Schweiz: Mit Drohnen Jagd auf Wildschweine machen?

Jäger sollen bei der Wildschweinjagd auf Drohnen setzen – über diese Forderung wird in Kürze das Parlament des Schweizer Kantons Aargau abstimmen. Jäger äußern jedoch unter anderem ethische Bedenken.

Wildschweine im Feld

Foto: Carol Scholz

Nicht nur in Deutschland wird die wachsende Wildschweinpopulation immer mehr zum Problem (wir berichteten). Aktuell schlagen die Landwirte im Aargau (Schweiz) Alarm: Die Wildschäden durch wachsende Schwarzwildbestände sind enorm. Waren es im Jahr 2017 noch insgesamt Schäden von knapp 400.000 Franken, betragen sie im laufenden Jahr bereits über eine halbe Million Franken. Wie der Schweizer Rundfunk berichtet, befürchtet der Bauernverband Aargau Rekordschäden für das Jahr 2018. Abhilfe soll jetzt zum einen die Aufhebung der Schonfrist schaffen, zum anderen eine umstrittene Idee: die Jagd mit Drohnen.

Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauer Bauernverbandes und Ratsmitglied der Schweizer Christdemokraten (CVP) hat zusammen mit Hansjörg Erne von der SVP einen entsprechenden Vorschlag ins Parlament eingebracht. Darin wollen die beiden Großräte beantwortet haben, ob Jäger bei der Jagd Drohnen einsetzen dürfen, um Wildschweine aufzuspüren – auch mit Blick auf die näherkommende Afrikanische Schweinepest (ASP). „Mit diesen Geräten können Jäger die Wildschweine eruieren, sie finden und sehen, wie sie sich bewegen“, erklärte Bucher laut dem Bericht. Dies würde einen Abschuss erleichtern. Zudem fordern Bucher und Erne in ihrer Interpellation, dass Jäger Zielfernrohre mit Nachtsichtgerät künftig auch ohne Bewilligung nutzen dürfen.

Der Verein Jagd Schweiz reagierte grundsätzlich offen auf den Vorschlag, die Jagd auf Wildschweine mit modernen Technologien zu erleichtern. Geschäftsführer David Clavadetscher sagte gegenüber dem Schweizer Rundfunk: „Den Einsatz von technischen Hilfsmitteln auf der Jagd muss man sicher prüfen, insbesondere betreffend Nachtzielhilfen.“

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Allerdings löst speziell der Drohnen-Vorstoß bei den Jägern eher Skepsis aus. „Da sehen wir aus jagd-ethischer Sicht Probleme: Man muss auf der Jagd auch mal akzeptieren, wenn man keinen Erfolg hat“, so Clavadetscher. Der Geschäftsführer der Schweizer Jäger hat außerdem so seine Zweifel, ob ein Wildschwein überhaupt stehen bleibe, wenn eine Drohne über dem Tier kreise.

Thomas Laube, Vizepräsident von Jagd Aargau, kritisierte den Vorschlag bereits im März gegenüber der Aargauer Zeitung. „Die Aargauer Jäger haben 2017 über 1500 Wildschweine erlegt, rund 400 mehr als im Vorjahr.“ Es erstaune ihn sehr, dass Bucher und Erne den Druck auf die Jägerschaft weiter erhöhen wollen, die bei der Wildschweinjagd bereits an die Grenzen ihrer Möglichkeiten komme.

Angesichts massiver Schäden und der Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest drängt nun offenbar die Zeit: Noch vor den Sommerferien soll der Vorstoß im Aargauer Parlament verhandelt werden. Den Vorschlag unterstützen neben Bucher und Erne dem Bericht zufolge weitere 46 Großräte – insgesamt knapp ein Drittel der Parlamentsmitglieder.

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