Landnutzer setzen mit offenem Brief ein starkes Zeichen

Hochsitz im Sonnenuntergang

Wie angekündigt, hat ein Zusammenschluss von 16 Verbänden und Vereinen in Sachsen-Anhalt einen offenen Brief an die Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten der CDU verschickt. In diesem wird klargestellt, dass „die Überlassung des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt an Bündnis 90/Die Grünen auf größte Sorge“ stößt. Die Verfasser befürchten, dass durch eine grüne Umweltministerin ähnliche Probleme entstehen wie in Schleswig-Holstein, NRW, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen. Dort regiere das Diktat statt Kooperation und statt Sachkenntnis die Ideologie, heißt es in dem Brief. 

Die Unterzeichner, zu denen auch der Landesjagdverband Sachsen-Anhalt gehört, appellieren noch einmal mit Nachdruck an die CDU-Kreisvorsitzenden und die CDU-Fraktion im Landtag, die Verantwortung für die Legislaturperiode in Sachsen-Anhalt zu übernehmen und das zentrale Ministerium für den ländlichen Raum entsprechend des Wählerwillens in bewährte Hände zu geben.

Bei den Koalitionsverhandlungen in Sachsen-Anhalt hatten sich CDU, SPD und Grüne darauf geeinigt, dass Grünen-Fraktionschefin Claudia Dalbert neue Landesumweltministerin werden soll. Am Wochenende stimmen die Parteitage über den Koalitionsvertrag ab.

Und hier der komplette offene Brief „zur Zukunft des ländlichen Raums in Sachsen-Anhalt“

Sehr geehrte Vorsitzende der CDU-Kreisverbände,
sehr geehrte Mitglieder der CDU-Fraktion des Landtages von Sachsen-Anhalt, 

bei der Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt zeichnet sich eine Überlassung des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt an Bündnis 90/Die Grünen ab. Dies stößt in unseren Verbänden auf größte Sorge. Für diejenigen, die von Land- und Forstwirtschaft geringe Kenntnisse haben und daher auch Agrarpolitik eher für eine politische Randerscheinung halten, mag dies übertrieben scheinen. Doch genügt es , die Politik in den grün geführten Umwelt- und Agrarressorts anderer Bundesländer oberflächlich zu verfolgen, um zu erkennen, dass nun begründete Sorge um die Zukunftsfähigkeit der für den ländlichen Raum prägenden Branchen besteht. Dialog auf Augenhöhe mit Land- und Forstwirten kennen die Grünen in Schleswig-Holstein, NRW, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen nicht. Statt Kooperation regiert dort das Diktat, statt Sachkenntnis die Ideologie.

In der Zuordnung der Ministerien appellieren wir eine Änderung herbeizuführen. Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt muss in Gänze in die Hände einer auch wirtschaftskompetenten Partei gelegt werden.

Die am 13. April auf dem Domplatz in Magdeburg öffentlich vorgetragenen Widerstände verfestigen sich nach den letzten Nachrichten. Bündnis 90/Die Grünen werben offen für eine ideologische Agrarwende und stellen damit die erfolgreiche Entwicklung unseres ländlichen Raums in Abrede.

Es ist unbestritten, dass es Einzelfälle in der Urproduktion geben kann, die Anlass zu Diskussionen geben. Ebenso unbestritten ist, dass sich alle Wirtschaftszweige, die mit Naturgütern umgehen, auch an ökologische Standards und dem Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren müssen. Doch sind Land- und Forstwirtschaft in Deutschland im internationalen Vergleich gerade in diesem Punkt federführend. Ob es die Preisfindung des Handels und der Verbraucher in Deutschland immer ist, seidahingestellt. Die in diesem Bereich meist ideologisch motivierten Forderungen der Grünen, die auf eine idealisierte „schöne Welt“ hinzielen und eine sachliche Analyse ebenso wie wirtschaftliche Erwägungen weitgehen ausblenden, werden zu einer Schwächung der ländlichen Räume und zur Auflösung der dort gelebten Werte führen. Es erscheint uns ausgeschlossen, dass dies für Sachsen-Anhalt, das stark von seinen ländlichen Räumen geprägt ist und das von einer stabilen Situation der Land- und Forstwirtschaft abhängt, gut sein kann.

Faktisch erlangt damit zudem die Partei mit dem geringsten Vertrauenszuspruch im ländlichen Raum die Kontrolle über die Perspektiven desselben. Diese Entscheidung auf Landesebene wird bundesweite Tragweite für die CDU haben. Aus Erfahrungen in anderen Bundesländern und den Entwicklungen in der Agrarministerkonferenz und Umweltministerkonferenz auf Bundesebene sehen wir die Zukunft der im ländlichen Raum wirtschaftenden und gestaltenden Aktiven in erheblicher Gefahr. Bislang konnte Sachsen-Anhalt maßgeblich zu einem ausgewogenen Kompromiss zwischen Interessen der Landnutzung und des Umweltschutzes beitragen.

Die unterzeichnenden Landnutzer stehen seit jeder für eine Weiterentwicklung der Nachhaltigkeit ihres Wirkens. Die Nutzung natürlicher Ressourcen geht grundsätzlich einher mit deren Schutz Für Sachsen-Anhalt hat die Wirtschaftskraft aus der Landnutzung erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung. Land. und Forstwirtschaft stellen in Einheit mit den vor- und nachgelagerten Bereichen den zweitstärksten Wirtschaftsfaktor Sachsen-Anhalts dar. Eine einseitige Verlagerung des Gleichgewichts der Nachhaltigkeit hin zur Ökologie zulasten der Ökonomie stellt jeden fünften Arbeitsplatz im Bundesland ohne Not infrage. Somit gilt es Strukturbrüche zu vermeiden, indem die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeit in einem konservativen Politikrahmen gestützt auf fachliche, wissenschaftliche Erkenntnisse fortgeführt wird.

Unter den jetzigen Vorzeichen sehen wir den Dialog auf Augenhöhe als gefährdet an. Aus der Erfahrung unserer Zusammenschlüsse in anderen Bundesländern befürchten wir, dass die schwerwiegenden Interessen der Landnutzerverbände künftig nicht mehr berücksichtigt werden und das Rückgrat des ländlichen Raums zum Experimentierfeld degradiert wird. Der Wählerwille im ländlichen Raum tendiert in eine Richtung, die Eigentum, Unternehmertum und Eigenverantwortung statt obrigkeitsstaatlicher Ansätze in den Vordergrund stellt.

Wir appellieren mit Nachdruck an Ihre Verantwortung für die Legislaturperiode in Sachsen-Anhalt, aber auch für die Bundesebene, das zentrale Ministerium für den ländlichen Raum entsprechend des Wählerwillens in bewährte Hände zu geben.

Mit freundlichen Grüßen

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!