Grüne stellen Haustierabschuss und Fallenjagd infrage

Ein „Fachgespräch“ der grünen Landtagsfraktion sorgt beim hessischen Landesjagdverband für Unverständnis und Kritik.

Wippbetonrohrfalle

Foto: Stöveken/LJV Hessen

Im schwarz-grün regierten Hessen bahnt sich womöglich ein Streit über das geltende Jagdgesetz an. In einem „Fachgespräch“ warf die grüne Landtagsfraktion jetzt die Frage auf: „Passen Haustierabschuss und Fallenjagd noch in unsere Zeit?“ Der Landesjagdverband und ein Jagdexperte der CDU-Fraktion machten umgehend klar, wie sie diese Frage beantworten würden.

Das „Fachgespräch“ habe sich um die Frage gedreht, „ob die Regelung zum Abschuss von Hunden und Katzen im hessischen Jagdgesetz und die Jagd mit Fallen noch zeitgemäß ist“, sagte Ursula Hammann, grüne Fraktionssprecherin für Natur- und Tierschutz. So sei beispielsweise fraglich, wie groß der Einfluss wildernder Hunde und Katzen auf den Wildbestand sei.

„Ein Thema ist auch die mögliche Gefahr, die vom Haustierabschuss für Wildkatze und Wolf ausgeht“, erklärte Hammann weiter. „Möglicherweise könnte durch alternative Maßnahmen wie die Kastration wildlebender Katzen, akustische Warnhinweise und die intensive Aufklärung der Tierhalter die Menge streunender Tiere reduziert werden, ohne dass ein Abschuss notwendig wird.“ Hammann wies darauf hin, dass im schwarz-grünen Koalitionsvertrag vereinbart worden sei, „die Regelungen zur Tötung wildernder Hunde und Katzen einer wissenschaftlichen Bewertung (zu) unterziehen und gegebenenfalls (zu) ändern.“

Auch die Regelungen zur Fallenjagd sollten aus Sicht der Grünen auf den Prüfstand gestellt werden. „Durch Fallen können immer auch Haustiere wie Katzen, kleine Hunde oder auch geschützte Wildtierarten verletzt oder getötet werden“, sagte Fachfrau Hammann. „Angesichts eines Wildtiermanagements, das sich insbesondere an der Reduzierung von Schalenwild und Schwarzwild ausrichtet, besteht die Frage, ob die Fallenjagd wirklich zielführend ist.“

An dem grünen „Fachgespräch“ beteiligten sich laut einer Pressemitteilung unter anderem „Fachexperten“ des BUND, des Nabu, der Organisation Tasso e.V. und des Ökologischen Jagdverbands. Der hessische Landesjagdverband (LJV), der offenkundig keinen „Fachexperten“ entsenden durfte, reagierte umgehend auf den Vorstoß der Grünen. Was bei der Veranstaltung diskutiert worden sei, stehe „dem Artenschutz von wildlebenden Tieren diametral entgegen“, schrieb der LJV in einer Pressemitteilung. So sei die Fangjagd für den Artenschutz wichtiger denn je. „Die Diskussion wurde leider sehr emotional und nicht wissensbasiert geführt“, betonte LJV-Geschäftsführer Alexander Michel. 

„Bodenbrütende Arten, aber auch Säugetiere wie Feldhamster, Kaninchen und Junghasen benötigen den Schutz der Jägerinnen und Jäger, um überhaupt überleben zu können“

Landesjagdverband Hessen

Der Artenschutz sei bei der Veranstaltung auf Wolf, Wildkatze und einige wenige Schutzgebiete reduziert worden. „Dabei benötigen bodenbrütende Arten, aber auch Säugetiere wie Feldhamster, Kaninchen und Junghasen den Schutz der Jägerinnen und Jäger, um überhaupt überleben zu können“, hob der LJV hervor. Der Klimawandel oder veränderte Bedingungen in der heutigen Landwirtschaft ließen sich nicht kurzfristig beeinflussen. Neben Lebensraumverbesserungen sei die Bejagung der natürlichen Fressfeinde daher die wichtigste Stellschraube zum Schutz bedrohter Arten.

Moderne und international zertifizierte Fallensysteme garantieren dem LJV zufolge einen sicheren und tierschutzgerechten Fang zum Beispiel von Füchsen, Waschbären und Steinmardern. Verschiedene Studien hätten den eindeutigen Nachweis geliefert, dass ein wirkungsvoller Artenschutz ohne die Fangjagd nicht möglich sei. Nicht zuletzt deshalb wurde jüngst in Nordrhein-Westfalen die Fuchsjagd am Kunstbau wieder flächendeckend ermöglicht (wir berichteten).

Der Landesjagdverband wies außerdem darauf hin, dass die bisherige gesetzliche Regelung ausdrücklich vorsehe, dass der Schuss auf verwilderte Hauskatzen das letzte Mittel sei, um eine Gefahr für wildlebende Tiere abzuwenden. Erst wenn alle anderen Maßnahmen wie beispielweise das Einfangen oder die Meldung beim Ordnungsamt erfolglos blieben, wäre der Abschuss zur Abwendung weiterer Schäden nach den gesetzlichen Bestimmungen erlaubt.

Laut der Pressemitteilung sprach sich auch der Jagdexperte der CDU-Landtagsfraktion, Dr. Walter Arnold, deutlich für die Beibehaltung des „bewährten hessischen Jagdgesetzes“ aus.

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