Strategien gegen Nager: Soll man Nutrias ausrotten?

Schäden an Dämmen und Deichen durch Nutrias regen immer mehr zu Diskussionen an. Im niedersächsischen Bersenbrück haben sich Experten getroffen, um Strategien gegen das Nagetier zu treffen.

Nutria im Gras

Foto: Elli Stattaus

Einst aufgrund des Fells aus Südamerika eingeschleppt, entwickeln sich Nutrias zunehmend zu einer Plage. Sie unterhöhlen Dämme und Deiche und stellen dadurch eine Gefährdung für den Gewässerschutz dar. Im niedersächsischen Altkreis Bersenbrück verursachten die Tiere Schäden von bis zu 50.000 Euro, das berichtet die Lingener Tagespost und beruft sich dabei auf die Einschätzung von Georg Lucks, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Mittlere Hase. Der Unterhaltungsverband, der Dachverband Hase und die Kreisjägerschaft Bersenbrück wollen jetzt handeln. Sie veranstalteten ein Tagesseminar, um die Problematik zu diskutieren – auch mit Blick auf eines unserer Nachbarländer.

Vertreter aus Jägerschaft, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Politik und auch Veterinärmedizin diskutierten hierzu unterschiedliche Lösungsansätze, wie gegen die tierische Plage vorgegangen werden könnte. Ministerialrätin Ina Abel vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz etwa stellte zur Diskussion, ob die Schonzeiten zur Aufzucht des Nachwuchses aufgehoben werden sollten – aus jagdrechtlicher Sicht ist dies aber nicht denkbar. Kreisjägermeister Martin Meyer Lührmann sprach sich dem Bericht zufolge für einen Profijäger mit grenzübergreifendem Jagdrecht aus, wobei er dabei auf eine nachhaltige Jagd der Tiere setzte, indem die Felle der Nutria anschließend verwertet würden – in den Niederlanden kaum denkbar. Dort wird konsequent gegen die Tiere vorgegangen, ohne sie zu verwerten. Denn das Ziel sei die Ausrottung, ein Markt solle dafür nicht entstehen, so Henk van Steen, Koordinator Bisam- und Nutriabekämpfung im Nordosten der Niederlande, gegenüber der Zeitung. Der Grund: 60 Prozent der Niederlande liegen unterhalb des Meeresspiegels. Die Bekämpfung der Nutrias sei hier somit eine Existenzfrage.

Ursprünglich nahm man sich bereits 2002 vor, Nutrias innerhalb von fünf Jahren auszurotten. Das sei 2008 auch fast gelungen, indem sich die Wasserverbände zu Bekämpfungsorganisationen zusammenschlossen und ohne jegliche Schonzeiten die Nutrias bejagten – auch in privaten Bereichen. Dann wurden die Einsatzstunden allerdings reduziert. Henk van Steen bezeichnet dies als Fehler: „Die Tiere vermehrten sich wieder, und es gab Einwanderungen über die Grenze aus Deutschland.“

Aktuell ist die Bekämpfung in den Niederlanden an eine wissenschaftliche Studie geknüpft, die Aufschluss über eine effektive Bejagung geben soll. Ein erstes Ergebnis: Stellt man die Bejagung ein, wachsen die Bestände und somit auch die Schäden an Deichen drastisch an.

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