Mit Rettungshunden gegen den Mähtod

Angesichts moderner Wildrettungs-Technik vergisst man manchmal, dass auch klassische Methoden viel ausrichten können – vor allem, wenn Landwirte, Jäger und freiwillige Helfer Hand in Hand agieren.

Hovawart

Symbolbild: Couleur

Jahr für Jahr ereilt zahlreiche Rehkitze und andere Jungtiere ein grausames Schicksal: Weil die Wiesenmahd in die gleiche Zeit fällt wie die Brut- und Setzzeit von Reh, Feldlerche, Fasan und Co., werden viele von ihnen von den schweren Maschinen getötet oder verstümmelt. Landwirte und Jäger setzen daher immer mehr auf moderne Technik, um die Wildtiere und ihren Nachwuchs vor dem Mähtod zu bewahren, etwa mit Wärmebildkameras, Drohnen oder akustischen Warnern. Ganz ohne technische Geräte kamen die Wildretter in der Gemeinde Hettenleidelheim (Rheinland-Pfalz) aus: Sie durchsuchten am Wochenende schnittreife Wiesen ganz „oldschool“ mit Hunden und retteten so zahlreichen Wildtieren das Leben.

Die Jagdpächter Ulrich Zahn und Egon Hochstetter kamen laut rheinpfalz.de auf die Idee, die Wiesen kurz vor der ersten Mahd mit ausgebildeten Suchhunden zu durchstreifen. Unterstützung bekamen sie von der Alzeyer Rettungshundestaffel des Roten Kreuzes: Die Personenspürhunde waren mit ihren Besitzern am Wochenende in mehreren Wiesen unterwegs, um Rehe und andere Wildtiere aufzuspüren und aus den kritischen Zonen zu vertreiben. Ähnlich wie gut ausgebildete Vorstehhunde können die Rettungshunde zufällig gefundenes Wild auch anzeigen, sodass es unversehrt – am besten mit Handschuhen und einer Handvoll Gras – an einen sicheren Ort gebracht werden kann.

Ein weiterer Vorteil: Wittern die Wildtiere die Anwesenheit der Hunde, werden sie aus dem Areal vergrämt. „Der Geruch der Hunde bleibt mindestens 24 Stunden, eventuell auch mehrere Tage in dem Gebiet hängen und macht es für die Rehgeiß als Aufenthaltsort für ihre Kleinen unattraktiv“, erklärte Jagdpächter Zahn gegenüber der Zeitung.

Insgesamt neun Hunde der Alzeyer Rettungshundestaffel waren am Wochenende mit ihren Herrchen und Frauchen im Einsatz. Wildtiere zu suchen und aufzuspüren ist harte Arbeit: „Das ist sehr anstrengend für die Hunde“, erläuterte Nicole Knobloch von der Rettungshundestaffel. Die Hunde können beim Schnüffeln ihre Körpertemperatur schlechter regulieren, weil sie weniger hecheln. „Bei warmem Wetter brauchen sie nach einer halben Stunde eine Pause“, so Knobloch. Doch die harte Arbeit zahlt sich aus: Mehrere Kitze haben die Hunde am Wochenende aufgespürt und vermutlich zahlreiche weitere Tiere von den Flächen ferngehalten.

Über die Wirksamkeit verschiedener Methoden bei der Wildtierrettung liegen keine offiziellen Zahlen vor. Doch egal, ob mit moderner Technologie oder ganz klassisch mit Hund, Menschenkette oder Wildscheuche: Um Jungtiere vor dem Mähtod zu bewahren, zählt jedes Engagement. Vor allem die Kombination aus vorbeugenden Maßnahmen wie dem Einsatz von Geruchsstoffen, akustischen Signalen oder Wildscheuchen und dem gezielten Absuchen mit Hunden und freiwilligen Helfern hat sich in der Praxis bewährt.

Hier können Sie sich einen Überblick über die vielfältigen Aktionen zur Wildtierrettung verschaffen:

Kitzrettung mit dem Oktokopter
Kitzforce“: Rehkitz-Rettung aus der Luft
Mit WhatsApp Kitze retten
Gelungene Kooperation: Jungwildrettung zu Pferd
Kinder retten Rehkitze
Kitzretter zeigen großes Engagement
Vorbildlicher Aufruf: Kitzretter-Suche per Facebook
Gute Idee steckt an: Erneut Kitzretter-Verein gegründet
Tierschutzpreis für Kitz-Retter-Projekt

Hilfreiche Tipps für die Wildrettung hat der Deutsche Jagdverband in diesem Video zusammengefasst:

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