Projekt: Dem Goldschakal auf der Spur

Er wird auch „der kleine Bruder des Wolfes“ genannt und war bisher eher in Mittel- und Südosteuropa anzutreffen: Der Goldschakal. Inzwischen wird er immer häufiger auch in westeuropäischen Ländern gesichtet. Um die Verbreitung genauer zu untersuchen, wurde vor Kurzem das spannende Pilotprojekt „Der Goldschakal in Österreich“ am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der Universität für Bodenkultur Wien ins Leben gerufen. Initiatorin Jennifer Hatlauf hat uns im Interview das Projekt sowie erste Ergebnisse vorgestellt:

Goldschakal, Foto: Janez Tarman

Foto: Janez Tarman

Der Goldschakal ist etwas größer als der Fuchs und kleiner als der Wolf, er hat eine kürzere Lunte als der Fuchs und ähnelt in seinen Farben eher dem Wolf.

Zählt Österreich zur ursprünglichen Heimat des Goldschakals?

Jennifer Hatlauf: Es gibt Berichte aus dem 19. Jahrhundert über Sichtungen der sogenannten „Rohrwölfe“ beim Neusiedler See. In der ungarischen Tiefebene war ebenso von Rohrwölfen in den Schilfgürteln die Rede – und dieser Begriff wurde dort unter anderem auch für Goldschakale verwendet; dies ließ lange Zeit vermuten, dass es auch beim Neusiedler See schon Goldschakale waren. Exakte Bestätigungen fehlen aber und das historische Vorkommen in Österreich ist umstritten. Eindeutige Belege können nur genetische Untersuchungen von Museumsexemplaren erbringen.

Jennifer Hatlauf, Foto: Herzog

Foto: Herzog

Jennifer Hatlauf

Was ist das Goldschakal-Pilotprojekt?

Jennifer Hatlauf: Das Projekt ist der erste Versuch in Österreich, alten wie neuen Hinweisen auf Goldschakal-Vorkommen aktiv nachzugehen – Sichtungen oder Meldungen über Abschüsse oder überfahrene Tiere werden gesammelt. Daraufhin überprüfen wir systematisch durch bioakustische Erhebung (Anm. d. Red.: Erhebungen mithilfe der Simulation von Tierstimmen) in den jeweiligen Gebieten, ob sich bereits territoriale Goldschakal-Gruppen niedergelassen haben.

Wie funktioniert die bioakustische Erhebung genau?

Jennifer Hatlauf: In der Nähe der gemeldeten Hinweise und in geeignetem Lebensraum wird ein spezieller Goldschakal-Ruf abgespielt. Dies soll territorial lebende Goldschakal-Gruppen zu einer Antwort stimulieren, die wiederum Auskunft über den ungefähren Aufenthaltsort und eventuell die Gruppengröße gibt. Es ist geplant, diese Stimulation gezielt und über einen kurzen Zeitraum durchzuführen, da eine Dauerbeschallung nicht zielführend ist. Keine Antwort heißt aber nicht zwingend, dass sich keine Goldschakale in dem Gebiet befinden, und eine Kombination mehrerer Forschungsmethoden ist sicher essenziell bei einem Tier wie dem Goldschakal.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Projekt?

Jennifer Hatlauf: Die Datenerhebung soll es in Zukunft erleichtern, das Vorkommen des Goldschakals landesweit abzuschätzen und irgendwann auch Populationstrends beobachten zu können.
Sowohl in Kooperation mit internationalen Experten als auch durch Einbeziehen von Jägerschaft und Naturschutz soll eine optimale Basis für ein langfristiges und effektives Monitoring geschaffen werden.
Als wichtige Ziele sehen wir neben der Vernetzung von Interessensgruppen den effizienten Informationsfluss und die Bewusstseinsbildung. So kann durch Aufklärung möglichen Ängsten vor dem neuen und eher unbekannten Raubtier entgegengewirkt, aber auch Verwechslungen mit anderen Hundeartigen – wie dem etwas kleineren Fuchs – vorgebeugt werden.

