Sachsen: Geplanter Wolfsabschuss in der Kritik

Umweltminister Thomas Schmidt bestätigt Ausnahmegenehmigung und erntet umgehend kritische Reaktionen.

Wolf

Symbolbild

Ein Wolf, der sich in den vergangenen Monaten im Landkreis Görlitz auffällig verhalten hat, darf aus der Natur entnommen werden. Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) hat die Entscheidung des zuständigen Landratsamtes bestätigt, nach der eine entsprechende Ausnahmegenehmigung für den Abschuss des Tieres gilt.

Laut Umweltministerium war der Wolf in jüngster Vergangenheit immer wieder in Siedlungsbereichen des Landkreises Görlitz aufgetaucht, um dort nach Futter zu suchen. Durch die genetische Analyse aufgefundener Haare konnte die Identität des Tieres ermittelt werden. Es handelt sich demnach um einen knapp zweijährigen Wolfsrüden, der aus dem polnischen „Ruszow-Rudel“ stammt, dessen Territorium an Sachsen angrenzt.

Durch den Informationsaustausch mit polnischen Wissenschaftlern wurde dem Ministerium zufolge bekannt, dass das Tier bereits als Welpe von Menschen gefüttert worden war. Zudem konnte mit dem genetischen Abgleich nachgewiesen werden, dass es sich um denselben Wolf handelt, der Anfang Juni vergangenen Jahres dabei beobachtet wurde, wie er von einem Grundstück das abgezogene Fell eines dort gerade zerlegten Wildschweins in ein angrenzendes Waldstück zerrte.

„Wegen des auffälligen Verhaltens des Wolfes besteht die Gefahr einer weiteren Eskalation“, erklärte der sächsische Umweltminister. „Die Sicherheit von Menschen hat Vorrang vor dem Artenschutz. Daher ist in diesem speziellen Fall eine Entnahme gerechtfertigt.“

Schmidts Entscheidung rief prompt Reaktionen hervor: So erklärte der Bürgermeister der Gemeinde Rietschen, Ralf Brehmer, gegenüber der Lausitzer Rundschau, er hätte es für vernünftig gehalten, den Wolf einzufangen und in ein Wildgehege zu bringen. Ilka Reinhardt vom Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und -forschung sagte der Zeitung, man hätte versuchen können, das Tier „umzuerziehen“ und erst bei ausbleibendem Erfolg seinen Abschuss anordnen können. 

Jürgen Vogler, Betreiber der Seite wolfsmonitor.de, schrieb: „Selten ergab sich bisher in Deutschland – so wirkt es zumindest aus der Ferne – so deutlich die Chance, eigene Erfahrungen mit Vergrämungsversuchen zu machen.“ Offensichtlich lasse man jedoch im Landkreis Görlitz schon nach rund zwei Monaten eine solche Chance verstreichen. Vogler äußerte daher die Vermutung, interne Erkenntnisse über die Gefährlichkeit des Wolfes, die der Öffentlichkeit noch nicht bekannt sind, könnten seinen sofortigen Abschuss rechtfertigen.

Die geplante Entnahme in Sachsen weckt Erinnerungen an den niedersächsischen Wolf „Kurti“, der im vergangenen April mit Genehmigung des niedersächsischen Umweltministeriums getötet wurde (wir berichteten). Der Fall hatte zu aufgeregten Diskussionen geführt (wir berichteten) und dem Ministerium jede Menge Strafanzeigen eingebracht. Die Staatsanwaltschaft kam aber letztlich zu der Erkenntnis, dass die Entnahme rechtmäßig war (wir berichteten).

Genau wie „Kurti“ hat übrigens auch der Wolf aus Sachsen längst einen mediengerechten „Spitznamen“ verpasst bekommen. Das Tier wird in Berichten gern als „Pumpak“ (polnisch für „der Fette“) bezeichnet.

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