Gelebter Naturschutz: Jägerin Anne-Marie Prem stellt uns ihren Tierschutzhof vor

Für Anne-Marie Prem ist die Jagd gelebter Natur und Tierschutz. Sie betreibt einen Tierschutzhof, auf dem sie neben Haus- und Nutztieren auch Wildtiere wie Rehkitze, Feldhasen, Wildkaninchen und Füchse wieder aufpäppelt. Dabei ist sie aber auf Spenden angewiesen.

Jägerin Anne-Maria Prem

Fotos: Anne-Marie Prem/Tierschutzhof Oberpfalz

Anne-Marie Prem ist Jägerin und erste Vorsitzende des Tierschutzhofes Oberpfalz e.V. Für sie ist die Jagd gelebter, wahrer Naturschutz. Seit 2004 betreibt sie den Tierschutzhof Oberpfalz. Neben aller Art von Haus- und Nutztieren päppelt sie dort auch Wildtiere wie Füchse und Rehe auf, wobei sie ihr jagdliches Know-how bestens einsetzen kann. Bei manchen „Naturschützern und Tierrechtlern“ steht sie trotzdem direkt im Kreuzverhör, weil sie Jägerin ist. Uns erzählt sie etwas über ihre Arbeit, die Jagd und auch den immensen Aufwand, den sie betreiben muss. Denn der Tierschutzhof finanziert sich ausschließlich von Spenden.

Gruppierungen wie Peta stehen Jägern äußerst kritisch gegenüber. Inwieweit geraten Sie mit der Kombination von Tierschutz und Jagd auch mal zwischen die Fronten?

Als Jägerin stehe ich häufiger im Kreuzverhör von Tierrechtlern. Ich muss mir Sachen anhören wie, dass ich das Reh nur aufpäppele, um es dann abknallen zu können. Auch Jäger sind anfangs zunächst skeptisch, wenn ich dann aber sage, dass ich Jägerin bin und mit, für und von der Natur lebe, zeigen sie sich meist sehr interessiert.

Anne-Marie Prem Tierschutzhof Oberpfalz

Können Sie uns erst einmal etwas zu Ihrem Hof erzählen. Wie groß ist er? Wie viele Leute engagieren sich? Wie sieht Ihre tägliche Arbeit dort aus?

Mein Tierschutzhof ist 6500 Quadratmeter groß, mit zusätzlichen Pachtwiesen. Wir haben 40 Vereinsmitglieder, einige beteiligen sich aktiv, indem sie sich in ihrer Freizeit um die Haus- und Nutztiere kümmern und sie „bespaßen“. Mit der Wildtieraufzucht bin aber ausschließlich ich beschäftigt. Dafür muss ich Tag und Nacht auch erreichbar sein. Teilweise werden die Tiere nachts um drei Uhr vorbeigebracht, und dann kommt es beim Aufpäppeln vor allem auf den Zustand des Tieres an. Rehkitze zum Beispiel müssen alle 20 bis 30 Minuten gefüttert, also zwangsernährt werden, oder auch Infusionen und Spritzen bekommen. Später, wenn sie etwas größer sind, werden sie alle drei Stunden gefüttert. Das ist vor allem nachts nicht ohne.

Durchbringen kann man leider nicht alle. Das ist oft sehr hart. Zwei Stück mussten wir dieses Jahr leider erlösen. Ein Reh hatte einen Kieferbruch und war blind. Wir gehen davon aus, dass es von einem Hund erwischt wurde. Bei dem anderen Reh war die falsch verstandene Tierliebe schuld. Die Finder eines Rehkitzes haben das Tier nach Hause mitgenommen, dann auch noch zum Tierarzt geschleppt, bis es zu mir gebracht wurde. Der Stress war zu groß, es bekam direkt Krampfanfälle. Da musste ich es erlösen. Bevor ein Tier leidet, muss man auch diesen Schritt gehen, um das Leiden nicht hinauszuzögern. Da muss man schon stark abwägen. 

Anne-Marie Prem päppelt ein Rehkitz auf

Die ersten Tage sind sehr mühsam bis das Kitz gelernt hat, aus der Flasche zu trinken

Wie kommen die Tiere zu Ihnen? Bringen Ihnen auch Jäger gefundene Tiere?

Privatleute, örtliche Jäger, aber auch der Bayerische Jagdverband bringen die Wildtiere zu mir. Bei den Privatpersonen ist es meistens auch so, dass sie sich zuerst beim Jagdverband melden und die Tiere dann über den Verband zu mir finden.

Wie kamen Sie zu der Idee, den Tierschutzverein zu gründen?

Mein Hof war ursprünglich als Reitstall gedacht. Als ich dann aber ein Pferd vorm Metzger gerettet habe, kam die Idee zur Vereinsgründung. Ich sehe den Tierschutz da aber im Großen und Ganzen und beschränke mich nicht auf eine Tierart. Ob Hausschwein, Hühner, Hasen oder Rehkitze, wir haben hier schon alle möglichen Tiere aufgenommen und aufgepäppelt. Mit dem Tierschutz habe ich schließlich schon mein Leben lang zu tun. Durch die Jagd bin ich zum Beispiel auch sehr eng mit Wildtieren verbunden.

