Wildernde Hunde: Kein Platz in der Jagdstatistik

Hessens Umweltministerium will nicht, dass von Hunden gerissene Wildtiere in der jährlichen Streckenliste auftauchen. Die Streckenmeldungen der Jäger seien „nur eingeschränkt zu verifizieren“. Jäger kritisieren die Begründung scharf.

Von einem Hund gerissener Rehbock

Foto: Günther Götzinger / Landesjagdverband NRW. Kein schöner Anblick, aber leider Realität: Überreste eines gerissenen Rehbocks.

Wie viele Wildtiere fallen jährlich wildernden Hunden zum Opfer? Die hessische Landtagsabgeordnete Wiebke Knell (FDP) wollte es genau wissen und stellte eine parlamentarische Anfrage an die grüne Umweltministerin Priska Hinz. Die Antwort des Ministeriums: Die Zahl der von wildernden Hunden gerissenen Wildtiere soll nicht in der jährlichen Streckenliste auftauchen, heißt es in einer Pressemitteilung der Jägervereinigung Oberhessen. Die Jagdbehörden könnten die Streckenmeldungen „nur sehr eingeschränkt verifizieren“, sie seien daher „wenig belastbar“, so die Begründung. 

Die Umweltministerin habe Zweifel geäußert, ob Jäger das nötige Fachwissen hätten, „um ein gerissenes Reh zweifelsfrei einem wildernden Hund als Täter zuzuordnen“, wird Hinz in der Pressemitteilung zitiert. Dazu seien „Expertenwissen oder unmittelbare Augenzeugen notwendig.“ Hinz argumentiert, dass in Hessen auch andere Prädatoren wie Wölfe, Luchse und Füchse dem Rehwild gefährlich werden könnten. Im offiziellen Luchsbericht von 2017 tauchen allerdings lediglich vier Luchse auf; Wölfe sind der Jägervereinigung Oberhessen zufolge nur vereinzelt im Bundesland zu finden. Daher seien Wolfs- und Luchsrisse eher selten, meint die Jägervereinigung.

Bislang teilt die jährliche Streckenliste in Hessen das Fallwild nur in Wildunfälle im Straßenverkehr und sonstige Todesursachen ein. Wiebke Knell von der FDP hatte in ihrer Anfrage betont, dass angesichts der Vielzahl der von wildernden Hunden gerissenen Wildtiere genauere Angaben notwendig seien. Somit erneuerte sie die Forderung der Jäger in Hessen, die bereits seit längerer Zeit darauf drängen, von Hunden gerissenes Wild gesondert auszuweisen.

Der Vorsitzende der Oberhessischen Jägervereinigung, Helmut Nickel, sagte beim Landesjägertag 2015: „Wir wollen mit konkreten Zahlen die Diskussion um wildernde Hunde versachlichen und das ganze Ausmaß dieser Tierschutzproblematik deutlich machen.“ Damals hatten die Jäger in einem Antrag gefordert, die Streckenliste um eine Spalte „wildernde Hunde“ zu erweitern.

Die Jägervereinigung Oberhessen kritisiert die Argumentation des hessischen Umweltministeriums deshalb jetzt scharf: Hinz gehe indirekt davon aus, dass die Jäger bei den Streckenlisten „mogeln“ würden. Auch der gemeinnützige Verein „Für Jagd in Deutschland e.V.“ hat wenig Verständnis für die Antwort des Ministeriums. Das Beispiel aus der Politik zeige deutlich, wie einfach Statistiken angepasst würden, die möglicherweise ein unschönes Licht auf die eigenen Wähler werfen könnten.

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