Mit dem Bogen zur Jagd

Sie ist eine der ursprünglichsten Formen der Jagd – die Bogenjagd. In Deutschland allerdings verboten. Welche Faszination die Bogenjagd ausübt und welche Chancen sie bietet, haben wir mit Jan Riedel vom Deutschen Bogenjagd Verband (DBJV) besprochen.

Bogenjäger auf der Jagd auf Rehwild

Fotos: Jan Riedel / Der Bogenjäger muss besonders nah an den Rehbock. Dies macht die Bogenjagd zu einer so großen Herausforderung.

Sie haben den Bogen raus: Die Mitglieder des Deutschen Bogenjagd Verbandes (DBJV) sowie viele weitere deutsche Jäger begeistern sich für eine der faszinierendsten Arten der Jagdausübung, die Bogenjagd. Das macht der starke Mitgliederzuwachs deutlich. Dennoch ist es noch ein weiter Weg für diese ursprüngliche Methode des Jagens mit Pfeil und Bogen – in Deutschland ist sie nämlich weiterhin verboten.

Das Interesse an der heutigen Jagd mit Pfeil und Bogen ist enorm gestiegen, meint zumindest Jan Riedel vom Deutschen Bogenjagd Verband. Ihm zufolge reizt den Nachwuchs vor allem die Nähe zum Tier: „Das Wild wird hautnah erlebt, dabei sind Geduld, Kondition und Selbstdisziplin auf einem angespannten Höchstmaß.“ Für die Jäger bedeutet die Bogenjagd jagdliche Perfektion und die reinste Form der Jagdausübung. Belohnt werden die Bemühungen mit einem unvergesslichen Jagderlebnis sowie hochqualitativem Wildbret.

Absolute Schusspräzision und viel Geduld notwendig

Mit dem Jagen mit Pfeil und Bogen unserer Vorfahren hat die heutige Bogenjagd nicht mehr viel gemeinsam. Heute kommen zum sachgerechten Töten des Wildes überwiegend hochtechnisierte Compoundbögen zum Einsatz. Die Jagdspitzen aus hochwertigem Stahl sind mit zwei- oder mehrschneidigen Klingen versehen und rasiermesserscharf. Der moderne Jagdpfeil fliegt mit einer Geschwindigkeit von rund 75 bis 100 Metern pro Sekunde. Dabei sollte er mindestens 30 Gramm wiegen. Durch die Kombination aus Masse und Geschwindigkeit durschneidet der Pfeil im Regelfall den Wildkörper komplett, tritt wieder aus und bleibt kurz hinter dem Tier im Boden stecken. Ein Treffer im Brustraum des Wildes bewirkt so eine sekundenschnelle Tötung. Idealerweise beträgt die Entfernung zum Wild maximal 25 Meter, was auf die Relation zwischen Pfeilfluggeschwindigkeit und Reaktionszeit des Wildes zurückzuführen ist. Diese kurze Distanz verlangt vom Jäger einiges ab. Optimale Tarnung, lautloses Pirschen oder stundenlanges Ausharren im Treestand, einem speziellen Ansitz im Baum, sowie absolute Schusspräzision sind grundlegend für eine erfolgreiche Bogenjagd.

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In Deutschland können sich interessierte Jäger seit 1999 vom DBJV zu Bogenjägern weiterbilden lassen. Die Weiterbildung erfolgt durch Seminare und die Abnahme der Prüfung zum Deutschen Bogenjagdschein, die sich an den Richtlinien des IBEP (International Bowhunter Education Program) orientiert. Geprüft werden unter anderem genaue Kenntnisse über Jagdbögen, Pfeile, Spitzen, jagdbares Wild, tödliche Trefferzonen sowie die Versorgung des Wildes. Im praktischen Teil wird erwartet, dass der Jäger die tödlichen Zonen des Wildes aus verschiedenen Entfernungen sicher trifft. Der Bogenjagdschein gilt auch als Nachweis der Fähigkeiten für die Jagd in anderen europäischen Ländern. Darüber hinaus wird er in vielen amerikanischen Staaten sowie in Afrika für die dortige Bogenjagd anerkannt.

Noch keine Anerkennung in Deutschland

Bogenjäger im Feld

Gemeinsam auf der Jagd – das Ziel fest im Blick.

In vielen europäischen Ländern, darunter Frankreich, Dänemark und Belgien, wird die Bogenjagd als waidgerechte Jagdart akzeptiert und seit vielen Jahren erfolgreich genutzt. In Deutschland ist dies bisher noch nicht der Fall, obwohl die unterschiedlichen Landesjagdgesetze teilweise eine Bogenjagd auf Raub- und Federwild zulassen würden.

Um die Anerkennung der Bogenjagd in Deutschland zu fördern, nimmt der DBJV in Frankreich an dem „Nutria-Regulierungs-Projekt“ in urbanen Bereichen des elsässischen Bogenjagdverbandes teil. Ziel ist es, die Wirkung des Jagdpfeils im Wildkörper zu erforschen und die Effektivität der Bejagung von Wildtieren mit Pfeil und Bogen herauszustellen.

So kann auch in Deutschland die Bogenjagd in befriedeten Gebieten sinnvoll sein. Schwarzwild und fremde, invasive Tierarten dringen immer häufiger in die Städte vor. Eine Bejagung mit der Schusswaffe ist in dicht besiedelten Gebieten nicht ungefährlich. Mit der kürzeren Schussdistanz des Bogens könnte man hier effektiv unterstützen, ohne dass Menschen gefährdet oder durch Lärm belästigt werden. Praktiziert wird dies schon seit Jahren sehr erfolgreich mitten in Madrid (wir berichteten).

Über die Jahre ist der DBJV zu einer Dachorganisation für Vereine und Jäger rund um die Bogenjagd geworden. Hier haben Interessierte die Möglichkeit, sich über die verschiedenen Techniken, Equipment und Gelegenheiten zur Jagd auszutauschen.

Weitere Informationen zum Thema unter www.dbjv.org oder auch auf Facebook unter „Deutscher Bogenjagd Verband e.V.“

Lesen Sie außerdem:
Faszination Bogenjagd: Interview mit einem Experten (I)
Faszination Bogenjagd: Interview mit einem Experten (II)

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