In Deutschland verschwinden die Insekten

Neue Studie stellt einen dramatischen Rückgang der Gesamtmasse an Insekten in den vergangenen 27 Jahren fest.

Rotfleck-Widderchen

In Deutschland sterben die Insekten – und zwar in einem dramatischen Ausmaß. Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden haben jetzt in einer Studie veröffentlicht, dass die Gesamtmasse der Zahl an fliegenden Insekten seit 1989 um mehr als 75 Prozent abgenommen hat.

Wie welt.de berichtete, werteten die Forscher 1503 Proben aus Insektenfallen aus, die 27 Jahre lang in 63 Schutzgebieten mit unterschiedlichem Status platziert worden waren. Diese Gebiete erstreckten sich über Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg. In den Fallen wurden – um einen Querschnitt über die Gesamtmenge zu erhalten – alle Insekten gefangen, die in rund einem Meter Höhe vorbeiflogen.

Dem Bericht zufolge konnte der an der Studie beteiligte niederländische Ökologe Caspar Hallmann die dramatischen Resultate zunächst selbst fast kaum glauben: Während der 27 Jahre der Untersuchung nahm die jährlich festgestellte Gesamtmasse an Insekten um 76 Prozent ab. Welche Insekten dabei am stärksten betroffen waren, stellten die Forscher allerdings nicht fest, sie beschäftigten sich lediglich mit der Menge insgesamt.

Hallmanns Forscher-Kollege Hans de Kroon bezeichnete es laut dem Bericht als „eigentlich erstaunlich, dass die Folgen dieses Verlusts bisher nicht größer ausgefallen sind“ – schließlich spielten Insekten eine immense Bedeutung für die Bestäubung von Wildpflanzen. Zudem wies de Kroon auf den Zusammenhang mit der sinkenden Zahl an Vögel hin. Was letztlich die Ursachen für den Insektenschwund sind, ist den Forschern „leider“ selbst nicht klar. Bei den Analysen von Wetterdaten, veränderter Landnutzung und Pflanzenvielfalt in den untersuchten Gebieten fand sich der Studie zufolge jedenfalls kein eindeutiges Muster, das Gründe liefern könnte.

Auch die Intensivierung der Landwirtschaft könnte den Forschern zufolge eine Rolle spielen. Da fast alle Standorte ihrer Fallen von landwirtschaftlichen Flächen umgeben waren, wäre es denkbar, dass Rückstände von Pestiziden oder Düngemitteln bis in die Schutzgebiete gelangten. Außerdem sei der Mangel an Feldrändern, Hecken und Gehölzen ein möglicher Faktor.

Zur Vermutung, die intensivierte Landwirtschaft könne für den Schwund mit verantwortlich sein, gab Bernhard Krüsken, der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, eine Stellungnahme ab: „In Anbetracht der Tatsache, dass die Erfassung der Insekten ausschließlich in Schutzgebieten stattfand, verbieten sich voreilige Schlüsse in Richtung Landwirtschaft“, sagte er laut spiegel.de. Die neue Studie betone ausdrücklich, dass es noch dringenden Forschungsbedarf zu Umfang und Ursachen des Insektenrückgangs gebe.

Warum Schuldzuweisungen in Richtung Landwirtschaft zu kurz greifen und wir uns alle an die eigene Nase packen sollten, lesen Sie in unserem Kommentar zur aktuellen Berichterstattung: Nachhilfe in Artenschutz!

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