Blattjagd auf den brunftigen Rehbock (III) – Am richtigen Platz zur rechten Zeit

Das Blatten ist eine hohe Kunst – zu ihr gehört es auch den richtigen Ort und Zeitpunkt zu finden.

Brunftiger Rehbock

Foto:  Ryszard Adamus

Traditionell wird unter der Blattzeit die zweite Hälfte der Rehbrunft verstanden, also etwa ab Ende Juli. Noch eine gute Woche dauert dann die Hochbrunft, bevor das Geschehen schnell abflaut. Viele weibliche Stücke sind bereits beschlagen, die Böcke deshalb verstärkt auf der Suche. Da sind sie noch bei guter Kondition und reagieren sensibel auf die Locklaute. 

Erfolgversprechend ist das Blatten aber auch zu Beginn der Brunft, in die angeblich gut konditionierte Schmalrehe als erste geraten. Nur wenige Stücke sind bereits bereit zum Beschlag – und viele Böcke möchten zum Zuge kommen. Mit Einsetzen der Hochbrunft verschlechtern sich die Chancen des Blattjägers. Fast jeder ältere Bock steht bei einer Ricke.

Das heißt aber auch, dass der Jäger es in Revieren, in denen das Geschlechterverhältnis extrem zugunsten der weiblichen Population verschoben ist, schwer hat mit dem Blatten. Warum soll der Bock den Verlockungen aus der Ferne folgen, wenn er reichlich Gefährtinnen um sich hat? Selbst junge Böcke müssen sich unter solchen Bedingungen nicht sonderlich anstrengen, zum Beschlag zu kommen. Und wenn im August die eigentliche Hochphase der Blattjagd kommt, sind die alten Recken schon so abgekämpft, dass sie sich kaum noch bewegen mögen. Gelegentlich ist auch zu hören, Wilddichte und Wildbretgewichte hätten ebenfalls einen Einfluss auf den Brunftverlauf. Sei nämlich das weibliche Wild sehr schwach oder gar untergewichtig, würden speziell Schmalrehe kaum brunftig.

Ricke und Rehbock

Foto: Karl-Heinz Fritschek

Ein wenig scheint das Brunftgeschehen sowieso von Jahr zu Jahr zu variieren, besonders zeitlich, und auch abhängig zu sein von der Höhenlage des Reviers. In Mittelgebirgslagen etwa setzt der Liebesreigen der Rehe oft einige Tage später ein. Ausgefallen ist die Brunft noch nie und das wird wohl auch nie passieren. Sonst gäbe es im Folgejahr keinen Nachwuchs. Wenn der Jäger vom Treiben nichts mitbekommt, kann dies verschiedene Ursachen haben. In stadtnahen Revieren beunruhigen vielleicht Spaziergänger, Jogger, Mountainbiker und mit ihren Hunden Gassi gehende Zeitgenossen das Wild zu sehr. Deshalb schlägt dort oft bei regnerischem Wetter die Stunde des Jägers. Denn dann sind all die anderen „Naturfreunde“ kaum unterwegs. Auch in der Besserungsphase nach einer Schlechtwetterperiode steigen die Chancen.

Grundsätzlich kann bei bedecktem Himmel und mäßiger Hitze ansonsten den ganzen Tag über erfolgreich geblattet werden. Besonders im Wald eignet sich auch die Phase vom späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag. Das Mikroklima gleicht dort hochsommerliche Wetterextreme weit besser aus, als dies in der Feldflur möglich ist.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Der richtige Ort zum Blatten ist überall dort, wo der Jäger einen Bock vermutet oder bereits bestätigt hat. Im Wald können dies kühle Altholzbestände ebenso sein wie Aufforstungsflächen. Im Feld bieten sich breite Hecken und Gehölzinseln an. In keinem Fall aber bezieht der Jäger einen Blattstand direkt am vermuteten Einstand des Bockes. Zu gering ist die Reaktionszeit, wenn der Bock springt, und zu groß die Gefahr, dass der Gesuchte den Waidmann bereits bei dessen Annäherung mitbekommt und sich unbemerkt aus dem Staub macht.

Rehbock im Feld

Foto: Ryszard Adamus

Hat der Jäger aber seine Position eingenommen, wartet er zunächst ein Weilchen, bis alles in der Umgebung wieder zur Ruhe gekommen ist. Nach einem Viertelstündchen lässt er bis zu einem halben Dutzend Mal die ersten zarten Fiepserien erklingen. Danach ist gut zehn Minuten Pause, bevor weitere Fiepserien folgen. In diesem Rhythmus steigern sich die Locklaute in Intensität und Lautstärke. Dem Bock muss schon die nötige Zeit gegeben werden, sich zu nähern. Lässt der Erfolg eine Stunde auf sich warten, kann der Jäger diesen Platz ruhig verlassen. Dort geht wahrscheinlich im Moment nichts. Das kann morgen schon ganz anders sein. 

Niemand muss übrigens fürchten, das Wild nachhaltig zu vergraulen, wenn er mal nicht den richtigen Ton trifft. Wenn es nicht klappt, ist stiller Rückzug angesagt. Und dann geht es zum nächsten Blattstand. Wahrscheinlich wartet der gute Bock dort.

Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2 unserer Blattjagd-Serie.

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