Massenpetition gegen Naturschutz-Tierquälerei

Gründlich missglückte Experimente mit der reinen Lehre von der Natur, die sich selbst reguliert, gibt es nicht nur in Deutschland: In den Niederlanden läuft derzeit eine höchst erfolgreiche Internet-Petition gegen die Massen-Tierquälerei im Reservat Oostvaardersplassen.

Pferde in Oostvaardersplassen

Foto: EM Kintzel, I Van Stokkum, Oostvaardersplassen koniks, CC BY-SA 3.0

Als Mekka für Natur-Enthusiasten hat das „Naturentwicklungsgebiet“ in der Nähe der Stadt Almere schon länger ausgedient. Spätestens seit Fernsehreporter im Jahr 2010 enthüllten, dass im vermeintlichen Naturparadies die zur Landschaftspflege eingesetzten Rinder, Hirsche und Pferde jämmerlich verhungern und/oder klammheimlich abgeschossen und als Müll entsorgt werden.

Nach den entsetzlichen Fernsehbildern aus dem vermeintlichen Schutzgebiet forderten sogar reichlich Natur- und Tierschützer, die Wildbestände durch die Jagd zu regulieren. Einige Hardliner warten lieber noch auf die „Heimkehr“ der Wölfe, die es dann auch in Holland richten sollen. Das erinnert an die alljährliche, staatsfinanzierte Gänsevergasung in Holland zur Ruhigstellung der wegen enormer Flurschäden rebellierenden Landwirte.

Aber jetzt gibt es richtig Druck auf die niederländische Regierung: Die Online-Petition gegen die Naturschutz-Tierquälerei im trockengelegten Ijsselmeer haben in kürzester Zeit über 100.000 aufgebrachte Bürger unterschrieben. Titel: „Stop animal cruelty at Oostvaardersplassen nature reserve Netherlands“ Die Situation im Reservat sei „unvorstellbar in einer modernen, zivilisierten Gesellschaft“ und werde auch noch „von der Regierung unterstützt und legitimiert“.

Die Zahlen: Auf 56 eingezäunten Quadratkilometern sind rund 2200 große Pflanzenfresser eingepfercht. Rund 850 Hirsche, 1000 Pferde und 400 Heckrinder. Tierschützer (also keine Tierrechtler) berichten erschütternde Szenen vom Leid verhungernder Tiere und von der klammheimlichen Arbeit der Tötungskommandos. Die meisten Kadaver, heißt es, werden entsorgt; einige bleiben für Aasfresser liegen.

Parallelen zu Sielmanns Naturlandschaft in Brandenburg

Das erinnert an ähnliche Auswüchse in Deutschland: Etwa an die verhungernden Sauen aus Sielmanns Naturlandschaft im Brandenburgischen. Dort, in der Döberitzer Heide, mussten die Behörden sogar eine Zwangsbejagung anordnen, weil die abgekommenen Schweine aus dem Schutzgebiet über Felder und Gärten der benachbarten Siedlungen herfielen.

Ins Bild passt auch die Geschichte von den Heckrindern, die der Nabu vor mittlerweile zehn Jahren für ein „Artenschutzprojekt“ im niedersächsischen Landkreis Leer verhungern ließ. Der verantwortliche Nabu-Regionalgeschäftsführer wurde damals wegen Tierquälerei zu 3000 Euro Geldstrafe verurteilt und war auf seinem Posten nicht mehr zu halten.

In den Niederlanden will die Regierung unter dem Druck der Proteste zumindest die Hirsche im umstrittenen Reservat regulär bejagen lassen und das dabei anfallende Wildbret als wertvolles Lebensmittel vermarkten. Tierfreunde hatten nachgewiesen, dass zuvor drei Viertel der Tiere im „Schutzgebiet“ die Winter nicht überlebten. Und zumindest für die Pflanzen ist das Experiment unter Artenschutz-Gesichtspunkten eher ein Schuss in den Ofen: Die Vielfalt der Fauna ist dort deutlich geringer als sonst im Königreich.

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