Baden-Württemberg: Nachtzieltechnik erlaubt, mehr Kirrungen und keine Schonzeit

Seit dem 1. März gilt in Baden-Württemberg eine neue Verordnung, die Teile des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes ändert. Demnach können Jäger ab sofort Nachtsichtvorsatzgeräte beantragen, mehr Kirrungen anlegen und Schwarzwild ganzjährig bejagen.

Wildschwein im Feld

Foto: Ryszard Adamus

Mit Blick auf einen drohenden Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest hat Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk eine Verordnung auf den Weg gebracht, die wichtige Teile des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes für ein Jahr ändert. Die wohl schwerwiegendste Änderung betrifft den Einsatz von Technik, um Wildschweine auch in der Nacht effektiv bejagen zu können. Diesen Schritt hatte das Ministerium bereits im Dezember gegenüber Outfox-World angekündigt (wir berichteten). So heißt es jetzt in der Verordnung: „Zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest sowie zur Vermeidung erheblicher landwirtschaftlicher Schäden ist die Verwendung von künstlichen Lichtquellen sowie Nachtsichtvorsätzen und Nachtsichtaufsätzen für Zielhilfsmittel, zum Beispiel Zielfernrohre, die einen Bildwandler oder eine elektronische Verstärkung besitzen und für Schusswaffen bestimmt sind, beim Fangen und Erlegen von Schwarzwild vom Verbot des § 31 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a JWMG ausgenommen.“

Nicht jeder darf mit Nachtzieltechnik jagen

Der Einsatz von Nachtsichtvorsatzgeräten bei der Jagd ist mit der heute in Kraft getretenen Verordnung allerdings nicht grundsätzlich erlaubt. Jäger müssen einen Antrag stellen und dann von der unteren Jagdbehörde beauftragt werden. So heißt es in der Verordnung: „Im Verordnungsweg wird das sachliche Verbot des § 31 Absatz 1 Nummer 10 Buchstabe a JWMG in Bezug auf die Verwendung künstlicher Lichtquellen sowie Nachtsichtvorsätze und Nachtsichtaufsätze für Zielhilfsmittel (z.B. Zielfernrohre), die einen Bildwandler oder eine elektronische Verstärkung besitzen und für Schusswaffen bestimmt sind, beim Fang oder Erlegen von Schwarzwild eingeschränkt. Daneben bestehende Vorgaben des Waffenrechts bleiben unberührt. Bei Vorliegen der Voraussetzungen ist im Einzelfall eine Beauftragung im Sinne des § 40 Absatz 2 des Waffengesetzes (WaffG) durch die unteren Jagdbehörden möglich. Diese richtet sich auch nach den örtlichen Gegebenheiten und kann durch die untere Jagdbehörde befristet erteilt werden. Für die dauerhafte jagdliche Anwendung von Nachtsichtvorsätzen und -aufsätzen wäre mittelfristig eine Änderung des Waffengesetzes des Bundes erforderlich.“

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Mehr Kirrungen und keine Schonzeit für Schwarzwild

Um die Bejagung von Wildschweinen weiter zu vereinfachen, wird auch erlaubt mehr Kirrungen anzulegen. Die Beschränkung wird von zwei auf fünf angehoben. Des weiteren wird die Schonzeit für Schwarzwild in 2018 aufgehoben (wir berichteten).

Die Verordnung ist vorerst befristet und gilt bis Ende Februar 2019. Im Zuge der ASP-Prävention fallen in immer mehr Bundesländern bisher jagdliche Einschränkungen. Dies stößt nicht bei allen auf Zustimmung (wir berichteten). Vor allem der Einsatz von Nachtzieltechnik sorgt immer wieder für hitzige Diskussionen. Mehr dazu lesen Sie auch in folgenden Artikeln:

Moderne Technik bei der Jagd (I): Eine ewige Debatte
Moderne Technik bei der Jagd (II): Schalldämpfer
Moderne Technik bei der Jagd (III): Nachtsicht und Wärmebild
Moderne Technik bei der Jagd (IV): Drohnen - fliegende Jagdhelfer?!

Afrikanische Schweinepest: Alle Antworten im Überblick
ASP: Jäger erhalten Sonderurlaub
ASP: Was Jäger jetzt beachten müssen
ASP im Fokus (I): Die Jäger und die Seuche
ASP im Fokus (II): Das schafft keine Sau
ASP im Fokus (III): Das Schwarzwild, die Seuche und die Politik
ASP im Fokus (IV): Die Seuche lässt kaum Überlebenschancen
Afrikanische Schweinepest: Handeln auf allen Ebenen
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