Tragischer Jagdunfall: Urteil verkündet

Im Prozess um den tragischen Tod eines jungen Mannes in einem Maisfeld hat das Landgericht Hof heute das Urteil bekanntgegeben.

Hochsitz

Foto: Alexander Kumpins

Der Jäger, der im September 2012 einen jungen Mann in einem Maisfeld erschossen hatte, wurde vom Landgericht Hof heute wegen fahrlässiger Tötung zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Strafe ist zur Bewährung ausgesetzt, wie ein Sprecher des Landgerichts Hof bestätigte.

Knapp sechs Jahre ist das Unglück in einem Maisfeld im Fichtelgebirge (Bayern) nun her. In einer Nacht im September erschoss der angeklagte Jäger einen 26-jährigen Crystal-Meth-Konsumenten, der frankenpost.de zufolge zum Zeitpunkt des Unglücks eine hohe Dosis Drogen im Blut gehabt hatte. Als der Schuss fiel, befand sich das Opfer unter dem Hochsitz, wo der Jäger eigentlich darauf wartete, Schwarzwild vor die Flinte zu bekommen. Ob der Waidmann den Abzug bewusst oder aus Versehen betätigte, war Gegenstand intensiver Ermittlungen.

Der Waidmann sagte im Prozess aus, dass er geglaubt hatte, ein Wildschwein angesprochen zu haben. „Eine komische Sau“, habe der 57-jährige Büchsenmacher noch gedacht. Das Opfer war nachts unter Drogeneinfluss in einem weißgrauen T-Shirt – offenbar grunzend – durch das Maisfeld spaziert. Das alles deutete auf ein Wildschwein hin. Später sagte der Jäger, er habe beim Entspannen der Waffe aus Versehen in den Abzug gegriffen, woraufhin sich der Schuss nach unten gelöst habe. Mit einem Menschen habe der Jäger an diesem Ort zu dieser Uhrzeit schlicht nicht gerechnet. Auch einige Zeugenaussagen, spätere Messungen am Tatort und die Position des Getöteten – nur 60 Zentimeter abseits des Hochsitzes – gaben Rätsel auf.

Juristisch erwies sich dieser Fall als vertrackt. Demensprechend gingen die Schlussplädoyers weit auseinander: Der Verteidiger forderte einen Freispruch, die Staatsanwältin eine Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung. Der Anwalt der Mutter des Opfers plädierte br-Informationen zufolge darauf, den Fall vor dem Schwurgericht erneut aufzurollen, da der Jäger mit Tötungsabsicht geschossen habe. Der verurteilte Jäger sprach der Familie am vorletzten Verhandlungstag erneut sein Beileid aus: „Mir tut alles aus tiefster Seele leid. Ich kann mich nur entschuldigen.“

Mit dem aktuellen Urteil passte die Berufungskammer des Landgerichts das Urteil des Amtsgerichts Wunsiedel aus dem Jahr 2015 an. In erster Instanz war der Jäger zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden – alle Prozessbeteiligten legten damals Berufung ein. Das Gericht entschied nun außerdem, dass der Waidmann die Hälfte der Verfahrenskosten tragen muss.

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