Problemwölfin: Grünes Ministerium und Nabu sind sich nicht grün

Thüringer Umweltministerium erwägt Abschuss eines Wolfs – der Nabu spricht von „Panikmache“.

Wolf

Symbolbild: Tobias Bürger

Das Umweltministerium in Thüringen erwägt erstmals den Abschuss eines Wolfs. Der grüne Staatssekretär Olaf Möller erklärte gegenüber dem MDR, wenn es der sogenannten Ohrdrufer Wölfin gelinge, in zwei Fällen „optimale“ Schutzzäune zu überspringen, sei der Abschuss nötig. Ein „Wolfsexperte“ des Nabu hingegen sagte der Thüringer Allgemeinen: „Panikmache und Abschussforderungen helfen nicht weiter – wir müssen uns mit dem Beutegreifer arrangieren.“ Dem Bericht zufolge wurden allein in diesem Jahr von der Ohrdrufer Wölfin schon mehr als 70 Schafe und Ziegen gerissen.

Während es bei Umweltpolitiker Möller und seiner ebenfalls grünen Ministerin Anja Siegesmund offenbar für Eindruck gesorgt hat, dass die Wölfin zuletzt einen stromführenden 1,2-Meter-Zaun übersprang, um Nutztiere zu töten, sieht man die Sache beim Nabu ganz anders. „Ein 1,20 Meter hoher Elektrozaun macht es dem Wolf schwer, ein Schaf zu reißen“, sagte „Wolfsexperte“ Silvester Tamás dem Zeitungsbericht zufolge. Angesichts der hohen Zahl von Attacken appelliere der Nabu an die Thüringer Tierhalter, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken. Zudem empfehle er den Einsatz ausgebildeter Herdenschutzhunde. Dass diese Hunde ihrerseits wieder für vielfältige neue Probleme sorgen können, verschwieg Tamás. Er wies darauf hin, dass bei der Landesanstalt für Umwelt und Geologie nach Vorstellung des Nabu eine „Kompetenzstelle“ eingerichtet werden solle, „die das Thema in der Öffentlichkeit kommuniziert und moderiert“.

Staatssekretär Olaf Möller erklärte laut MDR, man könne von Tierhaltern zwar erwarten, dass sie Schutzzäune um ihre Weiden bauen. Es sei „aber unzumutbar, dass Schäfer die ganze Nacht ihre Herde bewachen“. Zur Ohrdrufer Wölfin sagte Möller: „Wenn es tatsächlich so ist, dass der Wolf den optimalen Schutz überwindet, werden wir zur Tat schreiten.“

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus für einheitliches Vorgehen bei Problemwölfen

Einen bundesweit einheitlichen Umgang mit „Problemwölfen“ forderte unterdessen der mecklenburg-vorpommersche Umweltminister Dr. Till Backhaus (SPD). „Wir brauchen einheitliche Rechtsgrundlagen, um solche Wölfe zu vergrämen oder zu erlegen, und Instrumente, um auf Wölfe zu reagieren, die ein notorisch unerwünschtes Verhalten zeigen“, erklärte der Minister laut einer Pressemitteilung. Backhaus forderte den Bund dazu auf, zu belegen, ob die naturschutzrechtlich relevante „Schwelle des guten Erhaltungszustandes“ beim Wolf bereits erreicht sei. Er erwarte, dass der Bund auf der nächsten Umweltministerkonferenz Mitte November endlich definiere, wie mit Problemwölfen einheitlich umgegangen werden soll.

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