Auf dem Weg zur Jungjägerin (III): Die erste Schießstunde

Jagdrecht, Wildbrethygiene, Waffenkunde und Schießunterricht – der Weg zum grünen Abitur ist nicht leicht. Outfox-World begleitet die angehende Jungjägerin Sophie von Korff acht Wochen lang auf ihrem Weg zum Jagdschein. Heute steht die erste Schießstunde auf dem Plan – das Adrenalin steigt!

Sophie von Korff schießt

Fester Stand, richtige Körperhaltung und Waffenhandhabung – in der ersten Stunde lag der Schwerpunkt darauf, dass die Schüler den richtigen Ablauf eintrainieren.

Ausgestattet mit gut sichtbaren, knallorangen Warnmützen, warten die Schüler von Jagdlehrer Ol Holler der Jagdschule Waldfee bei eisigen Temperaturen mit Sonnenschein gespannt darauf, was sie an diesem Samstagmorgen erleben werden: Heute wird erstmals mit der Büchse und der Flinte geschossen! Sophie von Korff betritt bereits gut ausgerüstet den Schießstand: Sie trägt eine beige Schießweste, die im linken Schulterbereich gut gepolstert ist, und hält eine Schießbrille und Kopfhörer in der rechten Hand. „Die Sachen habe ich mir von meinem Bruder ausgeliehen“, erklärt sie. Zuversichtlich blickt sie auf die erste Stunde: „Die Waffenanpassung hatten wir schon. Mein linkes Auge ist das dominante.“ Und sie ist „Linksschützin“.

„Heute geht es in erster Linie darum, dass Sie den Schießablauf kennenlernen“, erklärt Ol Holler zu Beginn. Anhand von ersten Trockenübungen zeigt er seinen Schülern, wie die korrekte Waffenführung funktioniert, und gibt ihnen einige wichtige Benimmregeln für den Schießstand mit auf den Weg: „Achten Sie darauf, wie Sie auf dem Stand die Waffe führen“, schärft Ol Holler seinen Schülern unter anderem ein. „Halten Sie die Waffe immer geöffnet mit dem Lauf nach unten!“ In jeder Situation heißt es: Sicherheit geht vor. Holler wurde vier Jahre lang in England als professioneller Flintenschießlehrer ausgebildet und hat so den Grad des „Senior Coach“ erlangt. Seine Schule weist eine hervorragende Quote auf: Von den letzten 500 Prüflingen ist nicht einer durchgefallen.

Erste Schießerfahrungen beim Geschwisterschießen in Bayern

Sophie von Korff auf dem Schießstand

Auf einer Karte werden die Treffer der ersten Schießstunde festgehalten.

Berührungsängste mit der Waffe hat Sophie von Korff nicht. Es ist nicht das erste Mal, dass sie eine Waffe in der Hand hält: „Letztes Jahr habe ich kurz vor Weihnachten in Bayern an einem Geschwisterschießen teilgenommen, welches mein  Bruder mit einigen Freunden ins Leben gerufen hat. Dort haben wir auf Tontauben gezielt. Und auch an dem Schießstand bei uns zu Hause in Warendorf durfte ich schon mal das Flintenschießen üben. Danach hatte ich aber ganz schöne Schulterschmerzen“, verrät Sophie von Korff mit einem Lachen. Ein Problem, mit dem sich besonders Jungjäger plagen, wenn der Schaft beim Anschlag nicht richtig sitzt.

Hier auf dem Stand geht es erst einmal um das Schießen mit der Büchse. Alle Schüler tragen bei ihrer ersten Stunde Ohrschützer, außerdem werden Schalldämpfer benutzt – aus zwei Gründen, wie Ol Holler erklärt: Zum einen sollen so die Ohren geschont werden. Zum anderen will Holler vermeiden, dass seine Schüler sich direkt zu Beginn angewöhnen, beim Schuss zusammenzuzucken. Der Schütze darf nicht „mucken“, wenn er sicher treffen will. Gar nicht so einfach, wie Sophie von Korff bei der ersten Aufgabe des Tages noch feststellen wird: Sie muss zum „Anfreunden“ mit der Waffe zunächst mit einem Kleinkalibergewehr schießen.

Aller Anfang ist schwer!

Sophie von Korff trifft den Rehbock

Sophie von Korff hat den Rehbock passend getroffen.

Nach ein paar Versuchen auf die stehende Scheibe geht es später auf den „laufenden Keiler“. Das Motiv eines auf Pappe abgebildeten Wildschweins, angebracht auf einer Rollschiene, zieht in rund 50 Metern Entfernung von rechts nach links vorbei. Auf dem Schwein befinden sich fünf Kreise. Je nachdem, wo die Scheibe getroffen wird, gibt es für den Jagdschüler mehr oder weniger Punkte.

