Faszination Bogenjagd: Interview mit einem Experten (II)

Fotos: Luis Hant

Im ersten Teil unseres Interviews mit dem Bogenjagd-Experten Luis Hant, Ausbilder für die deutsche Bogenjägerausbildung sowie Autor des Buches „Bogenjagd heute“, sprachen wir über den Reiz und die besondere Herausforderung der Bogenjagd und den Unterschied zur traditionellen Jagd mit der Büchse. Im zweiten Teil geht es unter anderem um die tierschutzrechtlichen Aspekte, die Akzeptanz der Bogenjagd und um die Ausbildung.

Gegner der Bogenjagd monieren, dass sie unter Tierschutzaspekten sehr kritisch zu sehen ist. Wie stehen Sie dazu?

Luis Hant: Gemäß § 4 Tierschutzgesetz „darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen“ und der Jäger „die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat“.

Die Jagd mit Pfeil und Bogen ist in 17 europäischen Ländern als tierschutz- und waidgerechte Jagdart anerkannt. Es wurden schon mehrfach Projekte in den verschiedenen Ländern durchgeführt, bei denen alle Abschüsse protokolliert wurden.

Wie zuvor schon beschrieben, werden bei der Bogenjagd nur wenige Schmerzrezeptoren verletzt und das Wild stirbt erfahrungsgemäß innerhalb von ca. 10 Sekunden. Grundvoraussetzung ist natürlich immer ein sauber angebrachter Schuss – egal ob mit dem Pfeil oder mit der Kugel. Die mir bekannten Jäger, welche auch mit dem Bogen im Ausland jagen, haben einen zusätzlichen Bogenjagdschein gemacht.

Meiner Erfahrung nach ist das Töten mit Pfeilen (mit Jagdspitzen) tierschutz- und waidgerecht.

Wie effektiv ist die Bogenjagd im Vergleich zu anderen Methoden?

Luis Hant: Wenn man „effektiv“ im Hinblick auf Wildtiermanagement betrachtet, ist die Büchsenjagd vorrangig. Müssen Abschüsse aufgrund von Verbissschäden oder Ähnlichem getätigt werden, kann das in den meisten Revieren sehr wahrscheinlich mit der Kugel effektiver geleistet werden. Die Reichweite und das Einsatzfeld der Büchse ist größer.

Betrachtet man „effektiv“ im Hinblick auf die Tötungswirkung, ist die Jagd mit Pfeil und Bogen (letztendlich der Jagdspitze) ähnlich der vieler Kugelgeschosse. Die Fluchtstrecken sind erfahrungsgemäß deutlich unter 60 Meter.

Wie hoch ist die Akzeptanz der Bogenjagd unter den Jägern?

Luis Hant: Ich jage sehr viel in Frankreich mit dem Bogen. Hier ist diese Jagdart schon wieder seit 20 Jahren integriert. Mittlerweile sind es viele tausende Jäger, die auch den französischen Bogenjagdschein haben.

In Baden-Württemberg halte ich regelmäßig u.a. bei Hegeringen Vorträge zu dieser Jagdart. Zu Anfang des Vortrages haben die meisten noch ein Schmunzeln im Gesicht. Nach dem Vortrag sind 99 Prozent der Zuhörer begeistert. Einige der Anwesenden hätten sehr gerne die Möglichkeit, diese Jagdart zusätzlich auszuführen.

Auch Hegeringsleiter, Kreisjägermeister und Bezirksjägermeister sind begeistert von dieser zusätzlichen Jagdart.

Wie wird man Bogenjäger (Ausbildung etc.)?

Luis Hant: In vielen Ländern der Erde wird der Jagdschein des Herkunftslandes vorausgesetzt.

Liegt dieser vor, ist der erste Schritt das Erlernen des Bogenschießens. Ich rate einem Anfänger eher zu einem Compoundbogen mit Visier und Release (Auslösehilfe), da er das perfekte Schießen und Treffen in wenigen Wochen erlernen kann. Hingegen mit einem traditionellen Holzbogen ohne Visier, welcher instinktiv geschossen wird, muss man wesentlich länger trainieren, bis man so treffsicher ist.

Meiner Erfahrung nach können Jäger, die regelmäßig mit der Büchse schießen, auch sofort sehr gut mit dem Compoundbogen umgehen. Sie haben schon die Grundkenntnisse des Schießens. Auch ist das Visieren über Peep (Lochscheibe in der Sehne, die im ausgezogenen Zustand vor dem Auge ist) und Visier sehr ähnlich dem Visieren über das Zielfernrohr – nur ohne Vergrößerung. Wird ein Release verwendet, reicht ein leichter Zeigefingerdruck, um die Sehne freizugeben und so den Pfeil auf den Weg zu bringen.

Also erst mal bei einem Bogenhändler vorbeischauen oder anrufen, der auch Compoundbögen und Zubehör für die Bogenjagd hat. Dort wird man sicherlich perfekt beraten. Für den Anfang ist es ratsam, ein Einsteigermodell zu nehmen, welches in der Auszugslänge und im Auszugsgewicht deutlich und einfach verstellbar ist. Die Grundeinstellungen für die ersten Erfahrungen sollte der Bogenhändler einstellen können.

In einem Satz: Warum sollte Ihrer Meinung nach die Bogenjagd in Deutschland wieder erlaubt werden?

Luis Hant: Weil sie eine traditionelle tierschutz- und waidgerechte Jagdart ist und ich als deutscher Jagdscheininhaber genauso wie in den meisten anderen europäischen Ländern die Wahl hierzu hätte.  

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