Wo bleiben die Wildpflanzen?

Der Anbau nachwachsender Rohstoffe wie Mais oder Raps bleibt stabil – meist auf Kosten der Artenvielfalt in Agrarlandschaften.

Reh

Foto: Dieter Hopf

Auf 2,7 Millionen Hektar Deutschlands wuchsen im Jahr 2016 nachwachsende Rohstoffe – eine Fläche, die fast so groß ist wie Belgien. Auf einem Großteil der Fläche, nämlich knapp 1,5 Millionen Hektar, wurden Energiepflanzen für Biogasanlagen angebaut, wie die Fachagentur Nachwachsender Rohstoffe mitteilt. Die Anbaufläche der Hoffnungsträger-Pflanze „Durchwachsene Silphie“ (wir berichteten) hat sich von 400 auf lediglich 800 Hektar verdoppelt. Ansonsten ist die Anbaufläche auf einem ähnlichen Niveau im Vergleich zum Vorjahr.

Für das Netzwerk „Lebensraum Feldflur“ ist diese Bilanz enttäuschend: Alles andere als stabil sei nämlich die Artenvielfalt in den agrarisch geprägten Lebensräumen, in denen nachwachsende Rohstoffe wachsen, heißt es in einer Mitteilung. Wo also bleiben die Wildpflanzen, die zur Erzeugung von Biomasse genutzt werden können, aber auch Wildtieren einen Rückzugsort bieten? In ertragreichen Wildpflanzenmischungen sieht das Netzwerk die Zukunft der Biomasseproduktion. „2016 betrug die Anbaufläche ertragreicher Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion deutschlandweit über 1.000 Hektar“, erklärt Stefan Zeller vom Saatgutproduzenten Saaten Zeller. Damit liegt die Anbaufläche von Wildpflanzen noch vor der Fläche, auf der die Durchwachsene Silphie wächst. Besonders ernüchternd: Rechnet man die Flächen der beiden ökologischen Alternativen zum Mais zusammen, kommt man auf weniger als 0,2 Prozent der Anbaufläche des Maises.

Mehrjährige Wildpflanzenmischungen (wir berichteten) können eine echte Alternative zum Mais sein und gleichzeitig einen Lebensraum für seltener gewordene Tierarten schaffen. Insekten werden ebenso angelockt wie Rebhühner, Kiebitze oder Feldlerchen. Daher fordert das Netzwerk „Lebensraum Feldflur“ mehr Anreize für die Landwirte und eine bessere Einbindung des Themas in die Agrar- und Umweltpolitik der Länder.

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