Wolf rettet Reh vor Wolf 

In Brandenburg spielten sich vor einem Gasthof im Ort Trebitz ungewöhnliche Szenen ab.

Wolf im Wald

Wenn Wolf ein Reh vor dem Wolf retten will, dann handelt es sich entweder um ein neues Disney-Märchen oder um eine wahre Geschichte, die sich im Ortsteil Trebitz in Potsdam-Mittelmark ereignete. Die Hotelfachfrau Doreen Wolf, die witzigerweise genauso heißt wie der graue Isegrim, beobachtete aus dem Gasthof und Hotel „Zur Linde“ wie auf dem dazugehörigen Parkplatz ein Wolf ein junges Reh verfolgte. Zunächst traute die Hotelfachfrau ihren Augen kaum, doch als sie mit ihrer Kollegin vor die Tür lief, spielte sich dort der ganz normale Kreislauf der Natur ab.

Der Wolf hatte das Kitz an den Hinterläufen zu fassen bekommen. Mit lauten Rufen versuchte Doreen Wolf Isegrim einzuschüchtern. Kollegin Ute Zedler habe ihr mit Pfiffen wie in der Fankurve eines Fußballstadions beigestanden, heißt es in einem Bericht der Märkischen Allgemeinen. Obwohl der Wolf dann von seiner Beute abließ und ins freie Gelände flüchtete, sei das verletzte Reh nicht mehr zu retten gewesen. Es verendete kurz nach dem Zwischenfall mit dem Wolf hinter einem Baum, wo es Schutz gesucht hatte.

Auch wenn Wolfssichtungen in Brandenburg (wir berichteten) mittlerweile keine Seltenheit sind, ist dieser Zwischenfall am helllichten Tag schon eine Besonderheit. Hotelfachfrau Doreen Wolf und die langjährigen Wirtsleute Roland und Monika Heine finden das unerschrockene Vordringen des Wolfes bis zu dem Hotel in der Ortsmitte sehr irritierend. „Wir haben in der Gastronomie schon viele schräge Gäste kommen und gehen gesehen. Aber dass es mal ein Wolf zu uns schafft, hätten wir uns im Leben nicht vorgestellt“, zitiert die Zeitung die Wirtsleute.

Woher der Wolf kommt, weiß niemand so ganz genau. Eventuell gehöre das Tier zum Lehniner Rudel, das auf dem Truppenübungsplatz nachgewiesen ist. Oder es sei ein Einzelgänger auf der Suche nach einem neuen Revier, wird in dem Zeitungsbericht spekuliert. Der Fall ist nicht der erste in dem Ort Trebitz. Vor drei Jahren fielen dort Wölfe in Mutterkuhherden ein und rissen mehrere Kälber.

Für den Wolfsbeauftragten des Brandenburger Landesbauernverbandes, Jens Schreinicke, ist der Fall ein weiteres Beispiel für eine verfehlte Politik im Umgang mit dem Wolf. „In unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft ist für den Wolf kein Platz. Zwangsläufig wird es immer wieder zu Konflikten mit Weidetierhaltern und Dorfbewohnern kommen“, sagt Schreinicke. Die beiden Frauen, die das Reh retten wollten, haben sich laut der Wolfsbeauftragten des Landes Brandenburg, Valeska de Pellegrini, richtig verhalten. Rufen, anschreien, gestikulieren und in die Hände klatschen seien geeignete Mittel, um einen Wolf zur Flucht zu bewegen.  

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