Einmal Landidylle ohne Landleben, bitte!

In nordrhein-westfalen sorgen Kühe für einen Nachbarschaftsstreit. Eine Familie fühlt sich durch die Tiere gestört. Neben dem Geruch und der Geräuschkulisse würden diese mehr Fliegen und Bremsen im eigenen Garten bedeuten.

Kuh mit Kalb

Symbolbild: Alois Grundner

Das Grundstück des Ehepaares Müller-Schulze* liegt unmittelbar an einer landwirtschaftlich genutzten Wiese. Ursprünglich wurde diese für die Produktion von Heu genutzt. Seit wenigen Wochen hält Landwirt Andreas Kersting Kühe auf der Weide – sehr zum Missfallen seiner Nachbarn. „Die Kühe bläken den ganzen Tag, die Kuhfladen stinken und überdies haben wir auch mehr Fliegen und Bremsen in unserem Garten“, sagte Karen Müller-Schulze gegenüber der Münsterland Zeitung. Sorgen bereiten ihr insbesondere die Bremsen. „Für gesunde Menschen ist das vielleicht ungefährlich. Mein Mann und ich bekommen aber Zytostatika verabreicht. Jetzt haben wir Angst, dass es zu Komplikationen kommen kann, wenn die Fliegen erst auf den Kuhfladen und anschließend auf unserem Apfelkuchen sitzen“, erklärte Müller-Schulze dem Bericht zufolge. „Mein Mann wurde von einer Bremse gestochen. Aufgrund seiner starken Sehbehinderung kann er sie nicht sehen. Er hatte danach eine starke Infektion, die danach im Körper eine weitere Infektion ausgelöst hat und er zwei Wochen im Krankenhaus intensiv behandelt werden musste", machte sie gegenüber Outfox-World das wirkliche Ausmaß bewusst. Jeder weitere Stich könnte für ihn sehr gefährlich werden.

Sie wandte sich mit ihrem Anliegen zunächst an die Stadt Ahaus, dort wurde sie aber an die Katholische Kirche als Pächter verwiesen. Hier legte sie in einem Schreiben zahlreiche Vorwürfe vor. Zum einen bezeichnete sie es als befremdlich, dass der Landwirt als Vorstandsmitglied der Kirche einen Pachtvertrag mit der Gemeinde abschließen könne. Weiterhin stellte sie es sogar infrage, ob das Weidegras und das Grundwasser nicht belastet seien. „Ich frage mich, woher die Tiere ihr Wasser bekommen. Ich möchte die Milch ehrlich gesagt nicht trinken“, heißt es dem Bericht zufolge wörtlich im Brief. Bevor es zu einem persönlichen Gespräch mit dem Landwirt kommen konnte, wurde der Vorfall durch die Presse öffentlich. „Ich wurde von der MZ angesprochen, war in einem Moment der Verzweiflung und als alles zusammenkam dazu bereit, es öffentlich zu machen", erklärte sie Ihr Vorgehen gegenüber Outfox-World.

Zu den Vorwürfen des Pachtvertrags entgegnet Heinz Gewering, Leiter der zuständigen Zentralrendantur Ahaus-Vreden: „Es kann ja nicht sein, dass ein langjähriger Kirchenvorstand durch sein Engagement einen Nachteil hat und ein solches Grundstück per se nicht pachten kann. Und natürlich hat sich Andreas Kersting bei den Abstimmungen zu diesen Verträgen enthalten. Das ist doch selbstverständlich.“ Ebenso haltlos seien die Vorwürfe, die das Grundwasser betreffen. Dieses wird schließlich regelmäßig geprüft. „Das Wasserwerk bestätigt, dass es sich hier um einwandfreie Qualität handelt. Ich finde es eine Frechheit, solche Vorwürfe in die Welt zu setzen“, sagte der betroffene Landwirt Andreas Kersting. Das Gemeindebild sei überdies seit jeher landwirtschaftlich geprägt. „Kühe gehören seit Jahrhunderten zum Dorfbild. Und plötzlich soll das alles schlecht sein? Ich kann das nicht verstehen“, erklärte Kersting.

Auch dazu bekennt Müller-Schulze Stellung: „Wir haben hier alles barrierefrei eingerichtet. Für den Landwirt gäbe es reichlich Alternativen. Er wohnt außerhalb und könnte die Tiere auch zu sich nehmen. Wir hätten nur die Alternative, alles, was wir uns aufgebaut haben, zu verlassen.

*Der Name wurde von der Redaktion geändert.

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