Afrikanische Schweinepest: Alle Antworten im Überblick

Was ist die Krankheit ASP, welche Konsequenzen hat die Seuche für die Landwirtschaft und was kann zum Schutz vor dem afrikanischen Virus getan werden? Die wichtigsten Antworten zur Afrikanischen Schweinepest haben wir für Sie zusammengefasst.

Schwarzwild im Wasser

Foto: Michael Tetzlaff

Ob Abschussprämien, Elektrozäune, Sonderurlaub für Jäger oder der Einsatz von Nachtzieltechnik: All diese Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) scheinen einen Ausbruch der Tierseuche hierzulande offenbar nur verzögern, aber nicht vollständig verhindern zu können.

Die Afrikanische Schweinepest grassiert seit 2007 in Osteuropa und verbreitet sich seither scheinbar unaufhaltsam gen Westen (wir berichteten). Ein möglicher Ausbruch in Deutschland wirft viele Fragen auf – hier sind die wichtigsten Antworten.

Afrikanische Schweinepest – was ist das überhaupt?

Die Afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende, in fast 100 Prozent der Fälle tödlich verlaufende Tierseuche, die Wild- und Hausschweine betrifft. Das Virus stammt ursprünglich aus Afrika und wurde vor gut zehn Jahren nach Eurasien beziehungsweise Osteuropa eingeschleppt.

Organe von infizierten Tieren

Foto: Friedrich-Loeffler-Institut

Nachgefragt beim Friedrich-Loeffler-Institut: Woran erkennt man infizierte Schweine und Wildschweine und wie verläuft die Krankheit?

Sie äußert sich vor allem in hohem Fieber und unspezifischen Symptomen. „Unter experimentellen Bedingungen sehen wir, dass die erkrankten Tiere eng beieinander liegen, wenig oder kein Futter mehr aufnehmen und im Endstadium kaum noch auf Reize von außen reagieren und unter Atemproblemen leiden“, erklärt Dr. Sandra Blome vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Seltener könnten auch Krampfanfälle, Nasenbluten und blutiger Durchfall auftreten. In Feldstudien konnte beobachtet werden, dass tote Tiere vor allem an Suhlen und Wasserläufen anzutreffen waren.

„Wir gehen davon aus, dass das auffälligste Anzeichen für einen Ausbruch der ASP eine erhöhte Sterblichkeit ist, das heißt, es wird Fallwild durch Jäger, Spaziergänger oder auch Hunde entdeckt“, erklärt Dr. Blome weiter. „In einigen Fällen wurden ganze Rotten tot aufgefunden, an anderen Orten betraf es eher Einzeltiere.“ Beim Aufbrechen sind Veränderungen der Lymphknoten, der Nieren, der Lungen und anderen inneren Organen feststellbar.

Ist das Virus auch für den Menschen gefährlich? Können Schweinefleisch und Wildbret noch bedenkenlos verzehrt werden?

„Die Erkrankung betrifft nur Schweine, sodass weder der Mensch noch unsere anderen Haus- und Wildtiere in Gefahr sind“, beruhigt Dr. Blome im Interview mit Outfox-World. Es wäre somit für Menschen unbedenklich, infiziertes Schweinefleisch und Wildbret zu verzehren. Trotzdem sollte auf eine gute Küchenhygiene geachtet werden: Fleischabfälle gehören zum Beispiel auf keinen Fall in den Schweinetrog – es wäre sogar verboten. Auch Wurstbrote in gefährdeten Gebieten sollten nicht achtlos weggeworfen werden.

In aller Regel werden dort, wo die Tierseuche ausgebrochen ist, alle tot aufgefundenen oder geschossenen Wildschweine auf das Virus hin untersucht. Es sollte also ohnehin nur ASP-freies Wildbret in den Verkauf kommen. Produkte von Hausschweinen aus den Restriktionszonen dürfen ebenfalls nicht gehandelt werden, sodass es insgesamt unwahrscheinlich ist, dass tatsächlich ein mit ASP infiziertes Stück Fleisch seinen Weg ins Kühlregal oder auf den Teller findet.

