Wird der Wolf zum Kuscheltier?

Experten stellen Überlegungen an, ob ein neuerlicher Wandel des Wolfs zum Hund begonnen hat.

Wolf

Die Rückkehr der Wölfe in heute dicht besiedelte Gebiete könnte das Ende der ursprünglichen Raubtier-Spezies bedeuten. Wissenschaftler spekulieren, ob ein neuerlicher Wandel zum Hund bereits begonnen hat.

Das renommierte Wissenschaftsblatt „Science“ widmet dem Thema einen ausführlichen Artikel unter dem Titel „Werden einige Wölfe erneut zu domestizierten Hunden?“

Nach Ansicht der zitierten Experten könnte sich momentan wiederholen, was vor Jahrtausenden geschah, als unsere Haushunde entstanden: „Wölfe in verschiedenen Teilen der Erde sind möglicherweise auf dem Weg, der zur Entwicklung der Hunde führte.“ Abgeleitet wird diese These aus dem Umstand, dass sich die Raubtiere mehr und mehr dem Menschen annähern. Diese Nähe könne Menschen und Wölfe aber auch in mehr Konflikte mit „katastrophalen Folgen“ bringen.

Untersuchungen des Evolutionsbiologen Thomas Newsome von der Deakin Universität in Melbourne haben ergeben, dass weltweit betrachtet 32 Prozent der Grauwolfsnahrung menschlichen Ursprungs sind. Dies führt dazu, dass die Wölfe vermehrt die Nähe zum Menschen und seinen Nutztieren suchen. Dieser Effekt verstärke sich mit der Rückkehr in heute dicht besiedelte und landwirtschaftlich genützte Gebiete.

Als wesentlicher Unterschied zwischen Wolf und Hund gilt gemeinhin, dass sich Wölfe im Gegensatz zum Hund ausschließlich mit Fleisch ernähren. Ob da ebenfalls schon eine neue Evolution im Gange ist, bleibt bisher offen. Ebenso ungeklärt ist die These, dass die Tiere mit abnehmender Menschenscheu auch ihr Aggressionsverhalten ändern. Diese Entwicklung hat Newsome im Jahr 2014 bei australischen Dingos nachgewiesen, die sich fast ausschließlich im menschlichen Umfeld ernährten: „Das machte sie fett und weniger aggressiv.“

Asiatische Löwen in Westindien, heißt es in dem Science-Aufsatz, verloren unter dem Einfluss der Symbiose mit menschlichen Siedlungen derart ihre Angriffslust, dass sich heute Touristen zu Fuß den Tieren nähern können. Als Gegenbeispiel gilt der nordamerikanische Schwarzbär: Tiere, die sich den Menschen nähern, sterben jung – „weil die Menschen sie töten.“

Ob zutraulichen Wölfen ein Schicksal wie den Schwarzbären droht oder ob sie zu halbzahmen Kuscheltieren werden, ist für die Wissenschaft eine durchaus ernste Frage. Klar scheint jedoch: Derart domestizierte Wölfe ernähren sich nur im Notfall von Wildtieren. Leichte Beute wie Schafe oder Hausschweine ist ihnen allemal lieber.

Einen umfangreichen Überblick über das Thema Wolf finden Sie auch hier in unserem Wolfsticker: Hier klicken!

Das könnte Sie auch interessieren
Aktuell & informativ

DER OUTFOX WORLD NEWSLETTER

Aus der Natur direkt in Ihr Postfach.

Folgen Sie uns!