Jägerschaft geht mit Leitbild an die Öffentlichkeit

Die Ziele und Hintergründe der Jagd sind Nicht-Jägern oft unklar. Zum Höhepunkt der Jagdsaison wollen die Jäger der Kreisgruppe Berchtesgadener Land (Bayern) daher aufklären. Hierzu haben sie sich ein klares Leitbild gegeben.

Hochsitz

Foto: truk

Statt die Kommunikation über die Jagd den Jagdgegnern zu überlassen, ergreifen die Jäger der Kreisgruppe Berchtesgaden (Bayern) selbst die Initiative: „Jäger sind eben keine ‚Lustmörder’ – sie haben klare ökologische und gesellschaftliche Ziele, die den meisten nur nicht bewusst sind“, teilten die Jäger der Passauer Neuen Presse mit. Ihr Leitbild, das sich an dem des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) orientiert, stellten sie nun detailliert der Öffentlichkeit vor.

Der Herbst ist traditionell die Hauptsaison der Jagd. Vor allem Bewegungsjagden stehen aktuell auf dem Programm. Wer viel draußen unterwegs ist, begegnet daher besonders oft den Warnschildern der Jäger im Wald oder am Straßenrand. Was genau die Jäger dort machen und warum die Jagd überhaupt notwendig ist, ist vielen Menschen jedoch unklar – diesem Unwissen setzen die Berchtesgadener Jäger ihr klares Leitbild entgegen.

Besonders wichtig sei nach diesem Leitbild eine ausgewogene Kulturlandschaft. Was viele nicht wissen: Unberührte „Natur“ ist in Deutschland nur noch schwer zu finden. „Fast jeder Wald und jede Fläche dienen einem Nutzen, sie sind kultiviert. Und hier beginnen die Probleme“, erklären die Waidmänner. Besonders am Beispiel des Schwarzwildes erkenne man, dass häufig ein Ungleichgewicht zwischen landwirtschaftlichen Nutzflächen und Wild besteht. „Zum Glück hat die Jägerschaft dieses Problem in unserer Region im Griff.“

Etwas schwieriger stellen sich die Schäden durch das Rehwild dar, die der Laie nicht so deutlich wahrnehme. Der starke Rehbestand in der Region sorge dafür, dass viele Jungbäume verbissen werden und die Bodenflächen in den Wäldern regelrecht kahl gefressen sind. Über die Zahl der zu erlegenden Tiere verständigen sich die Jäger mit dem Forstamt. Allerdings wollen sie auch eine möglichst nachhaltige Bejagung gewährleisten. Statt „Wald vor Wild“, wie einst von Ministerpräsident Stoiber gefordert, heißt das Ziel der Jäger „Wald mit Wild“. Jagd und Forst wollen gemeinsam gesunde Wälder mit gesunden, angemessenen Wildbeständen schaffen.

Ein weiterer Punkt, der in der Öffentlichkeit oft auf Unverständnis und Empörung stößt, ist die Fuchsjagd. „Viele Laien verstehen den Sinn dahinter nicht“, räumen die Waidmänner ein. Tollwut sei heute eher kein Problem mehr. Doch die Jäger klären auf: Erkrankungen wie Räude, Staupe und Fuchsbandwurm, die für Haushunde und sogar für den Menschen gefährlich werden können, sind häufig die Folge einer hohen Bestandsdichte. Weil der Fuchs keine natürlichen Feinde hat, greift der Mensch hier ein – auch zum Schutz des Niederwilds (wir berichteten).

Mit dem Leitbild des BJV geht neben der Orientierung an Natur- und Artenschutz sowie dem ausschließlich tierschutzgerechten Töten von Wildtieren auch ein ständiges Weiterbilden einher. Die Waidleute verpflichten sich selbst, ihr Jagdrecht möglichst zurückhaltend auszuüben und auch Verantwortung für nicht jagdbare Tierarten und deren Lebensräume zu übernehmen.

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