und Mühe investieren.

Was können Sie und der LJV tun, um für mehr Akzeptanz zu werben?

Wir können und müssen die Aus- und Weiterbildung unserer Mitglieder stetig verbessern und aktuelle Erkenntnisse der Wildbewirtschaftung stärker vermitteln. Es täte allen gut, die Gemeinschaft nicht nur nach außen hin zu demonstrieren, sondern sie auch zu leben – und dabei die eigenen Befindlichkeiten mal zurückzustellen. Auf allen Verbandsebenen muss eine enge und zuverlässige Zusammenarbeit gewährleistet sein. Nicht zuletzt müssen wir durch ein positives Bild von der Jagd die Akzeptanz für unser Tun in der Gesellschaft fördern.

Nicht nur innerhalb des Verbandes muss die Zusammenarbeit klappen, sondern auch außerhalb: Hier können wir die Verbindungen mit den im ländlichen Raum agierenden Eigentümer- und Nutzerverbände stärken und gemeinsame Ziele definieren. Wir brauchen eine wirksame Presse- und Lobbyarbeit, die aber auch eine finanzielle Basis voraussetzt. Und schließlich müssen wir dafür sorgen, dass Bewährtes erhalten bleibt und gleichzeitig sinnvolle Neuerungen Beachtung finden.

Was wünschen Sie sich für die Jagd in den nächsten 20 Jahren?

„Jagd zwischen Tradition und Moderne“, so lautete das Motto eines Bundesjägertages. Daran angelehnt ist, hoffe ich für die Zukunft, dass wir alle, die Mitglieder und die Verbandspolitiker den Spagat hinbekommen, die Jagd zukunftsfähig zu gestalten. Die Grundlage dafür ist das einheitliche Handeln der Jägerschaften, der Landesjagdverbände und des Deutschen Jagdverbands. Ich bin davon überzeugt, dass die Jagd Bestand haben wird. In welchem Umfang und in welcher Form wir sie allerdings noch ausüben können, hängt im Wesentlichen davon ab, wie wir uns in die Diskussion einbringen.

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