Wie lange sind sie schon Jägerin? Wie sind Sie zur Jagd gekommen?

Ich bin durch meinen Vater zur Jagd gekommen. Er hat mir von Kindesbeinen an beigebracht, die Natur zu schätzen, zu schützen und zu ehren und dafür danke ich ihm mein Leben lang. Die Jägerprüfung habe ich selbst aber erst vor vier Jahren abgelegt. Vorher war das aus zeitlichen, aber auch finanziellen Gründen nicht möglich. Jeder Tag, an dem ich draußen bin, ist ein Erlebnis, bringt mir Ruhe und ich lerne jeden Tag von der Natur und den Wildtieren dazu. Man lernt nie aus im Leben!

Renaturierungsflächen werden gefräst

Nachdem die Renaturierungsflächen gefräst sind, wird die gesamte Fläche mit dem Rechen eingeebenet und von Steinen und Wurzeln berfeit. Dann kann das Saatgut ausgebracht werden.

Können Sie uns etwas zu bestimmten Projekten für den Tier- und Artenschutz sagen? Was wird zurzeit gemacht?

Ich versuche, zwischen Jägern, Nichtjägern und Landwirten zu vermitteln. Das klappt teilweise ganz gut, wie zum Beispiel bei der Wiesenmahd, wenn es darum geht, die Wiesen vorher abzulaufen. Unter anderem setze ich mich auch für Wildwiesen als Rückzugsorte für das Niederwild ein. Durch die Flurbereinigung wurden zahlreiche Hecken und Ackerrandstreifen entfernt und zerstört. Als ich vor 20 Jahren hierhin zog, gab es nur noch bedingt Niederwild. Im Laufe der Jahre ist es immer mehr zurückgegangen. Da muss etwas passieren. Ohne irgendwelche Subventionen zu bekommen, habe ich auf 500 Quadratmetern Heckensträucher gepflanzt, Wildwiesen angelegt mit Wildackermischungen für das Niederwild wie die „Hasenapotheke“, aber auch für Insekten. Auch die Stadt Wörth an der Donau hat mir eine Fläche zur Verfügung gestellt, die ich renaturiert habe. Ich habe Schilder aufgestellt und von der Stadt die Genehmigung erhalten, um einfach darauf hinzuweisen, dass wir der Natur ein Stück zurückgeben müssen – auch als Rückzugsgebiet für die Tiere. Landwirte habe ich hierzu ebenso angesprochen und sie gebeten, Flächen zur Verfügung zu stellen. Ich sagte auch zu, dass ich das ganze Saatgut besorgen würde. Aber da hatte ich leider keinen Erfolg.

Sie gestalten auch Reviertage für Kinder. Wie sehen diese aus?

Es ist sehr wichtig, Kinder über die Jagd und den gelebten Naturschutz zu informieren. Das ist das A und O, schließlich sind die Kinder unsere Zukunft. Da müssen wir ansetzen. Die nächsten Reviertage finden am 30. Juni statt. An dem Projekt sind ausschließlich Jäger beteiligt. Sie erklären dann an vier Stationen zwei bis drei Schulklassen etwas über die Flora und Fauna im Revier, die Jagdpraxis und das Equipment von Jägern. An Exponaten können die Kinder Wildtiere genauer in Augenschein nehmen. Wir präsentieren Jagdhunde und sagen etwas zu deren Ausbildung, klären aber auch zu Müll im Wald auf und erläutern, wie schädlich dieser für die Wildtiere ist. Beim letzten Mal waren die Kinder sehr fasziniert. Da stößt man auf jeden Fall auf offene Ohren. Und es ist erstaunlich, wie fit sie bei dem Thema teilweise schon sind.

Equipment für die Wildtieraufzucht

Das ist ein kleiner Ausschnitt des Equipments, welches Anne-Marie Prem für die Wildtieraufzucht benötigt.

Sie sind fast ausschließlich alleine mit dem Tierschutzhof beschäftigt. Wie finanzieren Sie das?

Der Tierschutzhof bekommt keinerlei Fördermittel. Wir sind auf Spenden und Patenschaften angewiesen, was sehr schwierig ist. Einen Hund kann man noch so durchfüttern, bei Pferden oder Rehen wird es sehr eng. Ein Liter Ziegenmilch zum Beispiel, mit der ich Rehe füttere, kostet 2,50 Euro. Vier bis fünf Liter bekommen Rehkitze etwa am Tag. Dazu kommen noch die Medikamente für die Tiere. Von den Spenden ist es so knapp, dass wir maximal noch für das nächste halbe Jahr vorausplanen können, was mir sehr viel Sorgen bereitet.

Nähere Infos zum Tierschutzhof Oberpfalz finden Sie auf der Webseite. Einen Einblick in die Arbeit von Anne-Marie Prem gibt außerdem dieses Youtube-Video, welches die erfolgreiche Auswilderung von Rehwild zeigt.

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!