Gericht: Hühner dürfen weiter gackern

Eine Frau aus dem rheinland-pfälzischen Donnersbergkreis muss es erdulden, dass ihr Nachbar hobbymäßig Hühner hält.

Hühner

Symbolbild: PublicDomainPictures

Wer auf einem Dorf wohnt, muss es hinnehmen, wenn der Nachbar sich ein paar Hühner hält. Eine Frau aus dem rheinland-pfälzischen Donnersbergkreis hat jetzt vor Gericht den Kürzeren gezogen. 
Das Verwaltungsgericht Neustadt/Weinstraße entschied, dass die Klägerin sowohl die Gerüche als auch das Gegacker des Federviehs zu ertragen habe. In einer dörflichen Gegend müsse die Haltung einiger Hühner „grundsätzlich als ortstypisch hingenommen werden“.

Laut einer Pressemitteilung des Gerichts wollte die Frau aus der 125-Einwohner-Gemeinde Sitters erreichen, dass die Baugenehmigung für den Hühnerstall auf ihrem Nachbargrundstück aufgehoben wird. Der Donnersbergkreis hatte die Errichtung im November 2016 gestattet und die Tierhaltung auf zehn Hühner und einen Hahn beschränkt. Aus Sicht der Klägerin verstieß diese Baugenehmigung jedoch gegen das „bauplanungsrechtliche Gebot der Rücksichtnahme“, weil es auf ihrem Grundstück zu unzumutbaren Geruchs- und Lärmimmissionen komme. „Der Hahn krähe mehrmals des Nachts und störe so die Nachtruhe“, heißt es in der Pressemitteilung. Außerdem verursachten die Hühner „ein langanhaltendes, sehr lautes Gackern“.

Die Richter wiesen darauf hin, dass in der Gemeinde zahlreiche Grundstücke nicht nur mit Wohngebäuden, sondern auch mit landwirtschaftlichen Nebengebäuden bebaut seien. Ein derartig dörfliches Gebiet diene gerade auch der Unterbringung von Tierhaltungsanlagen. Die genehmigte Haltung von zehn Hühnern und einem Hahn müsse daher grundsätzlich als ortstypisch hingenommen werden. Dabei sei unerheblich, ob es sich dabei um landwirtschaftliche oder hobbymäßige Tierhaltung handele. In Baugebieten mit dörflichem Charakter seien auch gewisse Geruchs- und Lärmbelästigungen durch Hobbytierhaltung in Kauf zu nehmen. 

Gegen das Urteil kann Berufung beim Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz beantragt werden. Weil er die ländliche Idylle mitsamt Kuhglocken und Kuhmist nicht ertragen wollte, zog vor einigen Monaten auch ein Mann aus Oberbayern vor Gericht (wir berichteten).

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!