Schalldämpfer-Streit geht in die nächste Runde

Im Streit um Schallschutz bei der Jagd sind sich Forst- und Innenministerium in Thüringen weiterhin uneins. Werden die Jäger hier diskriminiert?

Waffe mit Schalldämpfer auf dem Schießstand

Foto: all4hunters

Ein linker Forstminister und ein für Inneres zuständiger Sozialdemokrat gehen zu einer Schießvorführung. Die Pointe: Auch, nachdem sie den Knall eines Jagdgewehrs mit und ohne Schalldämpfer selbst gehört haben, streiten sich die thüringischen Politiker noch darum, ob es Jägern erlaubt werden soll, Schalldämpfer bei der Jagd zu nutzen. Wie insüdthüringen.de berichtet, gibt es noch immer keine Annäherung zwischen Forstminister Klaus Sühl (Linke) und Staatssekretär Udo Götze (SPD).

Forstminister Sühl ist weiterhin davon überzeugt, dass das Gehör von Jägern nur mithilfe von Schalldämpfern wirksam geschützt werden könne. Daher will er erwirken, dass das Jagdgesetz in Thüringen derart angepasst wird, dass Jäger Schalldämpfer erwerben und nutzen dürfen. Staatssekretär Götze hingegen hält an seiner Meinung fest, dass Schalldämpfer schließlich kriminell missbraucht werden könnten. Zudem verweist er auf den Konflikt mit dem Waffenrecht, das Bundessache sei.

Forstminister Sühl verschärft unterdessen den Ton: Aus seiner Sicht werden die Thüringer Jäger gegenüber ihren Kollegen in anderen Bundesländern wie Hessen und Bayern diskriminiert, wo Jäger unter bestimmten Bedingungen Schalldämpfer nutzen dürfen. Auch in NRW dürfen Jäger seit vergangener Woche Schalldämpfer einsetzen (wir berichteten).

Die Positionen in Thüringen sind jedoch festgefahren; eine Einigung im Landtag ist nicht in Sicht. Selbst parteiintern herrschen Differenzen beim Reizthema Schalldämpfer. Steffen Ditters (Linke), Vorsitzender des Innenausschusses im Thüringer Parlament, zweifelte nach der Schießvorführung am Nutzen des Gehörschutzes. Er sorgt sich ebenfalls, dass die Legalisierung dazu führen könnte, dass Schalldämpfer für kriminelle Zwecke missbraucht werden.

Ganz anders sieht das Volker Gebhardt, Sprecher des Thüringer Forsts. Für Thüringer Förster gehört die Jagd zur Dienstpflicht. Gebhardt erklärt, es gebe bei der Jagd viele Situationen, in denen ein anderer Gehörschutz für Jäger nicht infrage komme, etwa bei der Pirsch im Unterholz. Kommt ein Wildtier in Anblick, ist es unmöglich, kurz vor dem Schuss noch einen Gehörschutz aufzusetzen, ohne es zu verscheuchen.

Auch mit einem Schalldämpfer ist ein Schuss noch zu hören; statt mit einem Schalldruck von 160 Dezibel trifft der Knall jedoch nur mit 120 bis 140 Dezibel auf das Gehör des Schützen. Das erklärte ein Sachverständiger bei der Schießvorführung in Thüringen. Was immer noch nach viel klingt – so laut ist immerhin auch ein startendes Flugzeug –, sei für das Gehör von Jägern allerdings deutlich schonender.

Update:

Der Landesjagdverband Thüringen kritisiert den SPD-Staatssekretär Götze in einer Pressemitteilung. Darin heißt es, er habe bei dem Treffen „von vornherein keinerlei Kompromissbereitschaft gezeigt, sich in Ausführungen zu jagdlich nicht nutzbarer Unterschallmunition geflüchtet und war nicht bereit, den Ausführungen international anerkannter Fachexperten der DEVA Gehör zu schenken.“ Aus Angst vor möglichem Missbrauch für Terroranschläge sei Götze „blind für das, was über Landesgrenzen hinaus längst Normalität geworden ist.“

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