ASP und Abschussprämie: Rechnet sich das?

Mecklenburg-Vorpommerns Jäger erhalten ab dem 1. Dezember 25 Euro für jedes erlegte Wildschwein.

Wildschwein

Jäger in Mecklenburg-Vorpommern erhalten bis zum 31. März 2019 für jedes erlegte Wildschwein auf Antrag eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 25 Euro. Die Zahlung ist Bestandteil des Sofortprogramms zur Reduzierung der Schwarzwildbestände, das Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus kürzlich auf den Weg gebracht hatte (wir berichteten). Zwei Jagd-Blogger haben rund um die Prämie interessante Rechenbeispiele angestellt.

Hintergrund für die ab dem 1. Dezember geltende Vorschrift ist die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Haus- und Wildschweinbeständen in mehreren EU-Mitgliedsstaaten, zuletzt in den Nachbarländern Polen und Tschechien. Darüber hinaus sieht die neue Vorschrift laut einer Pressemitteilung vor, bei revierübergreifenden Drückjagden den beteiligten Jagdhundeführern ebenfalls eine Aufwandsentschädigung in Höhe von jeweils 25 Euro für jeden eingesetzten Jagdhund zu gewähren. „Schließlich ist der Einsatz ausgebildeter Jagdhunde nicht selbstverständlich, aber die revierübergreifende Zusammenarbeit in dieser Situation unverzichtbar“, sagte Backhaus. Der Minister richtete einen ausdrücklichen Dank an die Jägerschaft: „Sie sind es, die sich bei Wind und Wetter für den Jagderfolg einsetzen.“

„In Anbetracht dessen, dass wir Jäger jetzt DAS Mittel zur Bekämpfung der ASP sein sollen, fühlen wir uns dabei doch etwas ausgenutzt“

„Hunter Brothers“

In einem aktuellen Beitrag des Blogs „Hunter Brothers“ erläutern zwei Jäger allerdings ausführlich, dass die ausgelobte Abschussprämie in Wirklichkeit wenig lohnenswert sei. Sie rechnen vor, dass selbst 25 Euro Prämie die „so bitter nötige Saujagd“ nicht reizvoller machen könnten – angesichts der Kosten, die für die Fahrt ins Revier entstehen, angesichts der geringen Erlöse, die das Fleisch beim Wildhändler erbringt, und angesichts des zeitlichen Aufwandes, der erforderlich ist, um überhaupt eine einzige Sau zu erlegen. Wobei die beiden Jäger-Brüder klarstellen, dass ihnen die Jagd Freude mache und natürlich keine „reine Einkommensquelle“ sei – „aber in Anbetracht dessen, dass wir Jäger jetzt DAS Mittel zur Bekämpfung der ASP sein sollen, fühlen wir uns dabei doch etwas ausgenutzt“.

Ihrem Landwirtschaftsminister geben die „Hunter Brothers“ gute Ratschläge. So regen sie unter anderem an, die Kosten für Trichinenuntersuchungen aufzuheben. Vor allem aber fordern sie von Backhaus: „Unterstützen Sie die heimischen Wildhändler, dass jene endlich wieder humane Preise an diejenigen zahlen können, die sich die Nächte um die Ohren schlagen, nerven- und zeitkostende Drückjagden organisieren, für Wildschäden zahlen, und alles in ihrer Macht Stehende tun werden, um dieser entsetzlichen Seuche entgegenzustehen.“

Hier lesen Sie mehr zum Thema:
ASP: Was Jäger jetzt beachten müssen
ASP im Fokus (I): Die Jäger und die Seuche
ASP im Fokus (II): Das schafft keine Sau
ASP im Fokus (III): Das Schwarzwild, die Seuche und die Politik
ASP im Fokus (IV): Die Seuche lässt kaum Überlebenschancen
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