EU-Kommission strebt einheitliches Verbot bleihaltiger Munition an

Die Europäische Union sucht nach neuen Wegen, den legalen Waffenbesitz weiter einzuschränken. Diesmal wird weniger ein Verbot konkreter Waffenmodelle angestrebt, sondern vielmehr soll die Munitionsvielfalt massiv beschnitten werden.

.357 Magnum mit Teilmantelgeschoss

Foto: Steve Buissinne

Die EU-Kommission möchte den Bleianteil in Schrotmunition auf maximal ein Prozent festlegen. Dies kommt einem vollständigen und europaweiten Verbot der bisher auch bleihaltigen Jagd- und Sportmunition gleich. Aktuell befindet sich das Verfahren im Status der „Öffentlichen Konsultation“, wie gunsweek.com berichtet. Alle Vertreter der betroffenen Interessensgruppen sind dabei aufgerufen, Stellungnahmen zu Inhalten der angestrebten Richtlinie abzugeben.

In einer Studie der European Chemicals Agency (ECHA) im Auftrag der Europäischen Kommission werden die Vorbehalte gegenüber bleihaltiger Munition vor allem mit dem Schutz von Mensch und Umwelt begründet. Bleischrote werden insbesondere bei der Jagd auf Federwild in der Nähe von Gewässern eingesetzt. Die ECHA befürchtet dadurch zum einen die schleichende Kontamination des Grundwassers, zum anderen akute Vergiftungen bei Wildtieren. Dementsprechend soll die Bleimunition in oder an Gewässern („Wetlands“) nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Die Definition der Gewässerflächen ist dabei allerdings sehr unkonkret. Je nach Lesart wären beispielsweise knapp 25 Prozent der Landesfläche Schwedens auf einmal solche „Wetlands“.

Eine Richtlinie, die aufgrund einer solchen Beurteilung beschlossen würde, hätte ebenso enorme Auswirkungen auf alle anderen Munitionsarten. Mit derselben Argumentation ließen sich auch weitere bleihaltige Geschosse verbieten. Weitreichende Konsequenzen wären nicht nur steigende Munitionspreise, sondern auch die Unbrauchbarkeit bestimmter Waffen, sofern sie mit den Alternativmaterialien nicht harmonieren. Auch das Sportschießen ist dadurch akut gefährdet, da die meiste Trainings- und Wettkampfmunition nach wie vor Blei enthält.

Bereits im Frühling dieses Jahres beschloss das EU-Parlament eine neue Feuerwaffenrichtlinie (wir berichteten). Zuvor gab es scharfe Proteste von Jägern, Sportschützen und Waffensammlern, die sich zu Unrecht kriminalisiert sehen (wir berichteten). Für legale Waffenbesitzer in Deutschland hat die neue Richtlinie allerdings kaum konkrete Auswirkungen, da in der Bundesrepublik ohnehin eines der weltweit strengsten Waffengesetze gilt (wir berichteten).

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