Blattjagd auf den brunftigen Rehbock (II) – Von Spreng- und Kitzfiep bis Angstgeschrei

Nicht nur die richtige Ausrüstung ist bei der Blattjagd entscheidend: Um die liebestollen Böcke erfolgreich vor die Büchse zu locken, sollte der Jäger die verschiedenen Laute des Rehwilds und deren Wirkung genau kennen.

Rehbock

Foto: Simone Wolzenburg

Wenn der Blattjagd-Erfolg nicht dem Zufall überlassen werden soll, muss der Jäger sich mit den Lock-, Erregungs- und Reizlauten des Rehwildes vertraut machen. Andernfalls kommt dazu, dass seine Bemühungen kein Waidmannsheil bringen, sondern sogar den liebeshungrigsten Bock Reißaus nehmen lassen. Der Grundton allen Blattens ist der kurze Fieplaut. Er dient zunächst einmal der innerartlichen Kontaktaufnahme. Auf ihn reagieren in der Brunft meistens die jüngeren Böcke, die sonst in der Brunft kaum eine Erfolgschance haben. Der Jäger setzt ihn zunächst leise und dann zunehmend lauter ein, um auch weiter entfernt stehende Böcke heranzulocken. Das animiert durchaus auch mal einen älteren „Herrn“, vorbeizuschauen, zumal, wenn er allein in der Nähe ruht oder sowieso auf der Suche nach einem brunftigen weiblichen Stück ist. Ist der Bock aber schon reichlich ermüdet vom Liebesspiel, braucht es schon stärkerer Reize, um ihn in Bewegung zu bringen.

In der Brunft wird aus dem Fieplaut der Sprengfiep der vom Bock getriebenen paarungsbereiten Ricke. Er ist ihr Erregungslaut, den sie verhalten ausstößt. Je kürzer er ist, desto mehr vermittelt er die Bereitschaft des weiblichen Stücks zum Beschlag und erzielt umso größere Wirkung beim Bock. Gerade ältere Böcke stehen auf diesen hellen, zarten „Lustschrei“ quasi umgehend zu. Sie vergessen dabei oft jede Vorsicht. Dies gilt erst recht, wenn er in einer Serie ausgestoßen wird. Selbst wenn der Bock bereits bei einer brunftigen Ricke steht, verlässt er dann gelegentlich diese für kurze Zeit, um nach dem Rechten zu sehen.

Erfolgreich blatten lässt sich mit dem Buchenblatt ebenso gut wie mit Lockinstrumenten aus dem Handel

Erfolgreich blatten lässt sich mit dem Buchenblatt, ebenso wie mit Lockinstrumenten aus dem Handel.

Der Sprengfieplaut zieht die Böcke am sichersten vor die Büchse des Jägers. Erklingt er lauter, greller und mehr in die Länge gezogen, drückt er zunehmend Aufregung und Ängstlichkeit aus. Diese Entwicklung steigert sich bis zum Angstgeschrei. Dessen vibrierende Laute drücke tiefe Furcht aus, sogar Schmerz. Das Angstgeschrei ist also kein spezifischer Brunftlaut, sondern vielmehr ein verzweifelter Hilferuf. In der Brunft verbindet der reife Bock damit die Vorstellung, dass in seinem Territorium ein Konkurrent eine Ricke bedrängt. Der Chef stürmt also herbei, um den Widersacher zu vertreiben. Allerdings droht der Jäger mit dem Einsatz des Angstgeschreis auch, das meiste andere Rehwild zu vergrämen. Um der unbekannten Gefahr aus dem Weg zu gehen, sucht es schnell das Weite.

Dem Angstgeschrei verwandt ist der Kitzfiep (siehe Video). Er ist ein viel höherer und aufgeregterer Laut als der normale Kontaktfiep der Ricke. Das Kitz stößt ihn bei Gefahr aus. Die Ricke hat zwar das Kitz abgelegt und es dort allein gelassen. Sie entfernt sich aber auch in der Brunft normalerweise nicht sehr weit von ihrem Nachwuchs. Sie reagiert deshalb selbst in der Paarungszeit auf den Kitzfiep und eilt zu ihrem vermeintlichen Nachwuchs, um zu helfen. Steht ein Bock bei dieser Ricke, wird er meistens blind folgen und so bis auf Schussentfernung nahe kommen. Aber Vorsicht: Häufig eilen mehrere Ricken, die in Hörweite sind, herbei und bringen so mehrere Böcke zum Jäger. Der sollte in dieser Situation nicht sofort auf den erstbesten Gehörnträger Funken reißen.

Mehr zur Blattjagd lesen Sie im zweiten und dritten Teil der Serie. Hier geht es zu Teil 2 und Teil 3.

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