Luchs-Abschüsse beschäftigen die österreichische Justiz

Luchs

Der Abschuss von vier Luchsen in der Region des oberösterreichischen Nationalparks Kalkalpen bleibt ein Fall für die Justiz. Bereits im November vergangenen Jahres war die Jägerin Ingrid W. aus Linz wegen eines Luchs-Abschusses zu einer Haftstrafe auf Bewährung sowie einer Geldstrafe verurteilt worden, nachdem ihrer Erklärung, sie habe im März 2013 am Hochstand einen Luchs mit einem Fuchs verwechselt und daher das „falsche“ Tier getötet, von Richterseite kein Glauben geschenkt worden war. Nun steht auch ihr Ehemann vor Gericht. Harald W. soll einen weiteren Luchs in der Region geschossen haben und muss sich daher ab dem 9. Juni vor dem Landesgericht Steyr wegen der „Vorsätzlichen Schädigung des Tier- und Pflanzenbestandes“ verantworten, berichteten die Oberösterreichischen Nachrichten.

Im neusten Fall von Luchs-Wilderei kam den Strafverfolgern zugute, dass die vier Kuder ­–­ als solche bezeichnet man die männlichen Exemplare des Eurasischen Luchses – jeweils mit einem Halsband besendert worden waren. Die letzten übermittelten Funkpeilungen des jüngsten Luchs-Opfers wurden ausgerechnet aus jenem Revier registriert, das das Ehepaar W. gepachtet hat. Dazu soll Harald W. die illegalen Abschüsse mit der Handykamera festgehalten und sich damit beim Schüsseltreiben, dem gemeinsam Essen und Trinken nach der Jagd, gerühmt haben.

Neben W. muss sich im Zuge der Verhandlung auch Tierpräparator Erwin R. vor Gericht verantworten. In dessen Kühltruhe wurde der Luchskadaver während einer Hausdurchsuchung entdeckt. Die Staatsanwaltschaft wirft R. vor, Harald W. bei einem vorherigen Gerichtsverfahren gedeckt zu haben. Außerdem habe er der Polizei verschwiegen, dass er einen weiteren zur Ausstopfung vorgesehenen Kadaver eingefroren habe. Ebenfalls wird Maximilian S. in Steyr vor Gericht stehen, unter anderem wegen Falschaussage. Er soll entgegen seiner Aussagen Kenntnis von den beiden tiefgefrorenen Luchskadavern gehabt haben. Der Wilderei-Fall könnte indes noch weitere, größere Kreise ziehen: In den Ermittlungsakten finden sich Hinweise, dass es zusätzlich weitere illegale Schützen gegeben haben könnte, darunter „zwei oberösterreichische Politiker“.

Das Abschießen von Luchsen ist gesetzlich verboten und wird mit hohen Geld- und sogar Haftstrafen geahndet. Galt der Eurasische Luchs Anfang des 20. Jahrhunderts noch als nahezu ausgerottet, ist er durch zahlreiche Wiederansiedlungsprogramme mittlerweile wieder in europäischen Gefilden zu finden, wenn auch nur in sehr überschaubarem Maße. Die größte Raubkatze Europas ist weiterhin vom Aussterben bedroht, Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung stufen den Luchs als „stark gefährdet“ und daher als „besonders geschützte Art“ ein. 

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