Hausschwein

Foto: Efraimstochter

Was passiert, wenn die ASP in Deutschland ausbricht?

Zunächst einmal betrifft die ASP vor allem die Schweinehalter, denn die hochansteckende Tierseuche führt zu einer erhöhten Sterblichkeit bei Schweinen. Landwirte fürchten dramatische Verluste. Insgesamt droht ein „vor allem wirtschaftlich katastrophales Szenario“, erwartete Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung und schätzte die möglichen Schäden für die deutsche Landwirtschaft auf zwei Milliarden Euro jährlich.

Um eine weitere Ausbreitung auf Wildschweine oder andere Hausschweinbestände zu verhindern, müssen beim Ausbruch in landwirtschaftlichen Betrieben „alle Schweine der betroffenen Bestände getötet und unschädlich beseitigt werden“, wie es in einem Leitfaden des Bundesumweltministeriums heißt. So ist es in der so genannten „Schweinepest-Verordnung“ geregelt.

Zudem werden Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete eingerichtet, in denen Schweine und deren Erzeugnisse weder eingebracht noch ausgeführt werden dürfen. Haus- und Wildschweine werden in diesen Zonen penibel untersucht. Bei Wildschweinen sieht die Verordnung eine verstärkte Bejagung vor – es dürfte allerdings schwierig sein, die intensiven Bemühungen von Jägern in Deutschland und Osteuropa in der jüngsten Vergangenheit noch weiter zu steigern. So sollen polnische Jäger sogar bezahlten Sonderurlaub erhalten, um noch mehr Wildschweine erlegen zu können (wir berichteten). Trotz Rekordstrecken fordert die Politik vielerorts immer höhere Abschusszahlen von den Waidleuten (wir berichteten).

Wird die ASP beim Schwarzwild festgestellt, wird zunächst ein „gefährdeter Bezirk“ eingerichtet. Auch hier gelten dann Ein- und Ausfuhrverbote für Hausschweine und deren Produkte. Jäger müssen in diesem Fall außerdem gegebenenfalls seuchenhygienische Maßnahmen ergreifen: Tote Wildschweine sollen dann etwa zentral gesammelt und bei Bedarf auch zentral aufgebrochen werden.

Kann man der Afrikanischen Schweinepest vorbeugen? 

Gegen die ASP gibt es bislang keinen Impfstoff.

Wie können Landwirte ihre Schweinebestände vor einer Ansteckung bewahren?

Neben den allgemeinen Hygienemaßnahmen empfiehlt das Umweltministerium, die Bestimmungen der Schweinehaltungshygieneverordnung unbedingt einzuhalten. Wenn Tiere akut erkranken und die Symptome nicht klar zugeordnet werden können, sollen die Landwirte Proben an die zuständige Untersuchungseinrichtung der Länder senden. 

Dies gilt insbesondere dann, wenn die erkrankten Schweine auf Antibiotika nicht mehr ansprechen. Hoftierärzte und Landwirte werden nachdrücklich gebeten, verstärkt Blutproben von fieberhaften Infektionen oder vermehrten Todesfällen in schweinehaltenden Betrieben einzusenden.

Um die Vermehrung des Schwarzwilds langfristig einzudämmen, hat sich außerdem eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jägern bewährt (wir berichteten). Denn Maisfelder bieten den Wildschweinen nun mal einen reich gedeckten Tisch und tragen neben dem Klimawandel nicht unwesentlich zur von Landwirten ausgerufenen „Sauenschwemme“ bei. Nicht nur die Politik hat erkannt: Je mehr Wildschweine es gibt, desto höher ist auch der Infektionsdruck. Um den wachsenden Wildschweinpopulationen überhaupt noch Herr zu werden, sind Bejagungsschneisen in den Feldern ein probates Mittel.

