Foto: Johanna Licht

Nachtzielgeräte: Bald erlaubt bei Sauenjagd?

Die Forderung nach der Legalisierung von Nachtzielgeräten bei der Sauenjagd ist nicht neu – bisher war der Einsatz jedoch streng verboten. In Bayern könnte sich das nach Informationen der Mittelbayerischen Zeitung jetzt ändern. Und das gegen den Willen des Bundeskriminalamtes und des Präsidiums des Bayerischen Jagdverbandes (BJV).

Wildschweinschäden machen den Jägern und Landwirten in zahlreichen Regionen Deutschlands zu schaffen. Oftmals kommt es trotz Intensivbejagung nicht zu einer deutlichen Reduzierung des Schwarzwildbestandes. Um den immer weiter steigenden Populationszahlen der nachtaktiven Tiere Einhalt zu gebieten, könnten Nachtzielgeräte ein probates Mittel darstellen. Das sieht zumindest der Bezirksverband Regensburg des Bayerischen Jagdverbandes so. Der Regensburger Verband steht an der Spitze einer Initiative, die zum Ziel hat, den Besitz und Einsatz von Nachtzielgeräten in besonders problematischen Revieren zu erlauben. 

Das Präsidium des Bayerischen Jagdverbandes rund um Präsident Jürgen Vocke lehnt einen Einsatz von Nachtzielgeräten dagegen kategorisch ab. Diese widersprächen den Grundsätzen der Waidgerechtigkeit und des Tierschutzes, denn durch die nächtliche Bejagung werde keine Rücksicht mehr auf die Ruhebedürfnisse der Tiere genommen. Außerdem würden Jäger dadurch zu „reinen Schädlingsbekämpfern“ degradiert, erklärte Vocke dem Bericht zufolge.

Doch trotz des Widerstandes scheint die Initiative Erfolg zu haben. In einem noch nicht veröffentlichten Schreiben von Forstminister Helmut Brunner (CSU) an die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, welches der Mittelbayerischen Zeitung vorliegt, wird ein „rechtssicherer Weg“ aufgezeigt, wie Nachtzielgeräte von Jägern legal eingesetzt werden können. Und das selbst dann, wenn das Bundeskriminalamt dies ablehnt. Es heißt, die Unteren Jagdbehörden könnten das Verbot durch „Einzelanordnungen einschränken“. Dafür müsse ein Revierinhaber eine besonders schwerwiegende Problemsituation aufzeigen, wie enorme Wildschäden, Seuchengefahr oder Verkehrsunfälle. Nach Prüfung könne dann ein Nachtzielgerät zur ausschließlichen Jagd auf Wildschweine zugelassen werden. Somit würde ein Jäger ausdrücklich beauftragt, mit einem Nachtzielgerät zu jagen – und gegen einen behördlichen Auftrag fänden auch waffenrechtliche Verbote keine Anwendung, heißt es in dem Bericht.

Klare Kritik kommt vom BJV-Präsidenten Jürgen Vocke: „Zuständig ist der Bund und damit das Bundeskriminalamt, so etwas kann nach unserer Auffassung das Bayerische Forstministerium nicht anordnen.“ Vocke betont: „Ich muss die Jäger warnen – das ist ein Straftatbestand“. Kreisjägermeister Hubertus Mühlig vom Bezirksverband Regensburg hingegen zeigt sich erfreut: „Wir sind uns bewusst, dass damit die Schwarzwildproblematik nicht gelöst ist. Aber es hilft uns, bei schwierigen Verhältnissen die Sauen zu bejagen.“

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