Frankfurts Stadtwald braucht keinen Wildschwein-Zaun

Gutachten bescheinigt die Wirksamkeit bisher ergriffener Maßnahmen gegen die hohe Schwarzwild-Population im Stadtgebiet.

Wildschwein

Symbolbild: Benedikt Füchter

In Frankfurt am Main ist das Auftreten von Wildschweinen in den waldnahen Stadtteilen Schwanheim und Goldstein schon seit Jahren nichts Ungewöhnliches mehr. Die hessische Metropole hat jetzt durch ein Gutachten prüfen lassen, ob bisher ergriffene Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Schwarzwilds wirkungsvoll sind und ob der Bau größerer Zäune entlang des Waldes die Bewohner der beiden besonders betroffenen Stadtteile besser vor Wildschwein-Besuchen schützen könnte.

Die Studie, die am Mittwoch bei einer Pressekonferenz vorgestellt wurde, kommt zu einem eindeutigen Urteil: Die gezielte Bejagung der Tiere im Stadtgebiet, intensive Jagden im Wald sowie der Mangel an „attraktiven Futterquellen“ wie etwa offenen Komposthaufen sind maßgeblich verantwortlich dafür, dass sich die „Konfliktsituation“ zwischen Schwarzwild und Stadtteilbewohnern mittlerweile entspannt hat. „Die waldnahen Gärten der Privatwohngrundstücke in Schwanheim und Goldstein sind inzwischen alle stabil und bodennah gezäunt, sodass Wildschweine in die Gärten nicht eindringen können“, heißt es im Gutachten. Entscheidend sei weiterhin, dass einhergehend mit der verstärkten Bejagung alle möglichen Futterquellen im Stadtgebiet für Wildschweine verschlossen bleiben. „Das heißt, dass alle aktiven Fütterungen durch Privatpersonen eingestellt werden, anderenfalls mit Bußgeld geahndet werden, alle Komposthaufen verschlossen sind, alle Gärten und Schrebergärten mit Fallobst wildschweinsicher eingezäunt sind und alle Mülleimer verschlossen sind.“

Den angedachten Bau von Zäunen entlang des Frankfurter Stadtwalds lehnen die Gutachter vom Gonterskirchener Institut für Tierökologie und Naturbildung klar ab. Sie halten eine Einzäunung hinsichtlich der vorherrschenden Probleme aus wildbiologischer Sicht für „überdimensioniert“ und zudem schlicht für zu teuer. Erforderlich wären nicht nur Tausende Meter an Zauneinrichtungen, diese müssten zudem mit Fußgängertoren und mit Torzufahrten für Waldfahrzeuge versehen werden und trotzdem „dichthalten“. Die Stadt Baden-Baden hat den Gutachtern zufolge versucht, innerstädtische Grünanlagen durch einen rund zwei Kilometer langen Zaun zu schützen – ohne Erfolg: „Der Zaun wurde von Wildschweinen umgangen, das Problem konnte auf diesem Wege nicht gelöst werden.“ Zudem wiesen die Experten darauf hin, dass eine weitgehend abgeriegelte Stadt auch die Gefahr bergen würde, dass für Wildschweine, die über eine Lücke einwechseln und dann unerwartet gestört werden, kein alternativer Fluchtweg bestünde. Nicht kalkulierbare Panikreaktionen, bei denen die Tiere weiter in besiedelte Gebiete vordringen, könnten die Folge sein.

Um Effizienz und Sicherheit der nächtlichen Jagd auf Wildschweine im Frankfurter Stadtrandgebiet zu steigern, sollte den Gutachtern zufolge der Einsatz von Nachtaufhellern geprüft werden. Ähnlich wie bereits in Berlin wären auch in Frankfurt am Main – eine Genehmigung vorausgesetzt – Bildwandler und Restlichtverstärker, Wärmebildgeräte und Taschenlampen einsetzbar.

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