Foto: Janez Tarman

Foto: Janez Tarman

Akustische Erhebungen in Slowenien.

Das Projekt ist im Oktober 2015 gestartet – können Sie bereits erste Ergebnisse präsentieren?

Jennifer Hatlauf: Ja, es konnten bereits Informationen durch die bioakustische Stimulation gesammelt werden und neben Berichten von überfahrenen Goldschakalen erhielten wir auch Hinweise durch einen Online-Fragebogen, der seit dem vergangenen Monat aktiv ist. Von den Fragebogenmeldungen stellte sich eine als falsch heraus, es war ein Fuchs, aber andere konnten eindeutig identifiziert werden; vermutlich handelte es sich bei diesen Individuen um Durchzügler, doch die akustische Überprüfung, die wir im Herbst wieder durchführen wollen, wird vielleicht ein anderes Ergebnis offenbaren. Vor einigen Tagen erhielten wir eine Sichtungsmeldung, der noch nachgegangen wird.

Wie wird es mit dem Projekt weitergehen?

Jennifer Hatlauf: Eine regelmäßige, jährliche Befragung soll weitere neue Nachweise erfassen und sich mit dem Meinungsbild der Bevölkerung in Bezug auf den Goldschakal auseinandersetzen.
Auch neue Nachweise außerhalb des bereits bekannten Vorkommensgebietes – wie beispielsweise Deutschland, Niederlande oder Dänemark – sollen in einer Datenbank gesammelt und online zugänglich gemacht werden.

Projektbegleitend werden sowohl Feldarbeit als auch Interviews mit internationalen Experten gefilmt – also, seien Sie gespannt! Es werden zusätzlich rechtlicher Status, Schutzbestimmungen und die Bedeutung für „neubesiedelte Länder“ erläutert.

Lebensraum des Goldschakals, Foto: Hatlauf

Foto: Jennifer Hatlauf

So sieht der typische Lebensraum des Goldschakals aus.

Welche Faktoren begünstigen die Verbreitung des Goldschakals? Welchen Lebensraum bevorzugt er?

Jennifer Hatlauf: Es wird angenommen, dass seine Verbreitung durch Faktoren wie den Rückgang von Wolfspopulationen oder veränderte Umweltbedingungen begünstigt wird. Experten nennen auch sowohl unzureichende Entsorgung von Schlachtabfällen im Süden und Osten Europas als auch veränderte landwirtschaftliche Systeme – wie extensivere Bewirtschaftung mit vielen ungenutzten Flächen – als mögliche Gründe.

Nahrungsverfügbarkeit ist in jedem Fall entscheidend – der Goldschakal gilt als Allesfresser und ernährt sich demnach von dem, was saisonal und auch geographisch verfügbar ist; das reicht von Kleinsäugern, Reptilien, Insekten oder auch pflanzlicher Nahrung bis hin zu Kadavern und vielem mehr.

Als Lebensraum und für die Jagd nutzt er durchaus häufig offene Flächen, wie Grünland oder Acker – doch dichte Deckung für ausreichend Schutz tagsüber spielt für den vermehrt nachtaktiven und versteckt lebenden Räuber eine wichtige Rolle. In der Literatur werden gerne Gewässernähe und Flachland als besonders genutzter Lebensraum beschrieben. Der Goldschakal erweist sich aber als sehr anpassungsfähig und eine Neubesiedelung scheint in unterschiedlichsten Habitaten (Anm. d. Red.: Orten) möglich zu sein. Es bleibt also spannend, wo er sich tatsächlich dauerhaft ansiedeln wird, aber eins ist ziemlich eindeutig – er ist auf dem Weg in neue Gebiete!

Weitere Informationen
Jennifer Hatlauf, MSc. initiierte das Pilotprojekt „Der Goldschakal in Österreich“ unter der Leitung von Univ.Prof. Dr. Klaus Hackländer im Herbst 2015. Weitere Informationen gibt es hier sowie per E-Mail an hatlauf@hotmail.com und auf facebook.

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