Neue Petition gestartet: „Rotwild braucht Deine Hilfe“

Hegegemeinschaften aus Südsachsen sammeln Unterschriften für artgerechten Umgang mit dem Rotwild – es geht um einen langwierigen Streit mit Sachsenforst.

Rothirsch

Im „Wald vor Wild“-Streit, der im Erzgebirge bereits seit Langem schwelt, gehen vier Hegegemeinschaften zusammen den nächsten Schritt: Mit einer Online-Petition kämpfen die Jäger für einen artgerechten Umgang mit Rotwild und für eine stärkere Kontrolle des Staatsbetriebs Sachsenforst. Denn während die Förster ihre Wälder vor Verbissschäden geschützt wissen wollen, sorgt sich die Jägerschaft, dass zu viel Rotwild geschossen wird.

Wie die Freie Presse berichtet, hatte der Landtag in Dresden erst im November „nach längerer Prüfung“ eine Petition der Hegegemeinschaft Erzgebirge abgelehnt, die von rund 8000 Menschen unterschrieben worden war. Nach einer Befragung von Experten wollten die Landtagspolitiker seinerzeit keine Gefährdung des Rotwildbestandes erkennen. Nach diesem Rückschlag startete nun die Interessensgemeinschaft südsächsischer Hegegemeinschaften die neue Petition „Rotwild im Erzgebirge braucht Deine Hilfe“. Da diese „breiter angelegt“ sei, erhoffe er sich mehr Druck auf die Politik in Sachsen, sagte Initiator Karsten Bergner der Zeitung.

Mit der Petition wird unter anderem gefordert, dass Wild sich seinen Lebensraum selbst suchen darf und dass Wildtiermanagementpläne Grundlage jagdlichen Handelns sind. „Rotwild-Lebensräume sind großräumig zu vernetzen und eine Behinderung bei der natürlichen Wanderung ist zu unterlassen. Eine diesen Grundsätzen widersprechende Verwaltungsstruktur ist zu korrigieren“, heißt es im Petitionstext.

Gegenüber der Freien Presse kritisierte Initiator Karsten Bergner, dass die für die Kontrolle zuständige Obere Jagdbehörde zum Staatsbetrieb Sachsenforst gehört. „Der Staatsbetrieb kontrolliert sich quasi selbst“, sagte Bergner. Im Petitionstext lautet die Schlussfolgerung: „Stimmt die Behördenstruktur nicht, muss sie geändert werden.“ Die Struktur der Jagdbehörden in Sachsen sei daher so zu ändern, dass die Untere Jagdbehörde der Landkreise für alle Jagdbezirke zuständig ist. „Die Unteren Jagdbehörden haben bei Entscheidungen zur Wildbewirtschaftung Einvernehmen mit ihrem Jagdbeirat herzustellen“, heißt es weiter.

Die Petition läuft noch bis Ende Mai. Bislang beträgt die Zahl der Unterstützer rund 920.

Der „Wald vor Wild“-Streit, bei dem es einerseits um artgerechten Umgang mit Tieren und andererseits um die lukrative Produktion von Holz geht, tobt in Sachsen bereits seit Längerem. Die Fronten zwischen der Jägerschaft und dem Staatsbetrieb Sachsenforst sind verhärtet. Beide Konfliktparteien sind bestrebt, den eigenen Standpunkt zum zukünftigen Wildtiermanagement im Erzgebirge von einer eigenen wissenschaftlichen Studie untermauern zu lassen. Da es dabei aber auch um Finanzierungsfragen geht, dreht sich der Streit inzwischen kurioserweise nicht nur um das eigentliche Thema, sondern auch um den Streit an sich (wir berichteten).

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