Peta meint: Angeln macht Kinder zu Gewalttätern

Wie sinnvoll ist es, dass Kinder bereits mit sieben Jahren angeln dürfen? Im Landtag von Baden-Württemberg ist über diese Frage erneut Streit entbrannt. Auch die Einschätzungen von „Experten“ gehen weit auseinander.

Erwachsener und Kind beim Angeln

Foto: ParentRap

Bereits seit mehreren Jahren wird in Baden-Württemberg darüber diskutiert, ob das Mindestalter für den Jugendfischereischein gesenkt werden sollte. Kurz vor der Sommerpause wurde jetzt erneut ein Vorstoß abgeschmettert, das Mindestalter von zehn auf sieben Jahre herabzusetzen, wie schwaebische.de berichtet. Die FDP hatte beantragt, das Landesfischereigesetz entsprechend zu ändern. Die Grünen lehnten den Vorschlag jedoch ab, ebenso die CDU. Letztere jedoch wohl nicht aus Überzeugung, sondern um den grün-schwarzen Koalitionsfrieden zu wahren. Nicht nur dieses Einknicken verdeutlicht, dass die Debatte in Baden-Württemberg vor allem ideologisch geführt wird.

Pix (Grüne): „Kinder begreifen das Töten womöglich als Spiel“

Die Angler fühlen sich von der CDU im Stich gelassen, denn noch vor wenigen Jahren war die CDU klar auf ihrer Seite. „Die CDU musste offenbar Zugeständnisse machen“, zeigte sich Jürgen Kath, Vorsitzender der Angler in Südwürttemberg, enttäuscht. Er hätte eine Senkung des Mindestalters begrüßt. Bislang dürfen in Baden-Württemberg erst Zehnjährige die Rute halten, und zwar nur in Begleitung eines Erwachsenen mit Angelschein. Die Grünen finden, dass die bestehenden Regeln mit Blick auf den Tier- und Kinderschutz ausreichen. Da Fische ein Schmerzempfinden hätten, müsse sichergestellt sein, dass ihnen kein unnötiges Leid zugefügt werde. „Diese Sachkunde kann von einem siebenjährigen Kind nicht erwartet werden, auch nicht unter Anleitung“, meint Reinhold Pix von den Grünen und warnt zudem davor, Kinder schon früh ans Töten von Tieren heranzuführen. „Kinder begreifen das Verletzen und Töten sonst womöglich noch als Spiel.“

Peta: „Angeln fördert Lust am Töten, Macht ausüben, Kontrolle haben“

Dabei gehen die Aussagen der Grünen in eine ähnliche Richtung wie die Argumente von einschlägigen Organisationen wie Peta. Die Tierrechtler beziehen sich wie schon so oft auf ein Gutachten des Mediziners Dr. Jatzko Senior, in dem behauptet wird, „dass das Angeln in jungen Jahren häufig den Grundstein dafür legt, dass sich die jungen Angler zu Gewalttätern entwickeln.“ Angeln fördert aus Sicht der Peta-Tierschützer die „Lust am Töten, Macht ausüben, Kontrolle haben“. Laut der häufig zitierten Peta-„Fachreferentin“ Dr. Tanja Breinig verlieren Kinder durch das Angeln ihr natürliches Empathievermögen, was sie zu potenziellen Straftätern oder Amokläufern mache.

Bos: „Angeln fördert Verständnis für Natur- und Tierschutz“

Der Dortmunder Erziehungswissenschaftler Professor Wilfried Bos sieht das komplett anders. Er schrieb bereits 2011: „Angeln kann bei Kindern das Verständnis für Naturschutz, Tierschutz und den persönlichen Reifeprozess fördern.“ Er betont in seinem Buch, dass das Angeln pädagogisch wertvoll sein kann, sofern es bis zum zwölften Lebensjahr unter Anleitung stattfindet. Diese Einschätzung teilen FDP, SPD und AfD in Baden-Württemberg geteilt, lange auch von der CDU. Ein Abgeordneter sagte etwa 2012: „Wir wollten das Mindestalter zum Erwerb des Jugendfischereischeins von zehn Jahren auf sieben Jahre senken.“ Damals regierten die Grünen noch mit der SPD, der Vorschlag wurde blockiert.

Von Eyb: „Es ist gut, Kinder früh an die Natur heranzuführen“

Immerhin zwei Abgeordnete der CDU enthielten sich bei der neuerlichen Abstimmung.  Einer von ihnen ist Arnulf von Eyb, Präsident des Landesfischereiverbandes. Dieser zeigt sich von der Überzeugung des Koalitionspartners unbeeindruckt. „Ich bin zuversichtlich, dass die Grünen im Laufe der Zeit erkennen: Es ist gut, Kinder früh an die Natur heranzuführen“, sagte er gegenüber der Zeitung. „Keiner möchte sich vorstellen, wie die Jagst heute ohne den Einsatz der Angler aussehen würde.“ Nach einem Chemieunfall am Fluss hatten die Fischereivereine damals mit Hunderten Ehrenamtlichen geholfen, die Giftwolke einzudämmen und zu verdünnen.

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