Schießausbilderin Christiane Nöcker erklärt Sophie von Korff, was zu tun ist: „Im ersten Drittel nehmen Sie den Keiler auf, dann gehen Sie in den Anschlag und schießen!“ Sophie von Korff ist hochkonzentriert, der Keiler kommt aus der rechten Ecke gefahren – und Schuss! Leider knapp daneben. „Sie haben beim Schuss mit dem Auge gezuckt“, analysiert Christiane Nöcker. „Versuchen Sie, beide Augen geöffnet zu halten. Das ist später im Revier sehr wichtig: Nicht nur, um richtig zu zielen, sondern auch, um sehen zu können, wo das angeschossene Tier gegebenenfalls hinläuft“, erklärt die Schießausbilderin und ergänzt: „Wenn Sie schießen, müssen Sie ausatmen, damit der Puls nicht hochgeht.“

Aber auch im zweiten Versuch gelingt es Sophie von Korff noch nicht. „Ich habe keinen Schiss vorm Knall, ich zucke automatisch“, stellt sie fest und ist weiter hochkonzentriert. Im dritten Anlauf klappt es dann endlich. „Sehr gut!“, lobt Nöcker. In der Abschlussprüfung haben die Jagdschüler fünf Schüsse, von denen zwei sitzen müssen. Ein bisschen Zeit für das Training bleibt ja zum Glück noch. Das erste Resümee: „Es war ok! Das ist alles noch etwas ungewohnt“, sagt Sophie von Korff. Man merkt ihr an: Der Ehrgeiz hat sie jetzt so richtig gepackt.

Mitten ins Schwarze

Als nächstes gilt es, einen Rehbock in 100 Metern Entfernung zu treffen. Dieser hat auf der Zielscheibe fünf Ringe. Sophie von Korff nimmt sich Zeit, den richtigen Stand zu finden, den Rehbock genau zu fixieren, und hört den präzisen Anweisungen ihrer zweiten Schießausbilderin Kai-Sophie Nöcker zu. „Lassen Sie kleine Achten kreisen“, gibt sie einen hilfreichen Tipp. Und Schuss! Getroffen! Sophie von Korff ist erleichtert: „Mit dem ersten Schuss bin ich ganz zufrieden. Worauf sollte ich noch achten?“, fragt sie ihre Ausbilderin. „Achten Sie darauf, beim Drücken ganz ruhig auszuatmen“, erinnert diese. Und wieder: Schuss! Diesmal mitten ins Schwarze! „Ich bin selber sehr überrascht, dass ich so genau getroffen habe“, freut sich Sophie von Korff. Jetzt hat sie einen Lauf, auch der nächste Schuss sitzt. 

Taube kommt – Schuss – und Treffer?

Sophie von Korff schießt Tontauben

Jagdlehrer Ol Holler erklärt, worauf Sophie von Korff beim Flintenschießen, hier auf Tontauben, achten muss. Sie muss aufsetzen, vorhalten und abdrücken.

Jetzt geht es mit der Flinte weiter. Es warten noch die Tontauben auf Sophie von Korff. Ol Holler nimmt noch einmal genau ihre Körperhaltung unter die Lupe: Er kontrolliert, ob sie die Waffe korrekt hält, die Wange richtig am Schaftrücken anliegt, sie einen guten und festen Stand hat, und gibt ihr den Tipp, ihre Haltung noch ein wenig weiter nach vorn zu verlagern. „Drücken sie dann ab, wenn es so aussieht, dass die Tontaube vorne auf ihrem Waffenlauf sitzt“, erklärt er der angehenden Jungjägerin.

Sophie von Korff atmet tief durch, verfolgt die Tontaube und, als diese vorne auf dem Gewehrlauf sitzt, drückt sie ab. Daneben. Sie muss je nach Flugrichtung und Geschwindigkeit der Taube „vorhalten“, also den Schuss passend vor der Taube ansetzen, um zu treffen. Hier das richtige Maß zu finden, wird Übungssache. Zweiter Versuch. Wieder knapp daneben! Konzentriert geht sie erneut den Ablauf durch: Die Waffe erst nach hinten, dann nach vorne führen, in den Anschlag gehen, Taube kommt – Schuss! Und Treffer! Sophie von Korff strahlt erleichtert – die erste Schießstunde ist geschafft!

Jetzt sind es noch sechs Wochen bis zur Abschlussprüfung. Bis dahin sind noch eine Reihe weitere Schießstunden vorgesehen, in denen sie sich noch gründlich vorbereiten kann, damit am Ende jeder Schuss sitzt.

In unserem nächsten Teil ist es an der Zeit, ein Zwischenfazit zu ziehen: Sophie von Korff berichtet, was ihr bisher am besten gefallen hat, worin sie für sich persönlich die größte Herausforderung sieht und wie die Prüfungsvorbereitungen laufen.

Zu den anderen Teilen unserer Jüngjägerinnen-Serie gelangen Sie hier:
Auf dem Weg zur Jungjägerin (I): Die 1. Theoriestunde
Auf dem Weg zur Jungjägerin (II): Wildbrethygiene
Auf dem Weg zur Jungjägerin (IV): Halbzeit!
Auf dem Weg zur Jungjägerin (V): Die Abschlussprüfung

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