Blattjagd auf den brunftigen rehbock (I) – vorbereitung ist unerlässlich

Für viele ist die Blattjagd der Höhepunkt des Jagdjahres. Dabei kommt es auf die richtige Vorbereitung an. Denn den liebestollen Rehbock anzulocken, ist keine leichte Aufgabe.

Der liebestolle Rehbock in der Brunftzeit

Foto: Karl-Heinz Fritschek

Etwa Mitte Juli beginnt die Brunft des Rehwildes. Sie dauert rund einen Monat. Für viele Jäger, besonders in Niederwildrevieren, ist die damit verbundene Lockjagd auf den Rehbock die spannendste Zeit des Jahres. Den liebestollen Galan heranzublatten, bedarf schon gehörigen Könnens. Bevor es aber so weit ist, braucht es sorgfältige Vorbereitung. Dort, wo der Bock vermutet oder vielleicht sogar schon bestätigt ist, müssen geeignete Blattstände ausgesucht werden. Oft stehen an diesen Stellen keine oder zumindest keine brauchbaren Hochsitze.

Manche Experten meinen sogar, meterhoch über dem Erdboden zu blatten, mache zumindest den reifen Bock spätestens dann misstrauisch, wenn die Fieplaute aus der Nähe ertönen. Schließlich habe der alte Bock reichlich Erfahrung und wisse, dass Ricken und Schmalrehe nicht auf Bäumen leben. Eine geschlossene Kanzel ist auch deshalb wenig geeignet, weil sie meist nicht die nötige Bewegungsfreiheit bietet, um die Waffe auf den schnell anwechselnden Bock in Anschlag zu bringen. Wer dabei auch noch laut mit dem Lauf ans Holz schlägt, vergrämt die erhoffte Beute bestimmt.

Leichte Leitern oder Drückjagdböcke sind die bessere Wahl. Auch schnell aufzustellende Schirme oder ein Ansitzstuhl mit Auflagemöglichkeit sind gute geeignet. Dabei ist jedoch stets auf einen sicheren Kugelfang zu achten. Der Wind sollte vorwiegend in die Richtung wehen, aus der das Wild am wenigsten erwartet wird.

Freie Rundumsicht ist hilfreich, erschwert jedoch das Waidmannsheil unter Umständen. Denn niemand kann alles gleichzeitig im Blick haben. Selbst wenn der Jäger auf gute Deckung achtet, hat der Bock ihn dann vielleicht eher bemerkt als umgekehrt. Das gilt besonders in lichten Wäldern mit wenig Unterwuchs. Außerdem muss es manchmal blitzschnell gehen, wenn der Bock springt: Blatten, Wild ansprechen, schießen. Da kann es hilfreich sein, zu zweit zur Lockjagd auszurücken. Der eine blattet, der andere hält sich schussbereit. Und vier Augen sehen mehr als zwei. Außerdem gilt auch auf der Jagd, dass geteilte Freude doppelte Freude ist.

Das richtige Lockinstrument

Unerlässlich ist, möglichst leise und damit vom Wild unbemerkt den Blattstand zu erreichen. Womöglich müssen also neue Pirschwege angelegt oder vorhandene von Blättern und Ästen gereinigt werden.

Zu guter Letzt muss der Jäger sich für ein Lockinstrument entscheiden. Der Fachhandel bietet reichlich Auswahl und im Internet finden sich Anleitungen zum Selbstbau. Ganz großes Können aber ist es, den alten Bock zum Zustehen zu bringen mit dem, was der Blattjagd den Namen gegeben hat: das Buchenblatt. Ein passender Baum findet sich fast in jedem Revier. Zur Not gehen auch andere glattrandige Blätter oder sogar ein Grashalm. Da Buchenblätter gerade im Sommer schnell austrocknen, empfiehlt es sich, einen Vorrat zu pflücken. Er lässt sich zwischen feuchten Papiertaschentüchern in einer Dose einige Zeit frisch halten und gut transportieren (siehe Galerie):

Die Lockjagd mit dem Buchenblatt braucht noch etwas mehr Übung als der Einsatz der im Handel erwerbbaren Blatter. Der Blattrand muss zwischen Daumen und Zeigefingern auf eine Länge von etwa drei Zentimetern glatt gespannt werden. Dann wird das Blatt auf die Unterlippe gelegt, sodass der Rand frei schwingen kann. Nun leicht pusten. Mit etwas Glück erklingt der erste Ton. Vorsicht ist aber angebracht, sonst reißt das Blatt. Gut also, wenn der Vorrat groß genug ist.

Ganz gleich, ob Buchenblatt, gebastelter oder gekaufter Blatter zum Einsatz kommen – bevor es ins Revier geht, heißt es üben, üben, üben. Denn ein einmal verblatteter Bock steht so schnell nicht wieder zu. Es gibt CDs und DVDs, die vermitteln, wie die natürlichen Brunft- und Kontaktlaute des Rehwildes klingen. Wie das Blatten im Revier klingt, kann man zum Beispiel auch in diesem YouTube-Video sehen.

Mehr zur Blattjagd lesen Sie im zweiten und dritten Teil der Serie. Hier geht es zu Teil 2 und Teil 3.

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