Erlegtes Wildschwein

Foto: makamuki0

Warum sollen ausgerechnet Jäger bei der Eindämmung helfen?

 Jäger erfüllen einen gesetzlichen Auftrag und sollen dafür sorgen, dass sich die ASP nicht weiter ausbreitet. Bereits in den vergangenen Monaten werden Jäger in verschiedenen Bundesländern von der Politik immer mehr aufgefordert, teils horrende Abschusszahlen zu erfüllen (wir berichteten) – ein Grund dafür, dass sich die Verkaufspreise für das Wildbret im freien Fall befinden (wir berichteten).

Zusätzlich verlangt das Umweltministerium erhöhte Wachsamkeit in Bezug auf vermehrt auftretendes Fallwild. Proben, am besten Schweiß- und Milzproben, sollen bei Bedarf an veterinärmedizinische Labore geschickt werden. Auch Knochen oder Proben von anderen Organen, notfalls auch verweste Stücke, können noch untersucht werden.

Jäger, die in osteuropäischen Ländern auf die Jagd gehen, müssen besonders achtsam sein. Alle möglicherweise kontaminierten Gegenstände müssen gründlich gereinigt und desinfiziert werden. „Besondere Vorsicht ist mit Dingen geboten, die direkten Schweißkontakt hatten. Dazu gehören Stiefel, Lappen, Wildwannen, Messer und Kleidungsstücke“, erklärt Dr. Blome vom FLI. In Rohfleischprodukten bleibe das Virus noch lange Zeit aktiv und könne eine mögliche Übertragungsquelle sein. Dr. Blome hält es für sinnvoll, auf das Mitbringen von Wildbret und Wildprodukten aus Osteuropa lieber ganz zu verzichten. „Vollständig behandelte Jagdtrophäen sind hingegen unbedenklich.“

Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest

Eine aktuelle Karte des FLI zeigt die Verbreitung des ASP-Virus. Quelle: fli.de

Wie könnte der ASP-Erreger nach Deutschland gelangen?

Ursprünglich war die Schweinepest in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara verbreitet. Von dort aus wurde die Seuche nach Georgien eingeschleppt. Im Juni 2007 wurden dort die ersten Fälle bekannt. Vermutlich löste die illegale Entsorgung von kontaminierten Speiseabfällen den Ausbruch des Virus aus. Seither trat das Virus in den Nachbarländern Russland, Armenien und Aserbaidschan auf. Seit 2012 hat sich die ASP auch in der Ukraine, nach Weißrussland und in den EU-Staaten Litauen, Polen, Lettland, Estland, Tschechien und Rumänien verbreitet.

Das Virus wird direkt von Tier zu Tier übertragen, kann allerdings auch mit Schlachtabfällen oder Fleischwaren eingeschleppt werden. Bereits ein unachtsam auf einer Raststätte entsorgtes kontaminiertes Wurstbrot stelle ein hohes Übertragungsrisiko dar, warnt das Friedrich-Loeffler-Institut. Da das Virus relativ widerstandsfähig ist, sind viele Szenarien denkbar, wie es hierher eingeschleppt werden könnte: Von Fleischresten über Gummistiefel bis hin zu anderen Wildtieren.

Reisende und Fleischtransporteure sind dazu aufgerufen, sich besonders vorsichtig und verantwortungsvoll zu verhalten. Im August 2017 hat das Bundesumweltministerium eine Aufklärungskampagne gestartet und Autobahnraststätten in 13 Bundesländern mit mehrsprachigen Warnplakaten ausgestattet.

Für den Fall des Ausbruchs hatten tschechische Politiker dem Umweltministerium zugesichert, ASP-Experten nach Deutschland zu entsenden und die deutschen Behörden mit ihren Erfahrungen zu unterstützen.

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