Online-Petition: Ein Schäfer wehrt sich

Wanderschäfer Sven de Vries hat eine Online-Petition gestartet, in der er einen praktikablen Schutz vor Wölfen fordert.

Schafherde

Foto: GuentherDillingen

„Wer den Wolf will, muss uns auch unsere Herden schützen lassen!“, fordert Wanderschäfer Sven de Vries in einem Kommentar, der auf wolfsmonitor.de veröffentlicht wurde. Er weiß, wovon er redet: De Vries betreut 650 Mutterschafe am Rande der Schwäbischen Alb und muss sich berufsbedingt mit dem Thema Wolf auseinandersetzen. Zum einen hat er die immer neuen Berichte über Wolfsattacken satt, zum anderen die ewigen Diskussionen über den Abschuss von Wölfen. Vor allem aber frustriert es ihn, dass die deutsche Gesetzgebung die Schäfer an einem effektiven Herdenschutz hindert.

Laut einer Pressemitteilung zur Petition befasst sich de Vries schon lange mit den Möglichkeiten, wie er seine Schafe vor dem Wolf schützen kann. Liest man seine Worte, wird klar: Ihm liegt viel an seinen Tieren. „Mir geht es nicht um die Diskussion Pro oder Contra Wolf, ich möchte meine Mädels vor dem Wolf schützen.“ Für ihn ist die Kombination aus hohen Zäunen und Herdenschutzhunden die effektivste Schutzmaßnahme.

Aber genau das macht Probleme, denn eine Haltung von Herdenschutzhunden in seiner Schafherde verstößt gegen die „Tierschutzhundeverordnung“ – der Hund könne etwa mit dem Elektrozaun in Berührung kommen. Was für Schafe laut Gesetz in Ordnung geht, sei für Hunde nicht hinzunehmen. Auch schwere, gut gedämmte Hundehütten müsste er für seine Hunde auf die Hänge der Alb hinauftragen, obwohl Erfahrungen aus der Schweiz zeigen, dass die Hunde sich für die Hütten nicht interessieren und lieber bei ihrer Herde liegen.

„Da hat jemand ein Gesetz gemacht und nicht an die Herdenschutzhunde gedacht“, zeigt sich de Vries verständnislos. „Herdenschutzhunde werden seit Jahrtausenden beim Schutz der Herden vor Wolf, Luchs und Bär eingesetzt und genau für diesen Zweck gezüchtet. Man kann mir nicht erzählen, dass sie nun plötzlich nicht mehr dafür geeignet sind.“ Die aktuelle Gesetzeslage mache es Schäfern nahezu unmöglich, Herdenschutzhunde zu halten, ohne gegen das Tierschutzgesetz zu verstoßen. Er erklärt in seinem Kommentar: „Die Tierschutzhundeverordnung schreibt eine Hundehütte vor und verbietet eine elektrifizierte Umzäunung. Ohne Strom bietet der Zaun aber keinen Schutz vor dem Ausbruch meiner Schafe mehr und hindert den Wolf auch nicht länger am Überspringen.“

Um seinem Ärger Luft zu machen, fordert de Vries nun in einer Online-Petition den Deutschen Bundestag auf, die Tierschutzhundeverordnung zu ändern, damit Weidetierhalter ihre Schafe angemessen schützen können. Und zwar so, „dass wir und unsere Schafe nachts auch schlafen können und nicht ständig einen Angriff befürchten müssen.“

Das häufig geäußerte Argument, für gerissene Schafe bekämen Schafhalter schließlich einen finanziellen Ausgleich, ärgert ihn besonders. „Mit ein paar Hundert Euro für die toten Artgenossen ist meinen Schafen doch nicht geholfen“, erzählt er. Eine Herde vertraue ihrem Schäfer, folge ihm auch durch schwieriges Gelände, durch den Straßenverkehr und akzeptiere ihn als Teil der Herde. De Vries fühlt sich jedoch außerstande, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Ein Wolfsangriff sei für die sensiblen Tiere ein traumatisches Erlebnis. „Noch Monate nach einem Übergriff reagieren sie ängstlich auf jede Bewegung außerhalb der Pferche.“

Zwar ist de Vries sicher, dass es keinen hundertprozentigen Schutz vor einem Wolfsangriff geben kann – allerdings könne man mit geeigneten Zäunen und dem Einsatz von Hunden schon viel erreichen. Daher hofft der Schäfer jetzt, dass seine Petition Unterstützung findet und der Gesetzgeber den Weidetierhaltern Rechtssicherheit verschafft. Er meint: „Bald 100.000 Menschen waren bereit, sich für Wolf Pumpak einzusetzen und ich finde, der Schutz unserer Schafe sollte den vielen Befürwortern der Wölfe in Deutschland ebenso eine Unterschrift wert sein.“

Laut der Pressemitteilung kann die Petition auf der Seite des Petitionsausschusses des Bundestages unter epetitionen.bundestag.de unter der Nummer 71176 eingesehen und von jedem unterstützt werden. Kann Sven de Vries innerhalb von vier Wochen mindestens 50.000 Unterschriften sammeln, muss der Petitionsausschuss öffentlich über sein Anliegen beraten. Den Link sowie weitere Informationen zur Petition finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!